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Gudrun Seidenauer

Hausroman

Residenz Verlag

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im Niederösterreichischen Pressehaus
Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
St. Pölten – Salzburg – Wien

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ISBN ePub:
978-3-7017-4342-1

ISBN Printausgabe:
978-3-7017-1601-2

1
WO ABER GEFAHR IST,
WÄCHST DIE GEFAHR

Er schreibt es in großzügig geschwungenen Buchstaben, Aufstrich, Abstrich, zweimal die üppige Rundung des G, die ihn an einen schwangeren Bauch erinnert, bläst auf das Papier und hält es gegen das Licht. In Spiegelschrift könnte er es auch schreiben, das würde Dora noch mehr ärgern. Darunter: Gruß, Konrad. Der bekannte Druck am Brustbein, unruhige Finger. Er schiebt den Umschlag in die Mitte des Tisches und taucht den Blick in die Farben der gegenüberliegenden Wand, bis sie verschwimmen. Helles Anthrazit und cremiges Smaragd. Die Farben retten immer für eine Weile. Glatte, kühle Flächen, aber nicht so glatt, dass ihre Perfektion einen zurückstößt. Er hat lange nach dem richtigen Anstrich für die Küchenwände gesucht, nach einem ganz speziellen, der mit der Farbe im Stiegenhaus korrespondiert, Mineralfarbe, die einen weicheren Ton ergibt, nicht das billige Zeug, das man in jedem Baumarkt bekommt. Die Jalousien sind zu drei Viertel geschlossen. An diesem Augusttag brüllt die Hitze und verschärft den Gegensatz zwischen drinnen und draußen bis ins Unwirkliche. Konrad löscht Doras Anruf aus dem Protokoll des Telefons. Zwei schmale Lichtstreifen fallen über die Knopfleiste seines weißen Hemdes und die Seitennaht seiner Hose und geben der ganz alltäglichen Kleidung einen Moment lang das Aussehen einer leicht futuristischen Uniform. Er schiebt die zwei Dokumente, die Dora haben wollte, in eine Klarsichthülle und legt das Blatt mit seinem Gruß in den Umschlag. Doris nennt sie sich jetzt. Kein Absender, wozu, sie kennt seine Schrift. Die immer wieder abblätternde Stelle in der linken Ecke über dem Fenster hat er in der Form eines Kometen ausgeritzt. Das Perfekte ist das Tödliche steht winzig mit Bleistift hingekritzelt darunter, nicht lesbar von hier aus. Solche Sätze liebt er, über so etwas redete er gern bei einer halb geleerten Flasche Wein, die Wärme des Essens, der zuhörenden Gäste und Doras um sich. Die Aufmerksamkeit seiner Ex-Frau hatte ihn immer beflügelt und weitergetrieben, wenn er ins Stocken geriet, sich in seinen Gedanken verhedderte und fürchtete, das Interesse der Gäste könnte in höflich maskierte Genervtheit kippen. Doras nachsichtiger und immer erhebender Blick ließ ihn dann meist eine elegante Kurve nehmen, machte eine selbstironische Bemerkung möglich, sodass er nicht allzu schrullig erschien.

Ich mochte ihn von Anfang an. Wer weiß warum, vielleicht nur wegen der Farbe der Küche, wegen des Kometen, wegen der Ernsthaftigkeit seiner Träumereien und der Risiken, die er einging. Sein Zwang, anders zu denken, anders zu sein, gegen einen manchmal imaginären Mainstream zu rudern, trieb ihn an. Auch dass seine Wagnisse letztlich theoretisch blieben, war mir bald klar. Schon damals, als Konrad und Dora einzogen, unschlagbar verliebt, Dora schwanger, wusste ich das. Trotzdem, ich mochte ihn, auch ich konnte nicht anders. In gewisser Hinsicht war und ist er ein Seelenverwandter. Lieber sehe ich mich als die Summe all meiner Bewohner und bin damit mehr als das. Aber Seele oder Zukunft, das richtige Leben, das Wahre: Ideen über Ideen. Wie viele davon allein in einem nicht allzu großen Haus ein und aus gehen, verzerrtes Geflüster und Gestammel, ein Rauschen aus Kindertagen, Mutter, Vater, die Geschichten Tausender Jahre. Ich horche und horche.

Von Glück können die reden, die im Laufe ihrer Jahre die Idee, als die sie einst in den Köpfen ihrer Eltern herumgeisterten, mit ihrem Leben auszuhöhlen verstehen, bis zumindest Teile davon abfallen. Oder die, zu denen ihren Eltern und Lehrern von vorneherein nicht viel eingefallen ist. Es sind ja die besten Ideen, die nicht selten die unglücklichsten Menschen hervorbringen. Warum das so ist, verstehe ich noch nicht. Doch seit ich Sprache habe, habe ich auch Hoffnung. Ich weiß, darin liegt eine nicht unbeträchtliche Gefahr. Es muss an der Sprache selbst liegen: Die Hoffnung, gehört zu werden, ist nun einmal in sie eingeschrieben, und ich gestehe: Ich werde geschwätzig. Mit den Jahren nehme ich immer mehr von den schlechten Gewohnheiten der Menschen an. Ablenkung ist eine davon und die Neigung zu bodenloser Abstraktion. Dabei habe ich Alter und Tod nicht zu fürchten. Wenigstens neige ich nicht auch noch dazu, meine Schwächen für Stärken zu halten.

Auch ich war einst eine Idee gewesen, die von der Zeit und ihren Ideen allmählich übertüncht wurde, und ich hielt stand. Meine Unbeweglichkeit geriert sich als Stärke. Auch das ist etwas, was mich mit Konrad verbindet. Zudem war auch er schon vor seiner Geburt als intensive, tief verborgene Idee vorhanden gewesen, ein Wunschkind. Seine Eltern waren Kriegsvertriebene aus dem osten, alle beide mit fürchterlichen Geschichten im Gepäck. Sie: sehr zugreifend, immer eine Spur zu laut, an der Grenze zum Schrillen. Flinke Augen, ein ständiges Hin- und Herhuschen im Blick, das sie verriet. Geschichten von früher, anfallsartig ausgespuckt und mit einem Stehsatz abgeschnitten, bevor ihr jemand zuvorkommen konnte. Altmodisches, weich singendes Deutsch. Die verlorene Heimat als lebenslanger, wortloser Vorwurf an die, deren Kümmernisse, so ihre durch nichts zu erschütternde Überzeugung, nicht der Rede wert waren. Auch Konrads Trennung von Dora würde später für sie in diese Kategorie gehören. Große ohrringe, getragen wie orden, ansonsten unauffällig gekleidet, stets betont korrekt, um ja nicht einen Anschein von Dahergelaufensein zu erzeugen. Wir haben es geschafft. Was genau, das war keine Frage. Wenn sie Konrad und Dora besuchte, brachte sie neben dem Vater stets einen Korb mit Essen mit und hantierte sofort in der Küche herum, was Dora nicht zu Unrecht als Angriff auf ihre Fähigkeiten als Hausfrau interpretierte.

