image

Sofia Andruchowytsch

Der Papierjunge

Roman

Aus dem Ukrainischen übersetzt
von Maria Weissenböck

Residenz Verlag

Die Arbeit der Übersetzerin am vorliegenden Text wurde vom Deutschen
Übersetzerfonds gefördert.

Für ihre Unterstützung bei der Entstehung dieses Buches

danke ich Andrij

und Marjana, die in jedem Augenblick bei mir sind,

meinen Eltern, die mich stets mit ihrer

Energie aufgeladen haben,

Renata Serednicki, die mich in ihrem

gemütlichen Haus aufnahm und wärmte,

Żanna Komar, die mir den Weg

zur wichtigsten Quelle zeigte,

Dana Wynnyzka, deren Musik mir

Kraft und Inspiration gab,

Bohdana Matijasch, die mir ein Kreuz schenkte,

und all den anderen Menschen und

Umständen, die mir geholfen haben.

Ich danke auch dem Stipendienprogramm des

ukrainischen Kunstministeriums und dem

Programm »Gaude Polonia« der Republik Polen

sowie dem Literaturprogramm des Fonds »Rozvytok

Ukrajiny«, die mir die Möglichkeit gaben, an dem

Roman zu arbeiten.

Sofia Andruchowytsch

[9. I. 1900]
1. Kapitel

Dieses Haus findet keine Ruhe.

Besonders um den Jahreswechsel. Ein Fest jagt das andere: der Technikerball im Theatersaal, der erste »Wollabend«1 in der Moniuszko-Musikgesellschaft, die Akademikerfeier im Kasino, das Kostümfest des örtlichen »Sokol«-Turnvereins – und so geht es ganze zwei Monate lang. Im Stadtkasino haben zu Silvester nur 28 Paare die erste Quadrille getanzt. Dafür waren das »Stern« und die Kleinbürgerliche Gesellschaft gut besucht. Es heißt, unsere Juden hätten sich in ihrem Klub gut amüsiert. Wie jedes Jahr wurde Frau Doktor Esther Funkelstein zur Ballkönigin gewählt, und mit Recht: Denn es gibt niemanden, der auf der Straße nicht stehengeblieben wäre, um sich nach dieser großgewachsenen Frau umzudrehen und ihr nachzuschauen; und danach kreist sie in allen Gedanken wie eine traurige Melodie.

Adelja liebt gesellschaftliche Vergnügungen und nötigt auch mich mitzugehen. Ich will nicht, denn ich weiß genau, wie die Fräulein in ihren Musselinkleidern hinter Adeljas Rücken flüstern: »Adelja Anger geht mit ihrem Dienstmädchen aus, und verheiratet ist sie mit einem russischen Sargtischler.« Aber Petro begleitet sie nie, und alleine kann ich sie nicht gehen lassen.

Petro ist kein Sargtischler. Er macht Statuen für Gräber und Gruften. Und all diese Fräulein vergießen bittere Tränen, sie weinen sich auf dem Friedhof die Augen aus beim Anblick von Petros traurigen Engeln oder seinen Marmordiven mit wallendem Haar, die bis in alle Ewigkeit erkaltet sind.

Petro arbeitet in der Werkstatt von Kasimir Bembnowytsch in der Sapieżyńskagasse, gegenüber der zum Himmel strebenden deutsch-lutheranischen Kirche. Dort, wo die Pappelallee zum Friedhof abzweigt.

Zurzeit aber stellt er die Marmorarbeiten in unserer Kathedrale fertig: Im Hauptschiff ist der Marmor dunkelgrün, in den Seitenschiffen cremefarben. Er sagt, die Ikonostase sei bereits bemalt und vergoldet. Es werde eine Gasbeleuchtung installiert.

Ich bringe ihm jeden Tag das Mittagessen: mit Buchweizen gefüllte Blutwurst, Speck, Bohnen, Leberknödel, Kartoffelpuffer, Erbsenkroketten. Die Straßen sind nur notdürftig vom Schnee befreit, die Droschken bleiben immer wieder in den Schneewehen stecken. Vor vier Uhr beginnt es bereits zu dämmern, der Lampenknecht jedoch hat keine Eile, die Laternen anzuzünden. Auf Schritt und Tritt begegnet man Rudeln junger Männer, die sich mit Wodka aufwärmen. Die städtische Propination1 hat ihnen zu den Feiertagen ein besonderes Geschenk gemacht: der Liter kostet nur 66 Kreuzer. Um das Geld wird man nicht satt, aber so betrunken, dass man nicht nur den Hunger, sondern auch seinen Namen vergisst.

Und dann wissen sie nicht, was sie mit sich anfangen sollen. Letzte Nacht ist einer vor unseren Fenstern auf und ab gegangen, hat gegrölt, wir sollen ihn bei uns übernachten lassen. Er hat geschrien: Ich habe keinen Platz zum Schlafen, mir frieren die Füße ab. Am Ende hat er doch ein Plätzchen gefunden, an dem er es warm hatte. Die Polizei hat ihn mitgenommen, im Arrest konnte er sich aufwärmen.

In letzter Zeit wimmelt es hier nur so von Verbrechern, Übeltätern und Dieben, dass man Angst hat, auf die Straße zu gehen. Man würde sich am liebsten im Haus verbarrikadieren und nicht einmal die Nase hinausstrecken. Manchmal aber denkt man: Wer sagt, dass es zu Hause sicher ist? Wer sagt, dass nicht auch hier ein Dieb lauert, jemand, dem du vertrauensvoll deine verletzliche Kehle zeigst?

Petro sagt: Die Nachricht gehe um, dass aus der polnischen Kirche zur Heiligen Anna in Jezierzany eine antike Monstranz verschwunden sei. Und wieder weder Spuren noch Zeugen, alle Türen waren mit Schloss oder Riegel versperrt, die Fenster heil, im Inneren herrschte Ordnung. Als wären leuchtende Engel durch die Wände gedrungen und hätten den kostbaren Gegenstand mit in den Himmel genommen, zu Jesu Ehren.

Es geht schon recht lange so: In Mykulynzy, wo vor Kurzem das Gotteshaus nach einem Brand wieder aufgebaut wurde, haben sich zwei goldene Patenen1 in Luft aufgelöst, eine mit der Abbildung der Krippe von Bethlehem, die andere mit einer Darstellung des Heiligen Grabes. Erst am Vortag hatten Pfarrer und Diakon die Teller in einer schmiedeeisernen Truhe eingeschlossen. Am Morgen entfuhr dem Diakon ein Schrei: Die Truhe stand offen und war leer, den einzigen Schlüssel hatte der Pfarrer, beide Männer werden noch immer festgehalten.

Im Basilianerkloster zur Kreuzerhöhung in Buczacz auf dem Berg Fedir trug sich Folgendes zu: Der Novize Benedikt ging um drei Uhr nachts von seiner Zelle im rechts an die Kirche anschließenden Trakt in den Stall, um die Pferde zu füttern, da hörte er durch die mit Pilastern und vergoldeten korinthischen Kapitellen geschmückten Mauern, wie Engelsflügel gegen das Temperagemälde aus dem XVIII. Jahrhundert schlugen. Er zweifelte keine Sekunde an der Natur des Geräuschs. Es habe wie der Flügelschlag der Tauben im Glockenturm geklungen, erzählte Benedikt, nur müsse der Vogel etwa so groß wie ein Mensch gewesen sein.

