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Werner Heisenberg
Elisabeth Heisenberg

»Meine liebe Li!«

Der Briefwechsel
1937–1946

Herausgegeben von
Anna Maria Hirsch-Heisenberg

Mit Fotos und bislang
unveröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen
aus dem Privatarchiv

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www.residenzverlag.at

© 2011 Residenz Verlag
im Niederösterreichischen Pressehaus
Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
St. Pölten – Salzburg – Wien

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.
Keine unerlaubte Vervielfältigung!

ISBN ePub:
978-3-7017-4328-5

ISBN Printausgabe:
978-3-7017-3247-0

Inhalt

ZU DIESEM BUCH

DER BRIEFWECHSEL

1937

1937/38

1939

1940

1941

1942

1943

1944

1945

1946

ZEITTAFEL

NAMENREGISTER

Für meine Geschwister
Wolfgang, Jochen, Martin, Barbara, Christine und Verena

Zu diesem Buch

Als meine Mutter im Jahr 1998 starb, hinterließ sie meinen Geschwistern und mir zwei wohlverpackte Bündel mit Briefen: einmal die unseres Vaters an sie, zum anderen ihre eigenen Briefe an ihn. Auf Wunsch meiner Mutter gelangten die Briefe zu mir als ältester Tochter. Als gegen Ende der 1990er Jahre – zum Teil angestoßen durch das Theaterstück Kopenhagen von Michael Frayn – die Diskussion über die Rolle meines Vaters im Zweiten Weltkrieg wieder neu entbrannte, beschloss ich, mir die Briefe meines Vaters an meine Mutter aus den Jahren 1937–1946 genauer anzusehen. Vielleicht konnten sie ja Aufschluss darüber geben, wie mein Vater den Krieg erlebt bzw. was er zu den Verirrungen und Katastrophen dieser Zeit gedacht und gefühlt hat.

Ich war zunehmend von der Lektüre gefesselt und fing an, die Briefe abzuschreiben. Mir wurde bald klar, dass man zu den politischen Fragen, die heute so gerne diskutiert werden – Äußerungen etwa zur Judenfrage oder zu Hitler und dem Nationalsozialismus – keine direkte Antwort finden würde; das waren tabuisierte Themen. Aber die Briefe geben eine lebendige Anschauung davon, wie es meinem Vater möglich wurde, diese heillose Zeit zu überstehen. In erster Linie ist da Elisabeth, seine Frau, unsere Mutter, zu nennen. Ihre große Liebe und geistige Lebendigkeit, aber auch ihre wachsende Tüchtigkeit bei der Bewältigung der häuslichen Aufgaben geben ihm immer wieder die Kraft, seinen Zielen treu zu bleiben. In jedem seiner Briefe ist diese nahe, Kräfte spendende Beziehung zu spüren. So wurde ich neugierig auf die Briefe meiner Mutter und beschloss, sie ebenfalls zu lesen und abzuschreiben. Und ich war mehr und mehr beeindruckt von dem Zusammenspiel der beiden Eheleute, von dem unbedingten Bestreben, das Leben über alle Entferung hinweg miteinander zu teilen und gemeinsam zu bestehen. Es war nicht nur die jugendlich-sprühende Lebhaftigkeit der um vierzehn Jahre jüngeren Elisabeth, die meinem Vater gut tat, sondern umgekehrt auch die größere Bedächtigkeit und Lebenserfahrung ihres Mannes, die Elisabeth den nötigen Halt gab, ihre eigenen Kräfte zu entfalten.

Allerdings war die Zuordnung der Briefe und die Herstellung einer chronologisch stimmigen Reihenfolge alles andere als einfach: Sehr viele Briefe – vor allem von meiner Mutter – fehlten, und die Datierung der Briefe war oft lückenhaft und ungenau, vor allem, was den Jahrgang anbelangte. Außerdem wurden die Briefe häufig am selben Tag geschrieben, waren aber oft unterschiedlich lang unterwegs, sodass eine Antwort darauf erst Tage später erfolgte. Das Ergebnis der Zusammenstellung aber war ein beeindruckendes Zeugnis ehelicher Liebe und Treue.