Er: ruhig, unendlich duldsam, stets in ihrem Windschatten, als wäre das ein geeignetes Versteck. Mit etwas weniger Bitterkeit um Mund und Augen hätte man ihn für einen Träumer gehalten. Es fiel ihm schwer, länger als unbedingt nötig Augenkontakt zu halten. Lieber stellte er sich an irgendein Fenster und sah nach draußen, während die Mutter plappernd herumhantierte und Konrad und Dora sich in ihrer eigenen Wohnung wie zu früh eingetroffene Gäste fühlten. Das Kind entschärfte die Situation, die sich etwa alle vier Wochen bei den samstäglichen Besuchen wiederholte. Auf den Vater wurde dennoch mehr gehört: Weil er der Mann war, gerade weil er wenig redete und weil er ziemlich sarkastisch sein konnte, wenn er irgendeines von den Büchern seines Sohnes aus dem Regal nahm, an einer beliebigen Stelle aufschlug, um ein Gespräch anzuzetteln, das seine erstaunliche Belesenheit unter Beweis stellte und das er meist abrupt beendete, um sich der Enkelin zuzuwenden. Von Doras Büchern nahm er nie eines, obwohl er Dora mochte, es herrschte eine Art wortloses Einverständnis zwischen ihnen. Dass sie ungeplant schwanger geworden war, war dem Vater im Stillen durchaus recht gewesen, weil es Konrad zwang, seine Träumereien hintanzustellen. Der war dem streng katholischen Vater für dessen scheinbare Großmut in dieser Sache dankbar, was ein lebenslanges Missverständnis zwischen den beiden blieb, eines von vielen.

Konrad war Architekt. Er liebte die Spannung zwischen der Vorstellung vom Raum als Ganzem und dem Blick aufs Detail. Und dass man immer auf die Gegebenheiten reagieren musste, auf die unausweichlichen Zwänge topografischer und finanzieller Natur. Aus dieser Beschränktheit heraus war es möglich, etwas Großes zu versuchen, zumindest etwas Gutes: mehr als Boden unter den Füßen, mehr als bloß ein Dach über dem Kopf.

Als er noch Kind war, hatte ihn die Mutter bei allen möglichen Gelegenheiten mit Geschichten von der verlorenen Heimat unterhalten. Konrad sah die Straßenzüge genau vor sich, die Fassaden, die Treppenhäuser, die Farben, die Korridore. Sie war eine begabte Erzählerin gewesen und Konrad ein begabter Zuhörer. Mit zwölf hätte er das Zentrum der kleinen Stadt, aus der die Mutter stammte und die er nie gesehen hatte, aus dem Kopf zeichnen können und das Haus seiner Großeltern, die er nicht mehr kennenlernen sollte, im Detail. In der Vorstellung von diesen orten war etwas Rettendes gelegen, das alles, was sie nicht erzählte, aussperrte. Weil er höllisch aufpassen musste, sich nicht das Falsche vorzustellen, war das Zuhören schrecklich anstrengend, dennoch liebte er es. So hatte er es Dora erzählt, mit dem wunderbar erleichternden und zugleich etwas beängstigenden Gefühl, ein Geheimnis verraten zu haben. Niemand sollte opfer von Architektur werden, diesen Satz eines Professors in einer der ersten Vorlesungen hatte er zu seinem Leitspruch gemacht. Wenn er einen Plan fertig hatte, saß er oft mit halbgeschlossenen Augen davor und stellte sich die Bewegungen der Menschen in den Häusern vor, einfache, alltägliche Gesten, wie sie sich an die Tische setzten, Kinder zudeckten, von einem Zimmer, einem Stockwerk in das andere wechselten. Er zeichnete die Möglichkeiten als Linien und Schlingen in die Luft, verfolgte die entstehenden Muster. Manchmal ging er bedächtig und langsam wie ein alter Mensch in ihre gemeinsame Wohnung im dritten Stock hinauf und vergegenwärtigte sich Schritt für Schritt die Lage der Räume und ihre Beziehung zueinander im Gedächtnis, als Übung, als eine Form der Hingabe an mich. Er studierte mich. Ich muss zugeben, dass mich seine Wahrnehmungsfähigkeit anfällig dafür machte, wiederum ihn zu studieren. Gesehen zu werden, danach sehnen sich die Menschen ebenso, wie sie es fürchten, und auch diese menschliche Eigenart hat auf mich abgefärbt.

Als er und Dora einzogen, bewunderte sie Konrad, und ihre Bewunderung beflügelte ihn. Da sie glücklich waren, dachten sie nicht besonders viel übereinander nach. Beide hätten damals gesagt, dass es die große Liebe war. Ich würde sagen, sie hatte die zugreifende Tüchtigkeit seiner Mutter ohne deren Verbitterung und bedrängende Vehemenz, eine jüngere, sanftere Variante davon, plus eine lang währende Bereitschaft, seine Unklarheit und Melancholie für nichts anderes als Klugheit und eine gewisse Schüchternheit zu halten, zudem war ihr weicher, weiblicher Körper ein heimatlicher Hafen für ihn, den er jederzeit ansteuern konnte. Mit ihm hingegen bekam ihre seltsam inhaltsleere Lebenstüchtigkeit eine Aufgabe. Sie erfüllte Dora mit geliehenem Geist und geliehenen Zielen, sie half ihr, eine Wahl zu treffen, was Menschen schwerfällt, von denen man sagt, dass sie alles gut machen, was sie anpacken. Dora war eine, die auch die Liebe als etwas sah, das man anpacken musste.

Reduziere ich die großen Gefühle der Menschen auf simple und selbstsüchtige Motive? Das mag daran liegen, dass ich schon so viele Lieben kommen und gehen gesehen habe. Man könnte mir entgegenhalten, dass ich in meiner Andersartigkeit nichts von der Liebe verstehe, weil ich sie ja nicht fühle. Touché.

Ich kenne die beiden nun schon eine ganze Weile. Als sie einzogen, war Dora schwanger. Vor fünf Jahren verließ sie ihn, die elfjährige Tochter nahm sie mit. Das darauffolgende Jahr war er dauernd weg, das nächste ging er kaum vor die Tür und baute neben der Arbeit viele Stunden und Tage lang an seinem Modell der idealen Wohnanlage, das dann weitere Jahre in einem Kabinett verstaubte, bis er es um die Zeit, als Katharina zu ihm zog, schließlich wieder hervorholte. Vor allem aber sah er die Gespenster, zwei von ihnen sogar, in verschiedenen Nächten. Das geschieht natürlich sehr selten bei Menschen, die über zehn Jahre alt sind, ab zwanzig so gut wie nie. Konrad hat mich damals tatsächlich überrascht und mehr noch damit, dass er sich danach keineswegs für verrückt hielt. Doch davon später.