Am Morgen stellte man fest, dass eine Haarsträhne vom abgeschlagenen Haupt Johannes’ des Täufers, die Reliquien der heiligen Mundyzija, Stacheln von Jesu Dornenkrone und ein Stück des Schwamms, mit dem Jesus Essig zu trinken gegeben wurde, spurlos verschwunden waren. All diese unschätzbar wertvollen, heiligen Gegenstände waren, ebenso wie eine goldene, mit Edelsteinen inkrustierte Dose, wie vom Erdboden verschluckt.

Rabbi David Mosche, Gründer der Gesellschaft für Thorastudien in Czortków, meldete, aus den geheimen Verstecken der Alten Synagoge sei eine Zuckerdose mit gebogenen Füßchen und Blumenornamenten zur Aufbewahrung des Etrogs1 verschwunden. In Wirklichkeit habe sich etwas ganz anderes in der Dose befunden, aber das, sagte der Rabbi, sei ein Geheimnis, das unter keinen Umständen preisgegeben werden dürfe.

Als aus der Synagoge von Brody (der Stadt der unversperrten Türen und des berühmten Weisen Baal-Schem-Tov2) ein antiker Kidduschbecher3, eine Channukkia4 mit einem goldenen, schreitenden Löwen und ein smaragdbesetzter Jad5 verschwanden, erinnerte sich irgendjemand plötzlich an die Pantomime der fahren den Brodyer-Sänger1, die davon erzählte, wie der Herr Sabaoth sein Volk ins Himmlische Jerusalem hinüberführt: zuerst die Dinge, dann die Bethäuser, Tiere und Behausungen, deren mysteriöses Verschwinden den Erdenmenschen Rätsel aufgibt. Als Nächstes lösen sich die Heiligen, die Weisen, Musiker und Kinder in Luft auf, bis schließlich kein einziger Jude mehr auf dieser sündigen Erde zurückbleibt.

Diese furchteinflößenden Ereignisse zeugen davon, dass unsere Erde dem Ende zugeht. Bald holt ein unfassbar großes Wesen tief Luft, streckt sich genüsslich und schlägt die Augen auf. Im selben Augenblick werden wir mit all unseren bösen Blicken und unserem Aberglauben, mit unseren Ängsten und Verzweiflungsschreien, unseren Leidenschaften und Tränen aufhören zu existieren. Wir werden im Himmel verschwinden wie der schwarze, drückende Rauch eines Brandes.

Um nicht daran denken zu müssen, denken die Menschen zum Beispiel an die Feiertage. Und finden keine Ruhe.

Adelja schleppte mich zu einem Konzert des blutjungen Raoul Koczalski. Er ist noch keine fünfzehn Jahre alt, aber die Tasten des Fortepianos zerfließen unter seinen Fingern; man hat den Eindruck, als beherrsche er sein Instrument mit Blicken, mit der Kraft seiner Gedanken, den Bewegungen seines Kopfes. So wie ich den Krauthobel beherrsche, wenn ich Kraut mit Kümmel einlege.

Raoul ist ein dunkelblonder Jüngling mit rundem Gesicht, klaren Augen und rosa Pausbacken. Auf seiner zarten Haut scheint noch kein Barthaar zu sprießen. Ach, wie gern würde ich ihn in die Wange kneifen. Das flüsterte ich Adelja zu, als er zur ersten Verbeugung vor das Publikum trat; sie rollte mit den Augen und stieß mir ihren spitzen Ellenbogen fest in die Rippen.

Doch als das Kind mit seinen expressiven Wachsfingern den offenen Rachen des Klaviers berührte, schämte ich mich. Zuerst spielte er Mozart, Gluck und Hummel, später nur noch Walzer von Chopin und dessen Fantaisie-Impromptu, und da fühlte ich mich plötzlich unwohl, so benommen von diesen Tönen, als hätte ich kein Recht hier zu sein und ihnen zu lauschen: Ich bin so unbedeutend, und das hier ist so wunderbar.

Oh nein, nun fand ich es nicht mehr lustig, dass Raoul Koczalski im Alter von sieben Jahren eine Auszeichnung des Pariser Konservatoriums erhalten, mit acht seine erste Oper geschrieben, mit elf das tausendste Konzert gespielt hatte und mit zwölf vor dem persischen Schah Naser al-Din aufgetreten war, der so vor seinem Tod, der ihn durch die Hand eines Attentäters ereilen sollte, noch das Talent des Jungen bewundern, ihm den Titel Hofpianist zuerkennen und den Sonnen- und Löwenorden verleihen konnte. Auch der türkische Sultan und der spanische König verliehen dem Kind Titel. Und wie durfte ich jetzt auch nur in der Nähe dieses rundlichen, blonden Sonnen- und Löwenkindes sitzen und seiner Musik lauschen?

Zu viele, viel zu viele Feiertage hat diese Winterzeit.

Wenn ich das Frühstück zu früh servierte, sagte Petro: »Unser Dienstmädchen ist so schrecklich intelligent. Es würde mich nicht wundern, wenn sie heute Abend eine Vorlesung über moderne Kriegstechnik besuchte.«

Was habe ich ihm getan, dass er mich so verabscheut?

Adelja konnte ihn nur mit Mühe davon überzeugen, mich zur Vorstellung des weltberühmten Illusionisten Chevalier Ernest Thorn mitzunehmen. Sie weiß, dass ich mich von klein auf für allerlei Arten von Wundern begeistere, für alles, was man Magie und Zauberei nennt. Besonders in unserer Zeit, in der die Welt schon fast bis ins Letzte erklärt ist, zieht mich dieses finstere Gewirr an, lockt mich, auf der Suche nach Antworten bis zu seinem innersten Kern vorzudringen.

Es sind schnelle Zeiten, helle Zeiten. Die Fabrikanten Lieberman und Margosches brausen mit einer Geschwindigkeit von fünfzehn Stundenkilometern die Sapieżyńskagasse entlang. Wir hatten uns noch gar nicht genug an der wundervollen Gasbeleuchtung erfreut, da erstrahlte unser Bahnhof bereits in elektrischem Licht (auch wenn er zum Vergnügen der Taschendiebe immer wieder in Dunkelheit taucht). Wir hatten uns noch nicht am Fotoplastikon1 sattgesehen, bei dem wie in einem Märchen reliefartige Bilder aus fernen Ländern vor den Augen erscheinen, als diese Bilder bereits lebendig wurden und sich im elektrischen Theater, das Herr Öeser zu uns brachte, in Bewegung setzten. Wir können uns die Stadt nicht mehr ohne das elefantöse Tuten der Dampflokomotiven vorstellen, ohne den Rauch, der aus ihren Rüsseln aufsteigt, ohne den Geruch glühender Eisenbahnkohle. Und wir lachen, wenn sich eine Oma daran erinnert, wie die Straßenbahn neben dem Rathaus von Kolomea zu fahren begann und immer wieder anhalten und warten musste, bis die Leute mit ihren Ziegen den Weg frei gemacht hatten. Wie war die Welt damals nur wild und finster gewesen!