Ich habe die Briefe zunächst hauptsächlich im Hinblick auf meine Geschwister, Kinder und Enkel abgeschrieben. In Gesprächen mit der nächsten oder gar übernächsten Generation war häufig zu spüren, dass sich stark vereinfachte, klischeehafte Vorstellungen breitmachten, die sich an Büchern, Artikeln, Filmen und politischen Zeitströmungen orientierten und die Wirklichkeit immer mehr in den Hintergrund drängten. So tauchte wie von selbst die Frage auf, ob es nicht sinnvoll sei, den Briefwechsel zu veröffentlichen. Tatsächlich gibt es ja kein anderes Medium, das so authentisch erlebte Wirklichkeit wiedergibt, wie Briefe es tun. Selbst erzählte oder niedergeschriebene Erinnerungen haben sich immer schon ein Stück weit von der Wirklichkeit entfernt. Auch werden Zeitzeugen, die aus eigenem Erleben über die Kriegsjahre berichten können, immer seltener, sodass das Wissen um diese Zeit abnimmt. So habe ich mich nach Rücksprache mit Geschwistern und Freunden zu einer Veröffentlichung entschlossen. Dabei waren drei ganz unterschiedliche Gesichtspunkte maßgebend: 1. Die Briefe sind in dem, was sie berichten, und auch in dem, was sie verschweigen, ein wichtiges Zeitzeugnis. Es ist ihnen – vor allem in den späteren Kriegsjahren – deutlich anzumerken, dass alle Äußerungen sorgfältig vermieden werden mussten, die als Kritik an den herrschenden Zuständen aufgefasst werden konnten. So ist bei Elisabeth immer wieder einmal nach neuen militärischen Nachrichten zu lesen: »Ach, wenn du doch nur hier wärest und wir darüber reden könnten!« Geschriebenes war immer in der Gefahr, der Zensur in die Hände zu fallen. Ein einziges Mal lässt sich Werner hinreißen, nach der bedeutsamen Sitzung mit dem Reichsminister Speer und hohen Vertretern des Militärs im Juni 1942 seiner Frau von den »Festlichkeiten bei Hofe« zu berichten. Im darauffolgenden Brief fragt er sogleich besorgt nach, ob der Brief auch richtig angekommen sei, er dürfe nicht in fremde Hände geraten.

Um so aufschlussreicher und handfester sind in den Briefen die Schilderungen eines Alltagslebens, das im Verlauf des Krieges zunehmend aufgesogen wird von dem Kampf um die täglichen Notwendigkeiten. Nichts ist mehr selbstverständlich: Das Einkaufen wird zum Lotteriespiel, das Reisen zu einem gefährlichen Abenteuer, die Nächte zu Alpträumen. Darüber hinaus engen die immer neuen Erlasse und Vorschriften der Behörden den Handlungsspielraum des Einzelnen mehr und mehr ein. Wen wundert es, dass das Denken in einer solchen Zeit auf das Überleben des nächsten Tages gerichtet war, aber keinen Raum ließ für weiterreichende politische Aktionen?

2. Der Briefwechsel leistet aber auch einen wichtigen Beitrag zu den Fragen, die im Zusammenhang mit Werner Heisenberg immer wieder gestellt werden: Warum ist er nicht wie so viele andere ausgewandert? Wollte er für Hitler die Atombombe bauen? Hat er es versucht?

Auf seiner Reise 1939 und sogar noch nach Kriegsende ist ihm immer wieder nahegelegt worden, nach Amerika zu gehen. Er wusste, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen für ihn dort ungleich günstiger sein würden als in dem zerrütteten Deutschland. Er war gerne in Amerika und er war überzeugt davon, dass Deutschland den Krieg verlieren würde. Aber Auswandern wäre ihm wie Fahnenflucht vorgekommen. Sich ein bequemes Leben machen war nicht seine Sache. Er fühlte sich für seine Mitarbeiter und Kollegen verantwortlich, und er sah seine Aufgabe darin, für »die Zeit danach«, die zu erwartende Neuordnung Europas und den Erhalt der Wissenschaft in seinem Land zur Verfügung zu stehen. Und von diesem Ziel hat er sich nicht abbringen lassen, so schwer es ihm auch gelegentlich wurde.