Eine Kopie des Meldezettels brauche sie, so Dora an jenem glühend heißen und trägen Augustvormittag am Telefon zu Konrad, und zwar am besten gestern, und die Schulbestätigung. »Wofür?«, fragt Konrad, überflüssigerweise, das ist ihm klar, aber darum geht es nicht. Dora redet und redet, er genießt die Kleinheit ihrer Stimme, die auf Abstand einer Armlänge aus dem Telefon quiekt, er genießt es, sie zum Reden zu bringen, nur das ist wichtig, nicht, was sie sagt. Das Bild, wie sie in einem ihm unbekannten Zimmer stehend redet, rote Wangen vor Ärger, sich fortwährend eine Haarsträhne aus der Stirn bläst und mit der anderen Hand Luft zufächelt. Wird heiß sein in diesem Fertigteilhaus aus dem Katalog, in dem sie jetzt lebt. Er geht ja nicht aus an Tagen wie heute. Herinnen ist es wunderbar kühl, der feine Geruch des Kalks, wenn man die Stirn daranlehnt. Er würde niemanden je verlassen, nicht einmal mich, schon gar nicht mich. Seine Frau redet immer noch. Falsch, seine Ex. Ex, Ex, Ex. Vielleicht lernt er es ja jetzt endlich, da Katharina zu ihm zieht. Meine Ex. Er konnte das nie. Dieses Saloppe. Ein Wort wie ein Achselzucken. Dieses So-ist-das-Leben-was-soll’s-Getue, in das es dann mündet. Dora hat einen schönen Mund, den schönsten, den er je gesehen hat. Ja und. Und nichts mehr.

Immer hat sie im Stehen telefoniert und sich dabei die Haare aus der Stirn geblasen, er hat sie dabei gern angesehen und gar nicht bemerkt, dass ihr Lachen und ihre roten Wangen nichts mehr mit ihm zu tun hatten. So schnell ist dieses Bild da, dieser Gedanke und noch einer, viel zu schnell. Er weiß schon, wo das wieder endet, und wischt beides weg. Ihre Piepsstimme hilft ihm dabei. Sie hat in Wirklichkeit keine Piepsstimme, in Wirklichkeit, was für ein ungenauer, dummer Ausdruck. Sie ist weg, das ist die Wirklichkeit, ihre Scheißwirklichkeit, die sie gewollt hat, nicht er. Red nur, red nur weiter. Sie ist ein kleines, weinerlich quäkendes Geräusch. Ihre gemeinsame Tochter ist bald siebzehn und hält es nicht mehr aus mit ihr. Auch das ist die Wirklichkeit. Besser so. Er atmet auf, rückt den Sessel ein Stück zur Seite, zeichnet mit dem Daumen auf der Tischplatte herum.

Die Zwergenstimme seiner Frau bricht jäh ab. Er werde ihr die Unterlagen schicken, gleich morgen, sie könne sich auf ihn verlassen, das wisse sie doch. Warum muss er es so formulieren? Die Sachen, die Katharina noch brauche, schicke sie ihr aber nicht nach, meint sie, die könne sie sich schon selber holen. Er vergisst, das Telefon wieder auf Abstand zu halten, registriert ihr Zögern, dann sagt sie sehr unvermittelt, vielleicht wachse ja wirklich das Rettende, wo Gefahr sei, er kenne das Zitat ja, es gehe ihr oft durch den Kopf in letzter Zeit. Er hält die Luft an, zerkrümelt eine von Katharinas Zigaretten zwischen den Fingern. Den Satz hatte er irgendwann in ihren Anfangsjahren über den stets überquellenden Wäschekorb im Bad an die Wand geschrieben, Katharina war noch klein damals. Er sieht Dora vor sich, müde, jung, lächelnd, ihn küssend, mit dem halbangezogenen Kind auf dem Arm, das sogleich mitlacht, wenn die Mutter lacht. Jetzt könnte er fragen, was denn los sei und wie es ihr gehe. Könnte er. Dora sagt nichts. Wartet sie? Dass er. Wozu denn aber. Wo aber Gefahr ist. Das Rettende. Bloß für wen? Was meint sie überhaupt, ist das wieder ihr eruptiv auftretender Zynismus? Dabei war sie im Unterschied zu ihm früher nie zynisch gewesen. Auch das hat er geliebt, und wie ernst sie alles genommen hat. Ihn vor allem. Es hat ihn größer gemacht und sicherer. Zugegeben hätte er es nie. Jetzt gab sich manches von selbst zu, quasi ohne sein Zutun. Was hat er zu verlieren? Und mit jemandem darüber zu reden, kein Gedanke. So tief muss er dann doch nicht sinken. Nein, er geht ihr nicht in die Falle. Sie wollte es ja so, alles wollte sie so. »Gut«, sagt er in einem Tonfall, der sie erkennen lässt, dass das Gespräch jetzt beendet ist. »Wir hören uns.« Er lässt das Rollo hochrattern, macht sich ein Bier auf.

Katharina, wann kommt sie denn? Muss er eigentlich Regeln vereinbaren über Kommen, Gehen, Anrufen? Er blinzelt in die Helligkeit. Ausbleiben, wie lange? Sie abholen? Er wird das Handy nicht mehr ausschalten können. Freunde mitbringen, übernachten lassen, woanders nächtigen. Das darf sie, er wird sie nicht einsperren. Muss er die Eltern ihrer Freunde noch kennen? Smalltalk mit anderen Müttern und Vätern, Elternabende, das ganze langweilige Programm? Nein, nicht bei Katharina. Die Schule ist kein Problem, die schafft sie sehr gut. Immer mit Auszeichnung. Lernt sie viel? Kaum wahrscheinlich, bei ihrem Freizeitprogramm, den ständigen Tanzstunden und Workshops. Katharina braucht keine Kontrolle, davon hat sie die Schnauze voll. Wann hat Dora bloß diese Muttertier-Betulichkeit entwickelt? Es wird sich schon finden, alles.

Neben dem Telefon auf dem Tisch liegt das Zigarettenpäckchen, das gestern aus Katharinas Jackentasche gefallen ist. Blitzschnelles Bücken und ein Blick zwischen Vorsicht und Trotz hinter der schweren Haarmähne hervor, vorgeschobenes Kinn, Strichmund, wie macht sie das nur mit den schönen Lippen, die sie von Dora hat. »Leg sie doch einfach auf den Tisch.« Sonst nichts, sonst hat er nichts gesagt. Und schon löste sich Katharinas Blick aus der Trotzklammer. Nein, so schwer kann es nicht sein. Er würde das schon hinkriegen. Sie will zu ihm. Heiß wurde ihm, als sie es ihm sagte, erst vor einer Woche in dem kleinen Café an der Ecke. Sie sitzen unter blauweißen Sonnenschirmen. Er spürt die Röte vom Hals ins Gesicht wandern. Zum Glück sieht sie ihn nicht an, stochert in den Resten des Früchteeisbechers und kratzt mit dem Löffelstiel Wellenmuster in die Serviette.