Heute halten Fotoapparate innerhalb weniger Minuten dein genaues Porträt fest, wie ein Spiegelbild, nur noch vollendeter und bis in alle Ewigkeit. Und das Telefon erlaubt es, durch knisternde Luftmassen und heulende Winde, über Baumstämme und Hügelwellen hinweg, augenblicklich die Stimme von jemandem zu hören, zu dem Margosches in seinem Automobil noch lange unterwegs wäre. Röntgenstrahlen durchleuchten den menschlichen Körper mit seinem ganzen Innenleben. Und das allerkleinste Teilchen zerfällt jeden Tag in immer kleinere Teilchen, die sich um uns bewegen, kreisen, in uns, in allem, überall. Und das zu einem Knoten gebundene Kopfhaar wächst, wie sich herausgestellt hat, nicht durch »die Zubereitung von Fisch auf jüdische Art und dessen Verzehr«, auch gibt es beim Haar weder »Männchen« noch »Weibchen«, und das Schneiden desselben führt nicht zum sofortigen Tod. Der Aderlass hilft nicht nur mäßig gegen Krankheiten, sondern kann auch beachtlichen Schaden anrichten.

Wenn es so weiter geht, wird uns die Physik bald auch Gott erklären. Vor ein paar hundert Jahren hätte man mich für diese Worte vor dem Rathaus verbrannt, und ich wäre die zweite in unserer Stadt hingerichtete Hexe geworden.

Wenn man schon an Wunder glaubt, dann sollen es – wenn es nach mir geht – unterhaltsame Wunder sein, wie zum Beispiel die in den Vorstellungen des weltberühmten Illusionisten Chevalier Ernest Thorn, dem das »Colosseum Thorn« in Lemberg gehört: »Unternehmen für die Zurschaustellung von Künstlern aus aller Welt in europäischer Manier«. Obwohl ich auch hier keinerlei Zweifel hege, dass jedes Wunder des Chevaliers nichts anderes als ein gut durchdachter Trick ist, dessen Erklärung so nah liegt, als sei sie nur eine Armlänge entfernt, direkt vor den Augen des verblüfften Zuschauers.

Vor dem Säulenportal des städtischen Moniuszko-Theaters, dessen prächtige goldene Kuppel dem Deckel einer bauchigen Zuckerdose aus einem kostbaren Service gleicht, hatte sich hinter Mickiewiczs Künstlerrücken aus weißem Carrara-Marmor das Publikum versammelt: »dicke Fische« aus der Bankenwelt, Köpfe großer Firmen, verdienstvolle Vertreter der Eisenbahngesellschaft mit prächtigen Backenbärten, die sie zum Zeichen der Loyalität mit der österreichischen Monarchie trugen (manche übertrafen in ihren hingebungsvollen Bemühungen sogar Franz Joseph, dessen Backenbart zur Zeit der Weltausstellung in Paris 1867 seine Hochblüte erreicht hatte), mit ihren Begleiterinnen, gekleidet nach der neuesten Mode, die erst im Inneren des Theaters uneingeschränkt bewundert werden konnte. Auf dem neuesten Stand der Mode zu bleiben ist nicht so einfach, wie es scheint, da diese sich gerade im Übergang vom weiten zum schmalen Schnitt befindet, was zu erheblichen Vermischungen und einem beträchtlichen Chaos führt. Deshalb bauschen sich Volants neben schmalen englischen Röcken, neben wuchtigen Samtapplikationen schlängeln sich verspielte Ketten aus funkelnden Perlen, Steinen und Korallen, neben Schleifen und Blumen halten schlichte Schnallen die Kleidung zusammen. Die einzige Gemeinsamkeit der Kleider ist ihr Ausschnitt: Er legt Brust und Schultern großzügig frei, und die Korsage wird nur von einem zarten Bändchen oder einem filigranen Verschluss zusammengehalten. Nicht zu vergessen die Hüte, deren beeindruckende Größe durch die voluminösen, mit extravaganten Kämmen und Nadeln festgesteckten Frisuren noch betont wird. An Schwanenhälse (nicht selten aber auch an Hühner- oder Truthahnhälse) schmiegen sich goldene Ketten mit Medaillons, Herzen und Kreuzen aus den untersten Fächern der überquellenden Schmuckschatullen. An ebenso goldenen Kettchen, die über die Schulter oder am Gürtel getragen werden, baumeln Fächer. Stiefel und Strümpfe passen zur Farbe des Kleides.

Und noch etwas hat sich an den Silhouetten der Stanislauer Damen verändert. Ja, man hat den Eindruck, als hätte sich jede ein neues Paar Brüste zugelegt: Sie sind weniger voll und sitzen tiefer, was letztlich besser zum modischen Schnitt der Röcke passt. Die Ärmel der Kleider werden immer enger und länger. Und noch eine Verbesserung gibt es: Wir tragen jetzt keine Handschuhe mehr.

Die Brüste werden von den hiesigen Beaus genau unter die Lupe genommen, von diesen geschniegelten und parfümierten Jünglingen mit schmalem Schnurrbart und sorgfältigem Mittelscheitel. Alles an ihnen ist übertrieben, als wäre es mit Gewalt in die Länge und Breite gezogen worden: gigantische Krägen, seltsame Krawatten mit ausgefallenen Mustern und unfassbar hohe Hüte (die aussehen, als passten sie nicht durch die Tür).

Überall – draußen, drinnen, im Foyer – hört man nichts als unglaubliche Erzählungen über die Magie des Chevalier Thorn. Darüber, wie er Dinge verschwinden und Menschen und Gegenstände fliegen lässt, sie in Stücke zerschneidet und wieder zusammenfügt, wie innerhalb weniger Minuten auf der Bühne aus einem winzigen Samenkorn ein Baum wächst, der im nächsten Moment Früchte trägt, und wie sich mithilfe von Spiegeln, Kerzenflammen und Wasser aus durchsichtigen Gefäßen bewegliche Schatten erheben, die schauerliche Tänze vollführen und Fragen des Publikums beantworten.

Im Theatersaal ist es stickig. Ein leichter Geruch vom Gas der Lampen liegt in der Luft, vermischt mit dem schweren Aroma von Haarpomaden, Parfums und süßen Pudern. Das Rascheln von Seide und Satin legt sich zart um das aufgeregte Flüstern der Menschen. Der rote Samt der Stühle fühlt sich hart und weich zugleich an. Die Aufregung zerrt an den Nerven: Die Damen haben gerötete Wangen, die Herren sind ernst und konzentriert.

Eine stumme Silhouette gleitet die Wände entlang, löscht eine Lampe nach der anderen und taucht die weiße, lockige, goldgesprenkelte Stuckatur, die Stühle und das Publikum in Dunkelheit, einzig die halbrunde Bühne, versteckt hinter den blutroten Falten des Vorhangs, bleibt erleuchtet. Im Saal wird es immer dämmriger und stiller, nur exotische Fächerschmetterlinge schlagen mit ihren riesigen, dunklen Flügeln.