Die beruflichen Aufgaben als Professor in Leipzig und wissenschaftlicher Leiter des »Uranprojekts« in Berlin befriedigten ihn nicht. Immer wieder beklagt er sich in den Briefen über die »Sinnlosigkeit« seiner Arbeit. Aber er hatte gute Gründe, sich dem Uranprojekt, das ihm vom Heereswaffenamt angetragen worden war, nicht zu verweigern, denn er behielt auf diese Weise die Atomforschung unter seiner Kontrolle und konnte sich und seine Mitarbeiter davor schützen, an die Front geschickt zu werden. Er ahnte nicht, welche Gefahren dieser Weg mit sich brachte. Als er 1941 erkennen musste, dass der Bau einer Atombombe theoretisch möglich, aber für ein kriegführendes Land wie Deutschland nicht realisierbar war, konnte er die Heeresleitung davon überzeugen, dass die Zeit für den Bau einer kriegsentscheidenden Waffe nicht ausreichen würde, dass es aber durchaus sinnvoll wäre, für die Zeit nach dem Krieg die friedliche Nutzung der Atomenergie weiter zu erforschen. Damit konnte er seinen Zielen, etwas für »die Zeit danach« zu tun, die Kontrolle über die Atomforschung zu behalten und Mitarbeiter vor dem Kriegsdienst zu bewahren, treu bleiben. Dass er sich dabei keine Blöße geben durfte, sich vom aktiven Widerstand fernhalten und im Ausland die Loyalität gegenüber seinem Land wahren musste, ist ihm schwer geworden und hat ihn oft an den Rand der Erschöpfung gebracht. Das bezeugen auch seine Briefe, in denen er immer wieder zum Ausdruck bringt, dass er das, wozu er eigentlich gemacht sei, nämlich zum »ruhigen Nachdenken über Fragen in der Natur«, nicht tun könne. Als Ersatz dafür flüchtet er sich in seinen freien Augenblicken in seine »Privatphilosophie«, eine »Ordnung der Wirklichkeit«, die er den Verwerfungen und Zerstörungen seiner Zeit entgegensetzt. Dieses Manuskript war nicht zur Veröffentlichung gedacht und ist erst nach Heisenbergs Tod im Rahmen des Gesamtwerkes herausgegeben worden.

Der Bau einer Atombombe war für ihn indiskutabel, und auch nach dem Krieg hat er sich aktiv gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen eingesetzt. Nach dem Abwurf der Bombe auf Hiroshima schreibt er an seine Frau: »Mir tun meine Kollegen (in Amerika) sehr leid, weil ihr Name jetzt mit dieser Scheusslichkeit verknüpft ist.«

3. Nicht zuletzt ist der Briefwechsel aber auch, wie schon gesagt, ein Zeugnis für die Kraft einer ehelichen Gemeinschaft, in der es nicht darum geht, wie jeder Partner zu seinem Recht kommt, sondern wie man sich gegenseitig gut tun und helfen kann, die Stürme des Lebens zu bestehen. Das Haus in den Bergen, weitab von den Zentren der politischen Macht, und das Aufblühen der Familie wirkt wie ein Gegenprogramm, ein Kontrapunkt, zu den Zerfallserscheinungen der Zeit und ein Garant, dass es »eine Zeit danach« geben wird, für die es sich lohnt, alle Kräfte einzusetzen. »Wir müssen schon durch dieses Fegefeuer durch«, schreibt Werner in einem Brief an seine Frau, und in seinem letzten Brief vor der Hochzeit: »Ich habe das ganz feste Vertrauen, dass wir gut zueinander passen und dass wir in jeder Weise unseren Platz in der Welt dadurch besser ausfüllen können, dass wir zusammen sind.«

Es bleibt zu sagen, dass es natürlich unerlässlich war, den Briefwechsel stark zu kürzen. Er hätte sonst den Rahmen eines lesbaren Buches gesprengt. Die Kürzungen waren nicht so schwierig, wie ich anfangs dachte, denn es gibt in einem solchen privaten Briefwechsel viele Wiederholungen, Terminabsprachen und anderes Organisatorische oder Bezüge zu Personen und Telefongesprächen, die für den Leser heute nicht mehr von Interesse sind. Ich habe mich aber bemüht, alles zeitgeschichtlich Relevante, Erlebnisschilderungen, Betrachtungen und Gedanken so weit wie möglich zu erhalten und Brüche zu vermeiden. Nur bei den Schilderungen aus der Kinderstube habe ich manchmal energischer gekürzt. Die Auslassungen sind immer durch Klammern gekennzeichnet. Der ungekürzte Text der Briefe und die Tagebuchnotizen können zur Zeit noch bei der Herausgeberin, später im Heisenberg-Archiv bei der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin eingesehen werden.