»Ich will bei dir wohnen, ich halte es nicht mehr aus bei denen.«

Etwas in ihm könnte tanzen, schreien. Er rührt sich nicht. Sag doch was! Er möchte ja. Immer ist da etwas, das ist stärker als etwas. Das stärkere Etwas treibt ihn augenblicklich imaginär über die Sonnenschirme des Cafés auf die Höhe des ersten Stocks hinauf, von wo aus er die Szene beobachtet, Katharinas dunklen Haarschopf mit dem Zickzackscheitel, den schmalen Mädchenrücken, halb umwickelt von einem bunten Tuch, aufgerichtet und allmählich einsinkend, die Arme schützend um den Körper gelegt, er selbst gegenüber, im Sessel lümmelnd, den Kopf in die Rechte gestützt. Lange, scharfe Schatten schneiden über die Tischfläche, die Nebentische sind leer, ein paar Tassen und Gläser darauf verteilt. Gutes Bild. Eine Serie aus allen möglichen Blickwinkeln müsste man aufnehmen. Miniaturen, allmählich sich vergrößernde Ausschnitte, Füße, Hände, Oberkörper, Knie. Zuletzt die Augen, eines von ihm, eines von ihr, als Schlussbild. Sie hat ja seine Augen. Sein Herz klopft spürbar. Warum klappt das nie, wenn es ideal wäre, warum meint man immer, es wäre ideal, wenn es nicht geht? Der Blick, auf Katharina geheftet, straft seine lässige Körperhaltung Lügen. Sie nimmt die Füße vom Schirmständer.

»Jetzt sag doch endlich was!«

Unter dem Tisch picken Spatzen Brösel auf. »Schau mal!« Er deutet auf einen Vogel. Katharina schlägt mit der Hand auf den Tisch, dass die Gläser klirren.

»Beruhig dich«, sagt er schnell, »natürlich kannst du bei mir einziehen, jederzeit.«

Später bringt er sie zur U-Bahn, tätschelt unbeholfen ihren Rücken, wartet, bis sie zwischen den anderen Körpern verschwindet. Vom Einkaufen kehrt er mit ungewohnt vollen Taschen zurück. Was isst sie überhaupt gern? Wie schnell er ist, fast rennt er. Am Gang lächelt er der Ärztin aus dem Mezzanin zu, bleibt schwer atmend stehen, redet zehn Minuten über Wetter, Einkaufen und seine Tochter. Bald siebzehn, begabt, obwohl das Eltern ja grundsätzlich glauben, ja, und sie tanze. Modern Dance, in den Sommerferien dauernd in London, das koste, egal. Und sie ziehe zu ihm, bald, sofort, morgen, übermorgen. Schwierigkeiten, das Übliche, Mutter, Tochter. Er redet laut und schnell, als gäbe es keine Zweifel. Falsch, es gibt keinen. Er redet, lächelt und nickt, behält keinen Satz von dem, was die Frau sagt, seine Stimme hallt durchs Stiegenhaus, »und schönen Abend noch«, er registriert ihren weichen Blick, auch der beflügelt ihn. Alles, selbst das Gewicht der Einkaufstaschen, die voller guter Sachen sind für ihn und Katharina, es gibt nichts, was ihn heute nicht beflügeln könnte, er rennt hinauf in den dritten Stock, was redet er denn auf einmal so viel, er wundert sich einen Moment, aber auch das ist egal, er nimmt zwei Stufen auf einmal. Er lässt die Wohnungstür offen, räumt alles in den Kühlschrank, entwirft eine neue Anordnung für das Obst in der japanischen Keramikschale, schlägt die Wohnungstür zu, fällt in den Sessel und merkt nicht, dass er da draußen mit Katharina viel zu langsam war. Das Herz hämmert immer noch, ein leiser Druckschmerz zieht sich wieder den Arm hinunter. Vielleicht schaut er einmal vorbei bei der Ärztin im Mezzanin, Marie heißt sie.

Jetzt wird er es ihr zeigen, seiner Ex. Die ganze letzte Woche hat er mit dem Ausräumen eines Zimmers verbracht. Gestern ist Katharina angekommen, ein dringliches Klingeln an der Tür, als er gerade vor seinem Modell saß und in Gedanken durch den Bahnhof von Kyoto wanderte, Dora neben ihm. Er hat die Fotos wieder durchgeblättert.

Katharina kommt mit einem kleinen Rucksack und einer Pappschachtel, umwickelt mit Paketschnur. Sie hat Augenringe. Wahrscheinlich Streit zu Hause. Bloß keine Details.

»Wo sind deine Schulsachen?«

Sie zuckt mit den Schultern. »Hol ich noch. Kann ich bitte den Schlüssel haben?«

»Ja, mach das. Schau, der goldene ist für die Haustür.« Er zögert.

»Magst du mit mir anstoßen?«, sagt er und greift nach der offenen Weinflasche auf der Anrichte.

»Danke, ich trinke keinen Alkohol.«

Ihre Stimme ist anders. Das Kindliche ist weg. Gut dass er Aufnahmen hat, Geplapper vom sechsten Geburtstag, Vorlesen, Gesungenes. Die müsste er gelegentlich digitalisieren. Schnell stellt er noch ein paar belanglose Fragen, damit er diese neue Stimme zu hören kriegt. Er wird sich schon daran gewöhnen. An ihre Anwesenheit und daran, dass sie kein Kind mehr ist.

»Viel redest du ja nicht gerade«, sagt er, leert sein Weinglas in einem Zug und ist dabei, sich nachzuschenken.

»Ja, Mama sagt, ich bin wie du, wenn sie sich darüber ärgert.« Blitzschnell kommt das, mit einem Blick – lauernd? In Gesichtern lesen ist anstrengend für ihn, es macht ihn unruhig. Dora redet also noch von ihm. Aber wie.

»Und, ärgert sie sich oft?«

War das zu viel? Zähe Luft. Er hat sich so darauf gefreut, dass sie kommt.

Katharina verdreht die Augen. »Ja, andauernd.« Aber sie lächelt, immerhin lächelt sie.

»Egal, jetzt wohn ich hier. Ist es dir wirklich recht?«

Die Unruhe, die ihn bei solchen Fragen ergreift, macht ihn starr. Er braucht dann immer eine Weile, bis er antworten, sich überhaupt wieder rühren will. Immer dieses Fragen, wo es nichts zu fragen gibt. Es sind immer die Frauen, die an der inneren Sicherheit rütteln. Katharinas Kindergesicht ist noch erahnbar. Ziemlich gewachsen ist sie, kaum kleiner als er und sehr schmal. Ihre Schlüsselbeine heben und senken sich deutlich über dem Ausschnitt des weiten roten Shirts mit dem unentzifferbaren Schriftzug, irgendwas mit Girl. Hat sie das Fragen von der Mutter? Wenn er an Dora als Katharinas Mutter denkt, dann ist es besser. Mütter sind eine unverzichtbare Gefahr. Irgendwann aber kann man gehen, und Katharina scheint das auch begriffen zu haben.

»Aber sicher«, sagt er mit allem Nachdruck.

Sie glaubt ihm nicht. Er hat einfach zu lange gebraucht mit der Antwort. Und ich, ich kann ja nichts tun, ihm keinen Schubs geben, rein gar nichts. Außer die Gespenster könnten es, aber die sind unbrauchbar und tun, was sie wollen, nehmen keine Aufträge entgegen, sind nur sie selbst, also reichlich dumm, und irren unrettbar und ausschließlich in ihrer eigenen Geschichte umher.

Dieses Lauern, dieses Beobachten, dieses Zögern. Und wieder zu spät.

Konrad nötigt Katharina dann doch zu einem Vitaminsaft. Sie besteht auf zwei Dritteln Wasser. Die Gläser klirren unschön aneinander. Er schiebt das Unbehagen schnell weg.