»Dürfte ich die Dame bitten, diese Karavelle abzunehmen«, hört man irgendwo ein zorniges Flüstern.

»Das ist nicht möglich«, ertönt die entschiedene Antwort. »Mein Hut ist mit Haarnadeln befestigt. Wenn sie hinunterfallen, könnte sich jemand verletzen.«

»Aber Sie stören nicht nur mich. Sie versperren mit Ihrem Hut drei Leuten die Sicht«, insistiert der aufgebrachte Herr.

»Verzeihen Sie, aber ich kann Ihnen nicht weiterhelfen« – ruckartig öffnet sich ein Fächer und beginnt hektisch zu flattern, als würde damit Obers geschlagen.

»Aber natürlich!«, der Mann seufzt dramatisch. »Was kann man schon von diesem Publikum und seinem Geschmack erwarten. Wenn es sich lieber an den Tricks eines Gauklers ergötzt, als zu einem Konzert der Proskurnyzka, des ›Bojan‹-Chors1 oder zu Aufführungen des Lubliner Opernensembles zu gehen!«

»Ach, Herr Janowytsch!«, erklingt eine spöttische Mädchenstimme. »Dafür trifft man Sie überall.«

»Noch dazu im Trachtenhemd!«, zischt die Dame mit der »Karavelle« auf dem Kopf verächtlich. Leises Kichern und gedämpfte Rufe der Missbilligung wogen durch den Saal, doch da beginnt sich der Vorhang mit einem Ruck auseinanderzubewegen, und die Bühne wird sichtbar: In der Mitte steht eine blau-rote chinesische Pagode mit mehreren Dächern, deren Ränder sich schwungvoll nach oben biegen und von denen zwei sorgfältig geschnürte Strohbündel herabhängen.

Es wird still, da und dort hört man das Knarren eines Stuhls, ein Husten oder Magenknurren. Die Pagode ist von oben und von den Seiten beleuchtet, der Rest der Bühne liegt im Halbdunkel. Die Augen der Zuseher tasten den Bühnenraum aufmerksam ab, bemüht, die allerkleinste Bewegung, den allerkleinsten Hinweis darauf zu erhaschen, dass das ungewöhnliche Schauspiel endlich beginnt. Sie bändigen die Ungeduld in ihrem Inneren, darauf gefasst, dass jeden Moment eine entsetzliche Gestalt hervorspringt, eine furchterregende Vogelscheuche über die Bühne rollt, etwas völlig Ungeheuerliches zum Vorschein kommt, dass etwas absolut Undenkbares passiert, etwas fernab jeder Vorstellung. Sie warten voller Anspannung, Furcht und Erregung.

Doch nichts geschieht. Es vergehen fünf Minuten. Sieben. Acht. Die Bühne ist immer noch dunkel und uninteressant. Die Pagode, bereits bis ins kleinste Detail bekannt, steht dumm da, ohne jeglichen Sinn.

Die wie eine Bogensehne gespannte Atmosphäre beginnt sich langsam zu lockern und Raum für Enttäuschung und Empörung zu machen. Kein Seiltänzer könnte mehr darauf balancieren und dabei gefährlich über den Köpfen des Publikums schwanken.

Die Stühle knarren immer energischer, das Flüstern schwillt an, verschmilzt zu einer Geräuschmasse, aus der immer öfter einzelne, beinahe laute Rufe dringen. Eine Welle des Gähnens rollt durch den Saal, wird von einem zum anderen weitergegeben, ohne Zustimmung oder Absicht, in einer Intimität, als würde man sich küssen. Ein grauer, beleibter Herr (in der Dunkelheit ist es schwer zu erkennen, aber wahrscheinlich ist es der brummige Bibring, Magister der Pharmazie) versucht ächzend und stöhnend von seinem Stuhl aufzustehen, fasst nach der Rückenlehne vor sich und nach den ausgestreckten Armen seiner Nachbarn, plumpst jedoch jedes Mal schwer nach hinten, dabei fällt ihm das Monokel vom Auge und baumelt hilflos an der goldenen Kette, bis Herr Bibring (ja, ja, er ist es wirklich), die Backen und Nasenflügel gebläht, vor Zorn beinahe Funken sprüht.

Einige Leute haben den Saal bereits verlassen, andere überlegen noch, was sie tun sollen: weiter warten, oder das Geld für die Eintrittskarte zurückverlangen.

Da versickert der unruhige Schaum plötzlich im Sand. »Ach«, haucht das Publikum, für einen Moment zur enormen Lunge eines Märchenriesen geworden. Wer unaufmerksam gewesen ist, fragt aufgeregt: »Was? Was ist los? Was ist passiert?«, und verstummt, sobald er versteht, was er verpasst hat. Trotzdem weiß auch er aus irgendeinem Grund ganz genau, was auf der Bühne geschehen ist.

Vor der blau-roten chinesischen Pagode ist wie aus dem Nichts Ernest Thorn persönlich aufgetaucht.

Er ist nicht hinter der Kulisse hervorgetreten, nicht aus der Pagode gekrochen, nicht aus der Dunkelheit auf die Bühne geglitten. Nichts hat sich bewegt, nichts hat die abgestandene Luft gestört. Jeder im Saal könnte schwören: Chevalier Thorn ist die ganze Zeit da gewesen, mitten auf der Bühne, seit die Kulissen zur Seite gefahren sind, er hat reglos dagestanden und die Zuseher beobachtet.

Warum haben wir ihn nicht gesehen?

Thorn ist starr wie ein Insekt, das vorgibt, ein Ast oder ein trockenes Blatt zu sein. Ich sehe: Er zwinkert nicht, seine Brust hebt sich beim Atmen nicht. Er sieht geradeaus, doch es hat den Anschein, als überblickte er den ganzen Saal, die Logen, die hinteren Reihen, als sähe er sogar die Bühnenarbeiter, die sich irgendwo verborgen halten. Sein linkes Auge ist leicht verengt und erscheint kleiner als das rechte, die linke Augenbraue sitzt tiefer als die andere. Das verleiht dem Gesicht des Chevaliers einen heimtückischen Ausdruck. Seine Nasenspitze hat eine kleine Kerbe. Sein kurz gestutzter, grauer Schnurrbart ist ebenso gepflegt wie sein Kinnbart.

Auf dem Kopf des Chevaliers thront ein Seidenzylinder, Thorn trägt einen Frack mit Schwalbenschwänzen, der seine große Gestalt betont. Unter dem Frack blitzt ein schneeweißes Hemd mit gestärktem Kläppchenkragen hervor. Das Licht lässt seine kostbar aussehenden Manschettenknöpfe smaragdgrüne Funken sprühen. Über dem Hemd trägt er ein Gilet aus Pikee mit drei Knöpfen. In der Brusttasche hat er ein weißes Einstecktuch, an den Händen weiße Handschuhe. Ganz so, wie es sich für einen Zauberer gehört. An der Hose Seitenbänder aus Satin. Die Lackschuhe glänzen. Ein schwarzes Tuch über dem angewinkelten Arm. In der Hand eine kleine Reisetruhe mit ledernem Griff.