»Für wen ist das ganze Zeug da?«, fragt sie mit Blick in den offenen Kühlschrank.

»Na, für dich natürlich.« Sie verzieht das Gesicht, unbestimmbar.

Bloß kein Wort zu viel, das scheint ihm eine brauchbare Grundregel für den Anfang. Sie hat Doras Stimme. Doris’ Stimme. Eine Doris kennt er nicht. Und der Schmerz vergeht nicht. Was soll’s. Er könnte sich ruhig eine von Katharinas Zigaretten anzünden, er hat das im Griff, so etwas hatte er immer im Griff. Und mit Katharina, das wird schon werden, sie ist ihm ähnlich. Die Augen. Verbote haben auch bei ihr keinen Sinn. Sie redet nicht viel. Er beschließt, die Ähnlichkeit für einen Vorteil zu halten. Als sie klein war, verstanden sie einander. Sie störte nie, wenn er mit halbgeschlossenen Augen vor einem Modell saß und mit dem Finger die Bewegungsmuster der zukünftigen Bewohner in die Luft zeichnete. Nie fragte sie, was er denn da mache, und nie lachte sie, auch nicht, als sie schon größer war, nicht ein einziges Mal.

Sie war ein ruhiges Kind, das aufmerksam alles beobachtete und sich erstaunlich viel merkte. Ein hübsches Kind, mit langen dunklen Haaren und einer frühen Vorliebe für einfärbige Kleider. Die geblümten und getupften Kleidungsstücke, die sie von der Oma bekam, verweigerte sie entschieden, da half alles Zureden nichts. Ihm gefiel das, und er wurde den Verdacht nicht los, dass sie das gemerkt hat. Kindern muss man so etwas nicht erklären. Sie lieben, hassen und wissen. Geschlafen hat sie nicht gern. Er erinnert sich an eine anstrengende Zeit, als sie acht oder neun war, in der sie panische Angst vor dem Einschlafen hatte und davor, womöglich unbemerkt zu sterben. Er erinnert sich an das Ziehen und die Schwäche, die er im eigenen Körper nach den halbdurchwachten Nächten spürte, und an die Kopfschmerzen in der Arbeit. Wie lange ging das so? Sie war kein Baby mehr, und er fühlte sich erstmals alt. Er hört sie in ihrem Zimmer rumoren, klopft an. Der Kasten steht offen, sie schlichtet ihre Tanztrikots und Schuhe in ein Fach. »Morgen früh hab ich Training«, sagt sie.

»Jetzt im August?«

»Sommer-Kurs, Papa, du hast ihn bezahlt. Total anstrengend, aber echt großartig. Danke.« Er ist immer noch von ihrer neuen Stimme gebannt. Sie beugt sich nach vor, um ein paar Strumpfhosen zu entwirren, da fällt sein Blick in ihren Ausschnitt. Da ist der Ansatz eines ziemlich üppigen Busens. Er hat sie doch alle drei, vier Wochen gesehen in letzter Zeit. Im Juni holte er sie und ihre zwei kichernden Freundinnen vom Allee-Bad ab. Auf der Heimfahrt führten sie eine enervierende Diskussion über Nabelpiercing und Piercings im Allgemeinen. Sie behauptete, sie würde sich nie tätowieren oder piercen lassen, weil das die Aura verändere, und er mengte sich in das alberne Mädchengerede ein, weil er derlei esoterischen Unsinn verabscheut. Da ist kein solcher Busen gewesen, das wäre ihm aufgefallen. Dünn war sie, das schon, aber das war sie immer gewesen.

Er tritt einen Schritt zurück, lehnt sich in den Türrahmen, sie richtet sich auf. Eine schöne Frau. Noch nicht, aber bald. Eine, der Männer in den Ausschnitt schauen.

»Sag einmal, Papa« – auch dieser alberne Schmeichelton war falsch, genauso falsch wie die Stimme und der plötzliche Busen. Seine Tochter, die die Biografien von Martha Graham und Pina Bausch liest, aus dem Stand Kurzvorträge über die Geschichte des Tanzes im 20. Jahrhundert halten kann, deren Lehrer ihnen zweimal vorgeschlagen haben, sie eine Klasse überspringen zu lassen, weil sie unterfordert sei. Er und Dora entschieden sich dagegen, weil Katharina nicht wollte. »Ich kann doch so vieles nicht«, meinte sie nur. Dora verwickelte sie daraufhin in endlose Gespräche, um sie, wie sie meinte, von ihrem Wert und ihren Talenten zu überzeugen. Konrad hielt sich heraus, und ihm schien, dass Katharina darüber erleichtert war. Ihre Tochter sei begabt, hochbegabt, wie ihnen versichert wurde. Er nahm es zur Kenntnis, mit einer gewissen Genugtuung, aber im Grunde machte er sich nicht viel daraus.

»Was willst du denn?«, fragt er schroffer als beabsichtigt.

»Kann ich dich Konrad nennen?«

Auch das noch. Ihm ist unbehaglich zumute. Er zögert. »Das muss ich mir überlegen«, sagt er und setzt hinzu: »Nimm dir etwas zu essen aus dem Kühlschrank, wenn du Hunger hast. Es ist spät, ich gehe gleich ins Bett.«

So ist er eben. Ihre Enttäuschung steigt auf wie eine gewaltige Welle, sodass ich nicht anders kann als mich ihr zuzuwenden. Mit einem unerwartet schmerzhaften Ruck zieht es mich zu ihr, mühelos durchdringe ich ihre Poren, ein Gewebe aus Licht, Wärme, Geschwindigkeit, ein Dröhnen und sich Zusammenziehen, das Abbild ihrer Empfindungen. Doch Konrad gibt mich nicht frei. Ich bin sein Hort, sein Versteck, das bisschen Heimat, zu dem er fähig ist. Er ist fest entschlossen, nichts herzugeben, was er hat. Aus Dingen macht er sich kaum etwas. Es ist das Gesehenwerden, wonach er süchtig ist, der arme, scheue Konrad.

Auch Häuser können erschöpft sein. Gewiss, es sind Müdigkeit, Gleichgültigkeit, Armut der Menschen, die sich an ihnen quasi materialisieren, was den Menschen als Verfall erscheint. Ich habe alle Mühe, meinen analytischen Verstand als Bollwerk gegen Konrads Zugriff einzusetzen.

Konrad widersteht der Versuchung, sich noch einmal an das Modell seiner Siedlung zu setzen, obwohl ihm heute während des Wartens auf Katharina eine Lösung für das Lichtproblem im Innenhof der mittleren Atriumhäuser eingefallen ist. Beim Einschlafen taucht wieder der Bahnhof von Kyoto auf mit seinen Treppen, die in allen Richtungen ins offene führen, ohne dass das Gebäude seine Kompaktheit verlöre. Dora neben ihm, Doras Busen, die schwarzrot lackierten Essstäbchen in ihrem Haarschopf. Katharina, der volle Kühlschrank. Er hört sie in die Küche gehen. Hat sie doch Hunger. Der schnell getrunkene Wein drückt ihn in den Schlaf, und er träumt einen Traum, an den sich zu erinnern ihm auch nicht helfen würde, wütende Neuronen-stürme, nichts weiter.

Katharina setzt sich vor den Kühlschrank auf den Boden, mit dem Fuß lässt sie die Tür auf und zu wippen. Vollmilch, Fruchtjoghurt, Käse, Schokoladepudding, Milchschnitten. Will er sie mästen? Glaubt er, sie ist fünf? Ihr ist kalt. Schlafen kann sie noch nicht. Eine rauchen, das geht. Tolerant scheint er ja zu sein. Oder es ist ihm egal. Wahrscheinlich. So viel raucht sie ja nicht. Die Stiche in der Brust beim Training letzte Woche, das geht gar nicht. Sie lässt die Kühlschranktür zufallen, horcht in das Vorzimmer hinaus. Licht macht sie keines, es genügt das, was vom Gang hereinfällt. Hoffentlich schläft er schon. Hell und leer zugleich ist ihr Kopf. Sie legt die Fußsohlen aneinander, drückt die Oberschenkelaußenseiten nach unten, bis die Knie seitlich den Boden berühren. Heute hat sie nicht einmal gedehnt. Keine Sekunde Zeit, während sie gepackt hat, ist dann auch noch ihre Mutter früher als geplant zurückgekommen und hat fortwährend auf sie eingeredet, sodass sie sich kaum mehr konzentrieren konnte. Bis Katharina irgendwann brüllte. Sie weiß nicht mehr was. Schon in der U-Bahn, als sie sich zu erinnern versuchte, fiel es ihr nicht mehr ein. Vom angestrengten Nachdenken war dann das Zittern wiedergekommen. Das Schreien mit der Mutter hatte ihre ganze Energie aufgebraucht. Sie war dann einfach in der U-Bahn sitzen geblieben und bis zur Endstation gefahren, weit draußen am Stadtrand. Dort kaufte sie Pommes, ein Kebab, ein Cola. Nicht einmal light. Bestimmt mehr als tausend Kalorien, kein Wunder, dass sie jetzt einen Bauch hat. Wenigstens die Trainingssachen hat sie alle dabei, sodass sie in den nächsten Tagen nicht nach Hause zurückmuss. Diese Pappschachtel war nie ihr Zuhause, von Anfang an nicht. Sie weiß genau, sie wollte damals bleiben, unbedingt. Nicht bei Konrad, nicht bei Dora, aber hier, in der alten Wohnung. Sie liebte die türkise Küche, das breite Stiegenhaus, in dem die Stimmen so schön hallten, den Blick aus dem Fenster auf die Gasse, die verschiedenen Geräusche, die jede Tür machte. Die Stellen, wo der Parkettboden im Wohnzimmer knarrte, wenn man darüber hinwegtanzte. Die kühlen, schokoladebraun und vanillegelb glacierten Fliesen des nie geheizten alten Kachelofens, das kribbelnde Gefühl, wenn man mit den Fingernägeln über ihre leicht gewellte oberfläche fuhr. Man konnte in die Zimmer der Häuser gegenüber sehen, warten, bis das Licht anging, und sich Geschichten über die Bewohner ausdenken. Man konnte die behäbigen Tauben und das Geflatter der Spatzen beobachten. Man konnte auf dem breiten Fensterbrett ein Schaufenster einrichten oder seinen Zeichenblock hinlegen und die Fassaden zeichnen, mit den Leuten dahinter. Man konnte die Wolken über der Gasse beobachten, ewig. Man konnte die roten Autos zählen und sich etwas wünschen, wenn es mehr als fünf in einer Minute waren. Das war Notprogramm, wenn sich Konrad und Dora stritten. Aber es funktionierte ganz gut. Sie funktionierte ganz gut, trotz allem. Aber die beiden! »Es funktioniert nicht mehr«, das waren Konrads Worte gewesen, und Katharina hatte sich immer eine riesige, komplizierte Maschine vorgestellt wie aus einem ihrer Bilderbücher, ein fauchendes, metallisch klapperndes und klirrendes Ungetüm mit ratternden Rädchen und Kolben, das sich ächzend in Bewegung setzte und mit einem hässlich schabenden Geräusch funkensprühend und krachend zum Stillstand kam. Oder hatte sie das damals geträumt? Sie war wütend gewesen, weil sie die Maschine nicht begriff, nicht wusste, wie man sie reparieren kann. Aber nur im Traum, in Wirklichkeit hielt sie still, war sie ein braves Kind: Man konnte irgendein Erwachsenenbuch aus dem Regal ziehen und lesen oder so tun, es machte nichts, dass man nichts verstand. Man verstand ohnehin das meiste nicht. Das war nicht schlimm, aber es war schlimm, das als Kind schon zu wissen.

Während Katharina auf dem Küchenboden sitzt, ohne sich zu bewegen, steigt mit all den erstaunlichen Einzelheiten, die sie wie Gespenster bedrängen, das elendige Grundgefühl von damals wieder in ihr auf: einfach nichts ändern zu können. Nichts tun zu können, was wirkte. Einmal in dieser Zeit bekam sie hohes Fieber. Die Eltern saßen besorgt und abwechselnd, manchmal sogar miteinander, an ihrem Bett. Aber auch das änderte gar nichts. Sie war schwach und schmal nach dieser Krankheit, die Röteln oder Masern waren es gewesen. Einmal machte sie Häkelblumen, Rosen aus Garnresten in sorgfältig abgestimmten Farben: Wenn ich neunundachtzig habe, wird alles wieder gut. Neunundachtzig war die Zahl ihrer Lebensjahre plus die der Eltern. Sie brauchte etwas mehr als eine Woche dafür, und als Konrad fragte, wieso sie genau neunundachtzig machen wolle, war sie so überrascht, dass sie es ihm verriet. Kurz darauf las sie in irgendeinem Kinderbuch, dass man Geheimnisse über große Wünsche keinesfalls verraten dürfe, weil sonst nichts mehr davon in Erfüllung gehe, und erschrak fürchterlich. Aber eine Weile danach vergaß sie es.