»Ich weiß, wie er das gemacht hat«, flüstere ich Adelja ins Ohr, die zwischen Petro und mir sitzt und unsere Hände fest drückt. Petro beugt sich herüber, um es auch zu hören. Ich bemerke, wie mich Frau Helena Festenburgowa, eine der Organisatorinnen der Amateurtheatergruppe unserer Stadt, mit bösem Blick mustert, wie sie ihre Lippen nervös zu einem Strich zusammenpresst.

Um Adeljas und Petros Neugier zu stillen, fahre ich fort: »Er war von Kopf bis Fuß mit dem Tuch bedeckt, das er in der Hand hält, auf der anderen Seite ist es blaurot gestreift wie die Pagode und verschmilzt mit ihr.«

Ich bin sicher, dass ich mir das nicht ausgedacht habe, dass ich genau gesehen habe, wie der seidene Überwurf an ihm herabglitt, als hätte jemand die oberste, dünnste Schicht abgezogen.

Um eine Illusion aufzudecken, genügt es, aufmerksam zu sein. Und sich ehrlich einzugestehen: Du siehst genau das, was du siehst.

Adelja schüttelt abwehrend den Kopf. Sie will an Wunder glauben, dieses ewige Kind. Petro blinzelt schlau und lächelt mir verschwörerisch zu.

Als sich wieder Stille über den Saal legt, nickt Thorn kaum merklich, wartet noch ein paar lange Augenblicke, öffnet dann mit einer schnellen Handbewegung die Truhe und holt bunte Lumpen heraus, lange bestickte Hemden, weite Hosen mit Bändchen und Rüschen, Tüll, Spitzenstoffe und Tücher mit bunten Applikationen, sowie Lederschühchen mit nach oben gebogenen Spitzen. All das zeigt er dem Publikum ohne Eile, Stück für Stück, von allen Seiten, und wirft es dann auf einen Haufen zu Boden. Dann dreht er den Koffer um, schüttelt ihn aus und bittet das Publikum, sich davon zu überzeugen, dass sich in seinem mit Satin ausgekleideten Bauch nichts mehr befindet. Außer ein paar Fadenknäueln.

Thorn löst ein Strohbündel von der Pagode und beginnt, ein Kleidungsstück nach dem anderen sorgfältig und prall mit Stroh auszustopfen. Bald steht eine Strohfrau in langer, bis zum Boden reichender Kleidung neben ihm, sie ist fest mit Schnüren umwickelt, das Gesicht aus Jute, mit einem hohen, vorne von einer Brosche zusammengehaltenen Turban. Der Chevalier beginnt eine zweite Figur, mit geübten Händen füllt er ein Hemd mit Stroh, wie ein Fleischer, der eine Mischung aus Buchweizen und Blut in enge Schweinedärme stopft. Die zweite Puppe ist ein Mann in dunkler Kosakenhose und weißem Hemd, ein schwarzer, elegant gezwirbelter, falscher Schnurrbart ziert sein glattes Gesicht.

Im Handumdrehen befüllt Thorn auch noch ein Mädchen mit Stroh, ein paar kreisende Bewegungen, ein paar feste Knoten, und schon gesellt sie sich zur Familie. Er setzt sie den großen Puppen zu Füßen, kreuzt die willenlosen, in einer Pluderhose steckenden Beine zum Schneidersitz und legt ihr eine Sitar in die Hände. Dann wirft er ein Seidentuch über die Strohfigur, streift es über Kopf, Schultern und Beinen mit sorgfältigen, sanften Bewegungen glatt, klopft vorsichtig dagegen, sortiert mit den Fingerspitzen die Falten des Tuchs, legt es zurecht, streicht noch einmal darüber, kehrt wieder zum Kopf zurück – und mit einem Mal erkennt man dort, wo eben noch eine prall mit Stroh gefüllte Stoffkugel gewesen ist, die Züge eines Gesichts: Augenhöhlen, eine Nasenspitze, runde Wangen. Gleichzeitig erklingt ein leiser, anhaltender Klang, der im Inneren der Zuseher als dumpfes Pulsieren widerhallt. Die Töne werden lauter, die Melodie dringt eindeutig unter dem Tuch hervor, das sich unter der Hand des Magiers bereits zu bewegen beginnt. Vorsichtig nimmt er den Überwurf mit zwei Fingern am Rand und zieht ihn langsam zu sich.

»Aaach!«, ertönt es aus dem Publikum. Vor den zwei Puppen sitzt ein echtes, lebendiges Kind, klein und hübsch, mit weichen Wangen und ernsten Augen, die dick mit dunkler Farbe umrandet sind, es zupft die Saiten der Sitar und wiegt sein mit einem großen Turban umwickeltes Köpfchen hin und her.

Thorn bedeckt nun nacheinander auch die Frau und den Mann mit dem Tuch und erweckt sie so zum Leben. Das Gesicht der Frau ist stark geschminkt: rosa Wangen, knallrote Lippen, kohlrabenschwarze Brauen. Der Mann ist von relativ kleiner Statur, dünn und ebenso zerbrechlich wie die Frau; in seinem schmalen Gesicht (auch bei ihm sind die Augen und die Brauen dick nachgezogen) sitzt ein falscher Schnurrbart, genauso unpassend wie auf der Stoffkugel, die der Puppe als Kopf gedient hat.

Das Paar tanzt zu den unharmonischen Klängen der Sitar, die kaum an eine Melodie erinnern. Doch auch die Bewegungen des Mannes und der Frau würde man nicht als Tanz bezeichnen: Sie wanken wie Schlafwandler, kreisen schwach mit den Köpfen, verbiegen ihre Rücken, als wollten sie sie nach einem langen Schlaf wieder beweglich machen, sie berühren einander mit den Fingerspitzen, ganz so, als versuchten sie, sich jemand lang Vergessenen ins Gedächtnis zurückrufen.

»Und wie lässt sich das erklären, Fräulein Neunmalklug«, höre ich ein boshaftes Flüstern neben mir. Petro verzieht seine rechte Gesichtshälfte zu einem Lächeln.

»Später, das erzähle ich dir später«, winke ich ab. »Jetzt muss ich mir alles merken.«

Die Festenburgowa faucht uns an wie eine zornige Gans, sie plustert sich auf. Ich schaue zu Adelja hinüber: Sie hat die Augen weit aufgerissen, ihr Mund steht offen, es scheint, als hätte sie aufgehört zu atmen. Petro folgt meinem Blick, einen Augenblick lang betrachtet er aufmerksam Adeljas helles Gesicht, und ich sehe, wie ihn eine Welle von Gefühlen erfasst; auch er beginnt zu strahlen, es verschlägt ihm den Atem. Ich kehre mit meiner Aufmerksamkeit zur Bühne zurück, aber irgendetwas hindert mich daran, die Vorstellung weiter zu genießen, ein Parasit hat sich an meinem Herzen festgesaugt und vergiftet mein Blut.