Während Katharina ihr milchig verschwommenes Spiegelbild in der Kühlschranktür mit dem Zeigefinger nachfährt, erinnert sie sich, dass es in der neuen Schule dann zum Glück cool war, geschiedene Eltern zu haben und sich über die mehr oder weniger unmöglichen neuen Partner und die komplizierten Alten lustig zu machen. Konrad redete in der Zeit der Trennung und danach wenig mit ihr. Spazieren gingen sie, das schon. Er nahm immer die Wege abseits der üblichen oder gar keine Wege, sie streiften stundenlang durch die Auen am Altwasser, sie zumeist ein paar Schritte hinter ihm. Katharina erinnert sich an die Geräusche der knackenden Zweige und das je nach Baum unterschiedliche Geraschel der Blätter, das ganz anders klang, wenn es gerade geregnet hatte. So etwas hörte auch er. Oder hatte sie es nicht vielmehr von ihm gelernt, genau so etwas zu bemerken? Die verschiedenen schönen Netzmuster, die das Gewirr aus Ästen und Laub ergab, wenn man nach oben sah. Konrad zeigte ihr, wie sich die verschiedenen Blattknospen aufdrehten, auffächerten oder aufrollten, sich bewegten wie unendlich langsame Tänzer. Als Kind mochte sie es auf diesen Spaziergängen immer am liebsten, wenn sie sich ein bisschen verirrten, denn sie wusste, dass sie fast sicher den Weg wieder finden würde. Sie passte immer gut auf und erntete so anerkennende Blicke von Konrad. Oft waren sie mehrere Stunden unterwegs. Konrad hatte sogar immer ein Jausenbrot und etwas zu trinken für Katharina mit. Selbst aß er nie etwas. Hatte sie ihn damals schon dafür bewundert, wie wenig er brauchte? Abends war sie dann immer todmüde und konnte leichter einschlafen als sonst. Alles andere blieb beim Alten: Es funktionierte nicht mehr. Die Maschine, die das ganze Leben regelte, die Alles-Maschine, wie sie sie bei sich nannte, war das Bild, an dem sie unglücklich hing, weil es das Geschehene sichtbar und hörbar machte. Sie zeichnete die Maschine, sie ahmte ihre Geräusche und Bewegungen nach, das Surren von Rädern, das Schlagen von Hämmern, ein leichtes Vibrieren, das Pfeifen und Zischen von Ventilen, der mäandernde, kurvende Verlauf von Fließbändern. Sie reparierte sie in Gedanken, wieder und wieder.

Fantasie ist oft genug Dummheit, weil man es nicht besser weiß, dachte sie jetzt, und dann kommen sie und bewundern einen auch noch und nennen einen wer weiß wie begabt. Der schlimmste Moment war der, als sie begriffen hatte, dass Konrad genauso hilflos war wie sie. Eine Weile dachte sie, ihre Mutter wäre schuld, und wenigstens sie hätte alles wieder in Gang bringen können. Dann zogen Dora und Katharina aus, sie kam in eine neue Schule, hatte zu tun, ging dreimal statt einmal in der Woche zum Tanzunterricht, verlor sich in den Anstrengungen der Pubertät. Der Akutschmerz verging. Aber auch im Vergessen sind die Menschen oft erbärmlich schlecht, nicht einmal das gelingt ihnen wirklich. In dieser Nacht denkt Katharina auf dem Küchenboden sitzend zum ersten Mal bewusst und intensiv an das Kind, das sie damals war. Man kann es anstarren, das innere Auge scharf stellen, die anderen und auch sich selbst in diesem Damals fokussieren, man kann erkennen. Und dennoch nichts ändern, nicht das Geringste. Die größte Täuschung liegt freilich darin zu glauben, in der unfreiwilligen Klarheit der Erinnerung und in der plötzlich möglichen Verknüpfung von Ursachen und Wirkungen sähe und begriffe man das Ganze, und ich sah, wie ihr auch Katharina zum Opfer fiel. Ich sah auch, wie sich etwas in ihrem Gesicht veränderte, etwas um ihre Augen, an ihrem Mund, eine feine Bewegung Richtung Erwachsensein, ein Erwachen, das nie freiwillig erfolgen würde. Hätten die Menschen die Wahl, wie viele würden darauf verzichten?

Damals wäre es Katharina am liebsten gewesen, Dora und Konrad wären für eine Weile verschwunden und sie hätte mit dem Großvater und der Großmutter hier wohnen können. Katharina erinnert sich, dass sie damals in ihr Tagebuch geschrieben hat: Wenn ich dableiben kann, ziehe ich sogar die Pullover von der Oma an. Dann hätten die Eltern zurückkommen sollen, und alles wäre gewesen wie früher. So hätte sie sich das gewünscht. Sie war halt ein blödes Kind damals. Nichts wird wie früher, niemals und nirgends. Stirn auf den Boden. Fingerspitzen nach vor, Handflächen, so weit wie möglich. Sie wirkt wie eine Gläubige ohne Altar. Ihre Finger ertasten Krümel und Staub unter dem Kühlschrank, sie zieht sie zurück, wischt die Hände an der Hose ab. Sie setzt sich auf die Unterschenkel, legt die Stirn wieder auf den Boden, zieht die Arme nach hinten und drückt sie in die Vertikale. Wenn sie länger als eine Minute durchhält, schießt das Blut danach so angenehm in den Nacken, dass es den Kopf wärmt und die Gedanken löscht. Ein Knacksen in der Halswirbelsäule. Sie tastet die Knochen entlang. Der Bauch verschwindet nicht. Sie zwickt sich. Solange das noch geht, solange ist es zu viel. Wenn ich noch etwas esse, könnte ich einschlafen. Eine rauchen. Sie macht das Fenster auf. Mal sehen, wie tolerant er morgen ist. Nichtraucher erschnüffeln ja jede Zigarette noch nach Tagen. Vielleicht war es eine miese Idee hierherzukommen. Sie hatte schon überlegt, einfach bei Jodie in London unterzutauchen, wo sie während der Workshops immer wohnte. Aber Jodie hätte sie wahrscheinlich ohne große Mühe überredet, sofort zu Hause anzurufen. Ihre Mutter wäre ihr glatt nachgeflogen. Immer sie, er nie. Katharina reißt die Kühlschranktür auf, starrt auf das bunte Durcheinander. Sie nimmt eine Packung mit Schokoladepudding heraus und stopft sie in das Gemüsefach ganz nach hinten. Dieses schlechte Gewissen immer, das bringt sie noch um.

Ich habe Katharina lange nicht gesehen, nach der Scheidung ist sie nicht mehr gekommen. Die zwei oder drei Male, die sie ihren Vater noch besuchte, gerieten zu einem sprachlosen Desaster. Konrad war wie versteinert, und Katharina sagte irgendwann, die Mama solle sie abholen. Auch die Telefonate wurden daraufhin immer kürzer. Mit Katharinas Zwitscherstimme konnte Konrad nichts anfangen. Die Geschichten, die sie erzählte, von Freundinnen, die er nicht kannte, von Spielen, die er sich nicht vorstellen konnte, von Ausflügen und Urlauben, die ohne ihn stattgefunden hatten. Paul, Doras damaligen Geliebten, erwähnte sie nie. Das passte ihm nicht, ebensowenig, wie wenn sie es getan hätte. In Katharinas Stimme am Telefon lag eine kindliche Aufgedrehtheit, die ihn durchtränkte und irritierte, die er aber nicht begriff. Also rief er eine Weile kaum mehr an. Später trafen sie einander dann immer in der Stadt, was zu Konrads Erleichterung ganz gut funktionierte. Am liebsten ging er in Ausstellungen mit ihr oder zu etwas, was einen Gesprächsstoff für ihn ergab. Er hatte nie den Eindruck, dass Katharina sich langweilte. Ich wusste es immer, wenn Konrad von einem Treffen mit Katharina nach Hause zurückkam. Er war dann weicher als sonst, belebter. Irgendetwas war da immer an ihr, was ihn entzückt hatte, irgendetwas, von dem sie nichts ahnen konnte. Sie musste sich angestrengt haben für ihn. Etwas von der Bewunderung, die Dora ihm entzogen hatte, gab ihm jetzt sie. Wenn er wieder allein war, setzte er sich dann oft vor das Modell der Wohnsiedlung und stellte sich seine Tochter vor, wie sie in einem Gemeinschaftsraum tanzte. Einmal baute er einen Tanzsaal mit Gartenzugang in das Modell ein, den er ihr nie zeigte.

Er ging immer zu Schulaufführungen und hin und wieder zu den Sprechstunden. Begegnete er Paul irgendwo mit Dora, wusste ich es auch: Konrad kam mit einer kalten Spannung zurück, die fast gleich stark war wie in den Tagen, nachdem Dora ihm gesagt hatte, dass sie ausziehen würde. Er tat dann das Naheliegendste und Gewöhnlichste, er trank. Die Gespenster gingen ein und aus bei ihm, streiften zwischen Küche und Schlafzimmer hin und her. Seine verzweifelte Leere zog sie an, aber er sah sie nicht, nicht ein einziges Mal.

Schon wieder spreche ich über ihn. Es fällt mir schwer, bei Katharina zu bleiben, Konrad drängt sich auf und mengt sich ein. Ich begreife Katharina, mehr noch vielleicht, ich bin Katharina, ich bin diese nur diffus bewusste Sehnsucht nach Konrad, von der sie nichts wissen darf, ich bin ihr Nichtwissen und ich bin die Kälte, mit der sie über sich urteilt und über Konrad, und ich bin derjenige, der diese Kälte betrachtet. Ich sehne mich nach Armen, nach einem Körper, um Katharina halten zu können, vielleicht liebe ich sie in diesem Moment sogar.

Es ist genug, ich bin zu weit gegangen. Ich verliere mich und das ist in meinem Plan nicht vorgesehen. Ich bin Behausung und Zeuge, nichts weiter habe ich zu sein. Müßig zu fragen, welche vermuteten Zusammenhänge zwischen Geist und Materie mich in diese Lage gebracht haben. Das Denken in kausalen Ketten ist ja längst überholt. Mit allem, was ich weiß, werfe ich bestenfalls einen dünnen Lichtstrahl in das unbegrenzte Terrain des Nichtwissens, wie ein Mensch, der mit Taschenlampe in meinem Keller herumirrt und plötzlich durch einen Verbindungsgang in den Souterrain und dann ins fremde Treppenhaus des benachbarten Hauses gerät, sich nicht mehr zurechtfindet und einen Moment lang meint, eine andere Welt betreten zu haben oder sich in einem unbekannten Labyrinth zu verlieren. Die Frage des Lebensfunkens bleibt ungelöst, ebenso wie die der Liebe. Aber ich rede mich in Rage. Fürs Erste genügt es, mich an Konrad zu halten. Er schläft in Rückenlage, die Arme angewinkelt rechts und links des Kopfes, eine Pose ungeahnter Kapitulation. Die Augäpfel zucken hinter den geschlossenen Lidern, die langen Wimpern zwei sichelförmige Schatten. Ich erinnere mich, wie verliebt Dora in seine Augen und in seine Stimme gewesen war, wie sie ihn beobachtete, wenn er es nicht zu bemerken schien, schrieb, las, an einem seiner Modelle baute. Im Vorbeigehen küsste sie ihn oft auf die geschlossenen Augen, auf die Stirn. Konrad träumt von einem Spiegel, in dem er sein heftig pumpendes Herz als vagen Umriss unter dem glatten Stoff eines weißen Krankenhausnachthemds sehen kann. Im Schlaf weiß er genau, dass das nicht in Ordnung ist. Wäre alles gut, bliebe das Herz unsichtbar. Eine vage Beunruhigung krampft die Hände zu Fäusten, er kreuzt die Arme vor der Brust und erwacht vom Kribbeln in den eingeschlafenen Gliedern. Das Licht unter dem Türspalt weckt ihn endgültig. Es ist lange nach Mitternacht. Als er die Füße auf den Boden setzt, fällt ihm Katharina ein. Leise tappt er zur Tür, öffnet sie einen Spalt, schaut Richtung Küche. Da sitzt sie, in einer ihrer Posen aus dem Training, auf dem Küchenfußboden, den Oberkörper seitlich weit über ein ausgestrecktes Bein gebeugt, ihre Hand umfasst die Außenkante eines Fußes. Ihre Schultern zittern, und er hört ihren stoßweisen Atem und ein langgezogenes Schniefen. Sanft schließt er die Tür, gleitet ins Bett zurück.

Morgen wird er kochen, Zitronenhuhn, das könnte sie mögen, das hat er früher sonntags manchmal gemacht. Erstaunlich, welche Beruhigung allein von der Vorstellung eines gedeckten Tisches ausgeht. Aber zum Einschlafen wird es nicht reichen, noch nicht. Es wäre gut, wenn sie zusammen äßen, jeden Tag, oder wenigstens fast jeden. Konrad geht nach der Arbeit oft spazieren, am liebsten in Gegenden, wo sich niemand nur zum Spazierengehen aufhält. Er fährt ein Stück mit der U-Bahn hinaus, steigt irgendwo an der Peripherie aus. Zügig geht er die soldatisch zu Mauern gestutzten Thujen um die lutschbonbonfarbenen Einfamilienhäuser und Wohnblöcke entlang, als hätte er ein Ziel. Würfeliges Wirrwarr, da und dort aufgebrochen von einem Kreisverkehr. Wo noch ein Stück Landschaft, ein Stück Au mit einem namenlosen Teich oder der Rest eines Wäldchens übrig geblieben ist, wird bald ein Lebensmittel- oder Bekleidungsmarkt mit Parkplatz hingeklatscht. Im Stillen liebt Konrad die berechenbare Melancholie dieser Spaziergänge, das so vertraute Verlorensein. Meist trinkt er dann irgendwo ein Bier, kauft in einem dieser Supermärkte ein paar Lebensmittel und gönnt sich einen die Fantasie anregenden Flirt mit einer Verkäuferin. Hin und wieder gibt es einen überraschenden Moment der Schönheit, ein farbiges Nylonsäckchen, das der Wind über den Asphalt tanzen lässt, ein paar auffliegende Vögel, egal. Auf diese Spaziergänge wird er jetzt verzichten müssen, da Katharina hier ist. Mitnehmen kann er sie wohl nicht mehr, das ist vorbei. Hat sie geweint vorhin da draußen? Weint sie noch? Konrad horcht ins Dunkel. Die Luft ist zu warm und zu wattig, mit dem Fuß angelt er nach dem angelehnten Fenster und schiebt es auf. Der Schwall kühler Luft tut gut, macht ihn aber noch wacher.

Das Regelmäßige ist wichtig, bei allem. Rituale sind wichtig. Wiederkehr ist wichtig. Hinausgehen, schauen. Dora hat das alles verstanden, und dann hat sie es vergessen. Nein, nicht vergessen, verleugnet. Plötzlich hat sie es verleugnet, dann bald verraten. Wann hat das angefangen? Diskussionen über Lächerliches, über Supermärkte und Parkplätze: Meinst du, die Leute können zu Fuß mit dem Einkaufskorb nach der Arbeit? Meinst du vielleicht, früher sei etwas besser gewesen?