Das Kind legt die Sitar auf den Boden (die Sitar spielt von selbst weiter, man sieht sogar, wie die Saiten schwingen) und schließt sich dem Tanz an. Es geht auf den Händen, die Beine hinter dem Turban verschränkt. Es verknotet sich zu einem Knäuel und rollt kurz dahin. Dann richtet es sich auf und beugt sich nach hinten, die Hände berühren den Boden und wandern zu den Füßen, dann macht das Kind einige Schritte auf allen vieren, rücklings in der Mitte zusammengefaltet. Nun verschlingt es sich wieder zu einem Knäuel und rollt Thorn vor die Füße. Der Chevalier hebt den lebendigen Ball vorsichtig mit beiden Händen hoch und legt ihn in eine runde Schachtel, nicht viel größer als eine Hutschachtel.

Ich sehe, dass Frau Festenburgowa mit der Übelkeit kämpft: Sie hat sich abgewandt, die Stirn auf die Hände gelegt und die Augen geschlossen. Die Zuseher bedecken ihre Gesichter mit den Händen, schreien auf oder fassen sich an die Brust.

Thorn stellt die Schachtel auf einen aus dem Nichts aufgetauchten, kleinen Teppich neben dem verliebten Paar, das weiterhin wie verzaubert tanzt, dann wirft er das Seidentuch von vorhin schwungvoll über alle drei. Etwa eine Minute noch zeichnen sich unter dem Stoff die runden Körperteile ab, dann wird plötzlich alles still. Der Magier zieht das Tuch weg und tritt zur Seite. »Aaah«, macht das überwältigte Publikum, »aaah, aaaaah!«

Der Mann und die Frau sind verschwunden. Weder sie noch die Puppen, noch ihre Kleidung sind da. Ein paar Meter über dem Boden sitzt ein Kind in der Luft: Der riesige Turban thront seltsam auf seinem winzigen Kopf, das Gesicht ist auf unkindliche Art ernst, die aus dem wallenden Gewand ragende Hand hält einen Stab: Der Stab ist das Einzige, das den Boden berührt.

Thorn bedeckt das Kind mit dem Überwurf, umrundet es langsam, streicht das Tuch da und dort liebevoll glatt; dann zieht er es mit einem Ruck weg.

Das Kind schwebt noch immer in der Luft. Doch nein, es ist nicht das Kind: dieselbe Kleidung, der Turban, ebenso schwarz geschminkte Augen. Die Gesichtszüge, die Gesichtsform, sein Ausdruck und seine Würde; all das ist sehr ähnlich, doch auf der Bühne befindet sich jetzt eine erwachsene Frau, die Kleidung spannt über ihren vollen Brüsten, die Haut um ihre Augen ist müde, in den Mundwinkeln liegt Bitterkeit.

Die Frau verschwindet unter dem Tuch und einen Moment später erscheint sie als eine andere wieder. Nun ist sie eine ältere Frau mit tiefen Falten und fahler Haut. Die hängenden Lider verdecken die stumpfen Augen beinahe vollständig, die Mundwinkel der farblosen Lippen hängen nach unten. Sie sitzt reglos da, scheinbar ohne Kraftaufwand, ihre dürre Hand hält den Stab. Wenn man genau hinsieht, erkennt man in ihr das seltsame Mädchen, das auf der Sitar gespielt hat.

Ihr Anblick ist unendlich traurig. Die herrenlose Sitar spielt noch immer, als wollte sie sagen: Ihr seid vergänglich, ich bleibe. Unter ihre Klänge mischt sich ein unangenehmes, kratzendes Geräusch. Es scheint auch Herrn Thorn zu irritieren: Sein Gesicht ist nicht mehr so ruhig, er blickt die alte Frau fragend an. Langsam geht er zu ihr, streckt den Arm aus, will sie mit dem Seidentuch bedecken. Die Alte röchelt, sie hustet, zwischen ihren grauen Lippen spritzt schäumend Speichel hervor. Sie neigt sich nach vorn und lässt ihre Stirn auf die Hand, die den Stab hält, fallen. Thorn macht einen nervösen Schritt auf sie zu, fasst ihr an den Hals und schreckt zurück. Der seidene Überwurf steigt auf wie ein bösartiger Vogel. Der Vorhang quietscht und beginnt sich langsam zu schließen. Das Publikum sieht noch, wie Thorn den Zylinder zu Boden wirft, sich die Handschuhe herunterreißt und diese von sich schleudert.

Vereinzelt ertönt unsicheres Klatschen.

Der Rest des Publikums sitzt stumm da und hat Angst, sich zu bewegen. Die Vorstellung war kürzer gewesen, als es die Plakate versprochen hatten.

1So nannte man in vielen Städten Galiziens beliebte Tanzabende, auf denen sich die Damen in Anbetracht der schweren Zeiten betont bescheiden kleideten.

1Propination nannte man das Monopol eines galizischen Grundbesitzers auf die Erzeugung alkoholischer Getränke (v. a. Bier und Wodka) und die Belieferung von Gaststätten in seiner Region mit diesen.

1Liturgisches Gefäß in der katholischen Kirche: Teller oder flache Schale für die Hostien.

1Gruppen fahrender Sänger und Schauspieler aus der Stadt Brody, die jiddische Volkslieder sangen, ihre Auftritte bestanden u. a. aus Pantomime, Tanz und Witz.

1Auch »Kaiserpanorama«, ermöglichte einer Gruppe von Menschen, gleichzeitig eine stereoskopische Bilderserie durch ein Guckloch zu betrachten.

1Musik- und Chorverein. Die Bojan-Chöre existierten in der Westukraine – in Lemberg, Bereschany, Kolomea, Czernowitz, Tarnopol, Stryj und Stanislau – ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges.

1 Zitrusfrucht, Teil des vorgeschriebenen Feststraußes während des jüdischen Sukkotfestes.

2 Eigentlich Rabbi Israel Ben Elieser, 1698–1760, gilt als Begründer der chassidischen Bewegung im Judentum.

3 Becher, der während des jüdischen Segensspruchs, dem Kiddusch, verwendet wird.

4 Acht- oder neunarmiger Leuchter, dessen Kerzen zum jüdischen Chanukkafest entzündet werden.

5 Torazeiger

[…]
2. Kapitel

Fast zwei Jahrzehnte lang, bis zu seinem Tod, schrie Doktor Anger im Schlaf. Er träumte von dem Brand. Er schrie lange und fürchterlich, mit fremder Stimme, er heulte wie eine Sirene, schrie wie ein Uhu, pfiff wie ein Luftzug, schnaufte wie eine Dampflokomotive.

Ich weiß nicht wieso, aber die Bilder aus Doktor Angers Träumen verschmelzen mit meinen frühesten Kindheitserinnerungen. Ich sehe alles mit seinen Augen: Der helle, sonnige Morgen Ende September, noch sommerlich warm, die Kühle und Stille des Operationszimmers, die weißen Fliesen, der beißende Geruch des Desinfektionsmittels, der Kehlkopf und Lunge füllt und schmerzhaft reizt. Die Krankenschwester sieht in ihrem gestärkten, schneeweißen Mantel und mit ihrem Häubchen aus, als wäre sie aus einem Schneeblock gehauen, konzentriert legt sie die sterilen Instrumente in einen glänzenden Behälter aus Chrom. Die Instrumente berühren den Boden mit einem reinen, eisigen Klirren.

Meist operierte Doktor Anger in diesen Träumen. Mit einer exakten Bewegung zog er die Haut des Patienten, der vor ihm lag, auseinander, doch aus der schmalen Öffnung trat kein Blut – das war kein Mensch, um dessen Leben man kämpfen musste, sondern eine mit Stroh und Müll gefüllte Puppe.

Die Handlung der Träume war immer anders. Gleich blieb die honigsüße Luft des sorglosen Morgens, die Spitalsatmosphäre, angespannt und still, und das Gefühl einer drohenden Katastrophe, das von innen her gegen den Körper drückte, ihn beinahe sprengte, ein Gefühl, das das Atmen unmöglich machte. In einem bestimmten Moment bemerkte Doktor Anger, dass vor den Fenstern schwarze Flöckchen vorbeiflogen. Es wurden immer mehr, bald war das Bild dicht mit Punkten übersät, ähnlich dem Negativ eines Fotos, das an einem verschneiten Tag aufgenommen worden war. Die Flöckchen bedeckten Erde, Bäume, Fuhrleute und Fußgänger, die Luft war nun so schwarz wie das Kopftuch einer Witwe. Verzweifelt öffnete der Doktor die Fenster, entwand sich dem Griff der Krankenschwestern, die weinend an seinen Armen hingen. Die schwarzen Schneeflocken flogen ins Operationszimmer, legten sich auf Fliesen und Instrumente, Fläschchen und Kännchen aus dunklem Glas. Drangen in Mund, Nase und Augen.

Mit den Flocken kam Brandgeruch in den Raum – bitter, herb, unerträglich. Die Luft fühlte sich heiß und giftig an.

Kein Geräusch war zu hören: Stille, totale, hoffnungslose Stille, mit einem Federbett aus schwarzer Asche bedeckt, hatte sich wie ein Glassturz über alles gestülpt.

Doktor Anger wusste, dass es geschehen würde, wie es bereits tausende Male geschehen war, dass er alles wieder vom Anfang bis zum Ende durchleben würde, dass das Ende genau genommen noch gar nicht gekommen war, man daran jedoch nichts mehr ändern, keinen Einfluss darauf nehmen konnte. Er hielt den brennenden Schmerz in seinem Inneren nicht aus, er schrie mit der ganzen Kraft seiner Lunge, die gefüllt war mit Asche und Rauch. Er schrie, so laut er konnte.

So weit ich mich zurückerinnere, erwachte ich vom Schreien des Doktors immer sofort, befreite mich aus Adeljas Umarmung und rannte die Treppe hinunter. Der Doktor schlief im Kabinett, in dem er oft Patienten empfing, unter dem Porträt seines Vaters auf einem schmalen Sofa, dessen dichte Fransen den Teppich darunter streiften.

Wenn ich dann zu ihm kam, saß der Doktor meist aufgewühlt und schweißgebadet auf dem Sofa, mit starren Augen, in denen ich zu sehen hoffte, was damals geschehen war. Aber ich sah nur geplatzte Äderchen, Verzweiflung und Entsetzen, Schmerz und Schuld.

Obwohl noch ganz und gar Kind, flüsterte ich auf ihn ein, beruhigte ihn sanft, strich über sein triefend nasses Haar, versuchte ihn wieder auf das Sofa zu legen. Er wehrte sich, stammelte unverständliche Dinge, protestierte, wand sich, verzog den in seinem Bart verborgenen Mund wie zum Weinen. Ich flößte ihm Wasser ein, tropfte aus einem blauen Fläschchen beruhigende Essenz auf einen Löffel, rieb Kopf und Brust des Doktors mit einem Handtuch ab und wechselte schnell die feuchte Bettwäsche.

Nur in diesem Zustand, wenn er nicht mehr schlief, aber auch noch nicht ganz wach war, konnte ich ihm wenigstens kleine Details über den Brand entlocken.

Bei diesem Brand, am 28. September 1868, als bei den Lotringers im Garten Marmelade gekocht wurde und die halbe Stadt abbrannte, kam Doktor Angers Frau, Adeljas Mutter, ums Leben. Er trauerte bis zu seinem Tod um sie, und Marmelade gab es bei uns nie wieder.

Damals starben auch meine Eltern, in einer kleinen Hütte nebenan. Von dieser Hütte war nichts geblieben, und ich liebte es, im Frühling dort zu sitzen, inmitten von wucherndem Flieder, und daran zu denken, wie es wäre, wenn meine Mutter noch immer für den Herrn und die Frau Doktor kochen und ihnen im Haushalt helfen würde.

Adelja und ich wurden von den Nachbarn gerettet. Und so übergaben sie dem Doktor zwei Kinder zugleich, eingewickelt in nach Rauch und Ruß stinkende Fetzen. Die Frauen, die der Doktor als Kindermädchen einstellte, wechselten ständig, obwohl sie gut bezahlt wurden, doppelt so gut wie ihre Männer in der Schnapsbrennerei oder im dampfangetriebenen Sägewerk; ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich war überzeugt, dass sie es meinetwegen nicht lange bei uns aushielten. Adelja war still und unkompliziert, ich dagegen ein schwieriges Kind, ich weinte sogar im Schlaf. Mal war ich böse und schrie, mal war mir kein Wort zu entlocken. Die Gesichter dieser Frauen zogen wie Wasser an uns vorüber, sie hinterließen keine Spuren in unserem Gedächtnis. Adeljas Gesicht hingegen war immer bei mir.

Von allen kindlichen Fantasien war mir die melodramatische Geschichte am liebsten, in der ich durch Zufall erfuhr, dass Doktor Anger in Wahrheit mein leiblicher Vater sei, er habe eine kurze Affäre mit meiner Mutter gehabt, als diese Baisers für seine Frau zubereitete. Stundenlang suchte ich vor dem Spiegel nach Zügen, die ich mit Adelja gemeinsam hatte und die meinem Traum Gestalt geben könnten.

Das war lächerlich: Adelja und ich waren wie Tag und Nacht. Adelja war blass, fast durchsichtig, ihr dunkelblondes Haar wie eine Wolke, fein wie Daunen, sie war empfindlich wie Baiser mit Schlagsahne, verträumt, verletzlich und immer den Tränen nahe.

Adelja wollte man beschützen, einwickeln wie ein Kind, mit einem Silberlöffelchen füttern. Ihr scharfe Messer, Gaslampen und schwere Gegenstände aus der Hand nehmen. Wenn etwas geschah, das sie traurig machen oder erschrecken könnte, wollte man ihr Augen und Ohren verschließen.

Ich, Stefanija Tschornenko, bin flink, habe einen sehnigen Körper und dunklen Teint, bin stark wie ein Bursche und keineswegs schön. Schön ist nur mein Haar: kräftig, glänzend und glatt, im Schatten dunkel wie die Rinde eines Baumes, in der Sonne sprüht es Kupferfunken. Wenn ich es nicht zu einem Zopf geflochten habe, gleicht es edler Seide oder einem Wasserfall aus Olivenöl. Es ist eine Sünde, das zu sagen, aber ich beobachte Petro oft dabei, wie er mein Haar bewundert, und er macht kein Hehl daraus. Petro ist Künstler, er lebt in der Welt der Bilder und Skizzen, der Beschaffenheit von Oberflächen, Krümmungen und Lichtbrechungen. Er erfreut sich an Erdschollen, Glasscherben, Ölpfützen. Und am meisten an den Toten, für die er Denkmäler schafft.

Aber nein, am meisten erfreut er sich an Adelja, für die er bereits zu Lebzeiten ein Mausoleum gebaut hat.

Doktor Angers Großvater und sein Vater gehörten zu den ersten Siedlern von Neudorf, die sich im Jahr 1783, zur Zeit der Josephinischen Kolonisation, aus Süddeutschland kommend, hier niederließen. Nicht in Neudorf bei Drohobytsch und auch nicht in dem bei Sambir. Unser Neudorf lag in unmittelbarer Nähe von Bredtheim, einer anderen schwäbischen Kolonie, etwa auf halbem Weg zwischen Kolomea und Stanislau, zwei Orte, die zusammen mit Nadwirna ein gleichschenkeliges Dreieck bildeten.

Das Neudorf von Doktor Angers Eltern unterschied sich kaum von den anderen Kolonien. Es bestand aus einer sehr langen, mit flachen Steinen gepflasterten Straße, die auf beiden Seiten von meist einstöckigen, solide gebauten und mit Stroh gedeckten Häusern gesäumt war. Aus den Dächern ragten geziegelte, oben abgerundete Rauchfänge mit Gesimsen, die an die vorsichtig herausgestreckten Augen einer Schnecke erinnerten, die sich nach allen Seiten umblickt.

Gepflegte Rosen rankten sich wie ein durchgehendes Band die Straße entlang, umkränzten Blumenbeete und Brunnen und wiesen den Weg zur Kirche, die ganz am Anfang der Siedlung mit ihren spitzen Dachreitern zum Himmel hinauf strebte.

Der Vater von Doktor Anger war als junger Mann stolz auf das gewesen, was seine Landsleute für dieses arme, in vielerlei Hinsicht unbeholfene Volk geleistet hatten. Man musste ihnen die einfachsten Dinge beibringen: wie man sich am besten um das Vieh, den Wald, die Felder, das eigene Haus und um sich selbst kümmerte. Und was wären sie ohne Raps, Hopfen, Rhabarber, ohne bunten Klee geworden?

Eine andere Sache war, dass die Hiesigen sich nicht besonders gern belehren ließen. Und man konnte sie verstehen: Die meisten von ihnen arbeiteten für jemand anderen; ihre winzigen, kopftuchgroßen Fleckchen Erde teilten sie unter ihren Kindern auf, sodass sie noch kleiner wurden. An dieses Leben gewöhnt, waren sie offensichtlich nicht imstande, andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, sie sahen sie einfach nicht. Sie glaubten nicht an sie, und so hatten sie diese Möglichkeiten auch nicht. Für sie waren die ordentlichen schwäbischen Kolonien nur ein Spuk, Traumschlösser, zu denen sie keinen Zutritt hatten.

Doktor Angers Vater jedoch wollte aus diesem Traumschloss ausbrechen. Gehorsam pflügte und säte er, band Rosen, Bohnen und Hopfen auf, kochte Futter für das Vieh und räucherte Würste, doch eines Tages, als seine Frau, die ein Korsett und einen schwarzen Rock trug, gerade zwanzig Laib Brot in den heißen Ofen schob, bat er sie, alles zusammenzupacken.

So etwas hatte es noch nie gegeben. Unter der sengenden Sonne, mitten auf der menschenleeren Straße von Neudorf schaute ihnen der Pastor schweigend nach und atmete benommen den süßlichen Duft der verblühenden Rosen ein.

Doktor Angers Vater stellte einige Jahre hindurch in Stanislau Seife her. Daran faszinierte ihn, dass man mithilfe weißer, giftig riechender Kristalle (er kaufte sie in der jüdischen Apotheke auf dem Marktplatz; mit diesen Kristallen wurden starke Verschmutzungen entfernt und Ratten vergiftet, die qualvoll verendeten) Wasser mit Olivenöl verbinden konnte. In einem gigantischen Kessel rührte er die dunkelgraue Flüssigkeit um, die sich vor seinen Augen veränderte, dickflüssig wurde wie warmes Schmalz, dabei giftig und bedrohlich roch, in der Kehle kratzte, ihm Tränen in die Augen trieb und graublaue Dampfwolken produzierte, die sich unter der Decke des engen, dunklen Häuschens, das sich das Ehepaar Anger leisten konnte, zusammenballten. Dieses stinkende Gemisch reifte in langen Holzformen zu fester Seife, veränderte dabei Geruch und Farbe, wurde in Würfel geschnitten und schäumte bei Kontakt mit Wasser stark. Wie konnte es sein, dass aus Wasser und Olivenöl, die einander hassen, etwas Drittes, vollkommen Anderes und Außergewöhnliches entstand? Woher kamen diese neuen Eigenschaften, denn weder Wasser noch Öl schäumen oder haben eine reinigende Wirkung?

Der Seifensieder Anger fühlte sich wie ein Magier, wenn er, in eine Dampfwolke gehüllt, gemessen und würdig mit einem langen Stock die Seife im Kessel umrührte, dann den Stock herauszog und das trübe Gemisch betrachtete, die dicken, schweren Tropfen studierte, die wie flüssiger Bernstein vom Ende des Stockes auf die glänzende Masse fielen.

Er verwendete nie tierisches Fett, obwohl es billiger gewesen wäre und die fertige Seife besser geschäumt hätte. Doch der Geruch von Schmalz und ausgelassenem Tierfett verursachte ihm Brechreiz. »So eine Seife würde ich nicht in die Hand nehmen«, sagte er.

Und so experimentierte er, um seine Seife immer besser und wohlriechender zu machen. Er verwendete statt Wasser Milch oder Sahne, setzte das Öl mit duftenden Kräutern an, mischte einen Armvoll getrocknete und zerkleinerte Pfefferminzblätter, Rosenknospen, Thymian, Kamille oder Lindenblüten dazu. Und wenn die Seifenstücke im kühlen Keller reiften, saß er oft daneben, atmete ihren Geruch ein und betrachtete sie, als hoffte er, die unsichtbare Umwandlung der Substanzen, die fortwährend in den Seifenklumpen stattfand, mit eigenen Augen sehen zu können.

Wenn er seine Frau an der Seife riechen ließ, zitterte seine Stimme und versagte: »Riecht sie nicht wie warmer, beruhigender Uswar1? Der Schaum fühlt sich an wie Samt! Die Haut ist nach der Anwendung glatt wie die eines Kindes!«

Jedes Mal, wenn der Seifensieder Anger etwas Neues gezaubert hatte, brachte er seiner Frau wortlos ein Seifenstück, bemüht, seine Erregung zu verbergen. Diese konnte keinen besonderen Unterschied zwischen den Seifen feststellen: Alle waren braun, vom hellsten bis zum dunkelsten Farbton, rochen süßlich, wie fauliges Obst. Doch es fiel ihr nicht schwer, ihrem Mann Freude zu machen, denn seine Freude war ihre Freude, ihre gemeinsame Freude, Gottes Freude.