Die genaue Datierung der Briefe musste ich oft ergänzen oder aus dem Inhalt erschließen. Diese Zusätze stehen in Klammern.

Die Briefe sind nach Jahrgängen geordnet, und jedem Jahr ist eine kurze Einleitung über die wichtigsten Ereignisse vorangestellt, damit der Briefverkehr besser verständlich wird. Gelegentlich sind auch erklärende Kommentare eingefügt. Insgesamt aber habe ich versucht, die Briefe für sich sprechen zu lassen. Eine Ausnahme bildet der Jahrgang 1945. Zum besseren Verständnis der Ereignisse, die für die Familie mit dem Kriegsende verbunden waren, habe ich die Tagebuchnotizen meines Vaters über die letzten vierzehn Tage vor seiner Gefangennahme in Urfeld in den Briefwechsel aufgenommen, die hier erstmals veröffentlicht werden, damit der Leser nachvollziehen kann, was sich damals abspielte.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei meinen Geschwistern für ihre Unterstützung und vor allem beim Residenz Verlag und meiner Lektorin Frau Dr. Sippl für ihre fachkundige Hilfe herzlich bedanken.

Feldafing, im Juni 2011

Anna Maria Hirsch

1937

Werner Heisenberg ist fünfunddreißig Jahre alt, als er im Januar 1937 die zweiundzwanzigjährige Elisabeth Schumacher kennenlernt. Seit 1927 ist er ein wohlbestallter Professor für theoretische Physik in Leipzig, hat 1933 den Nobelpreis für Physik erhalten und ein Haus im Bozener Weg erstanden. Dennoch geht es ihm in vielerlei Hinsicht nicht gut: Die politische Situation und der beginnende Exodus deutscher Wissenschaftler bedrücken ihn. Er selbst ist beträchtlichen Feindseligkeiten ausgesetzt und wird im Völkischen Beobachter als »weißer Jude« beschimpft, weil er unbeirrt in seinen Vorlesungen die Einsteinsche Relativitätstheorie vertritt. Seine Chancen, die Nachfolge Sommerfelds in München antreten zu können, werden von den »deutschen Physikern« erfolgreich torpediert, und auch in seinem Privatleben muss er seine Hoffnung begraben, sich mit der Schwester seines besten Freundes Carl-Friedrich von Weizsäcker zu verbinden. Es ist nicht verwunderlich, dass es ihm auch körperlich in dieser Zeit nicht gut geht.

Was ihm immer wieder Trost und Lebensfreude vermittelt, ist das Musizieren mit anderen Menschen, und auf einem solchen Musikabend bei der Leipziger Verlegerfamilie Bücking lernt er Elisabeth Schumacher kennen. Sie ist erst seit Kurzem in Leipzig, um dort eine Buchhändlerlehre aufzunehmen, nachdem sie ein Studium der Kunstgeschichte in Freiburg im Breisgau abgebrochen hat. Sie ist das vierte von fünf Kindern des angesehenen Berliner Universitätsprofessors für Nationalökonomie Hermann Schumacher. Hermann junior, Edith und Fritz sind einige Jahre älter als Elisabeth, Ernst – ein später Nachzügler – ist neun Jahre jünger. Der Vater, zu dieser Zeit schon fast siebzig Jahre alt, ist ein gestrenger und jähzorniger Familienpatriarch, der keinen Widerspruch duldet und damit seiner Frau und den Kindern das Leben schwer macht. Elisabeth, die in ihrer impulsiven und erregbaren Art dem Vater wohl in manchem durchaus ähnelt, hat einige Zusammenstöße mit ihm durchstehen müssen, als sie die von ihm erwartete Universitätslaufbahn aufgab und sich zu einer Buchhändlerlehre entschloss. Als Professorentochter und Verlagspraktikantin wird sie von der Familie Bücking in die Leipziger Gesellschaft eingeführt. Sie macht dort am 28. Januar 1937 die Bekanntschaft mit Werner Heisenberg, der an diesem Abend mit dem Geiger Jacobi und dem Hausherrn Klaviertrio spielt. Die Familiensaga berichtet, dass Werner sich mit dem Beethovenschen »Largo con espressione« aus dem zweiten Klaviertrio op. 1 in Elisabeths Herz spielte. Auf jeden Fall muss so etwas wie ein Blitzschlag zwischen den beiden Menschen stattgefunden haben, denn vierzehn Tage später schreibt Werner an seine Mutter:

»Ich habe mich gestern – Dein Einverständnis vorausgesetzt – verlobt. Die Bekanntschaft mit Elisabeth ist erst kaum vierzehn Tage alt und entstand aus einem zunächst scheinbar gleichgültigen Gespräch in einer Gesellschaft, in dem sich eine enge Verwandtschaft der Meinungen über die wesentlichen Dinge zwischen ihr und mir herausstellte. Dieses gegenseitige Verstehen, bei dem man gewissermassen nur ein seit langer Zeit geführtes Gespräch fortzusetzen brauchte, ging bald so weit, dass es mir natürlich schien, Elisabeth zu fragen, ob sie bei mir bleiben wolle.«

Der Vater Schumacher konnte gegen einen solchen Schwiegersohn sicherlich nichts einwenden. Immerhin macht er seine Autorität noch einmal geltend, indem er darauf besteht, dass die Hochzeit erst stattfinden dürfe, nachdem der ältere Bruder Hermann, der schon längere Zeit verlobt war, seine Hochzeit gefeiert hat, und dass sich das Hochzeitspaar nach den Feierlichkeiten von einem Chauffeur zum Bahnhof fahren lassen muss, statt, wie es sich der Bräutigam gewünscht hatte, mit dem eigenen Auto davonzufahren.

Die Hochzeit wird auf den 29. April festgelegt, und die Wochen bis dahin sind – wie aus den nachfolgenden Briefen aus der Verlobungszeit hervorgeht –, randvoll ausgefüllt mit den Vorbereitungen für das gemeinsame Eheleben in Leipzig.

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WERNER AN ELISABETH

Leipzig, 15.3.37

Liebe Elisabeth!

Es ist merkwürdig, zu denken, dass dies der erste Brief ist, den ich an Dich schreibe. Denn eigentlich scheint es mir, als seien wir schon viele Jahre vertraut und bekannt, und der gegenwärtige Zustand des Alleinseins gilt nur als schmerzliche Unterbrechung eines fast schon gewohnten aber immer wieder schönen gemeinsamen Lebens. Ich verdanke Dir so viel Ruhe und Geborgenheit und ich freue mich mit jedem Gedanken auf die Zeit, wo wir den alltäglichen Wechsel von Ernsthaftem und Schönem gemeinsam geniessen können. Hab Dank für alles!

Die Fahrt von Steglitz nach Leipzig war bei dem regnerischen und stürmischen Wetter nicht sehr erfreulich; ich kam Schlag zwölf Uhr zu Hause an, und war zunächst zur Arbeit nicht recht zu brauchen. Inzwischen hab ich aber doch drei Seiten an dem Aufsatz für die »Antike« geschrieben und ich hab ein ziemlich genaues Bild davon, wie er später aussehen soll; nur mit meinem Deutsch bin ich heut nicht zufrieden, die Formulierungen werden schief und ungeschickt; aber man kann ja korrigieren.

Von Pauli bekam ich einen recht netten Glückwunschbrief, den ich Dir nächstens zeigen will. –

Beim Abholen der Noten für Samstag sprach ich kurz mit Frau Mittelstädt und Frau Bücking, die sich an Glückwünschen garnicht genug tun konnten; wir werden dort energisch gefeiert werden, wenn wir zur Musik gemeinsam erscheinen; aber das gehört schliesslich auch dazu und schadet nicht.

Was Du wohl heute abend treibst? Ich will jetzt noch eine Stunde Klavier üben und dann ausschlafen, und ich hoffe, dass Du Dich auch ausgiebig für die verkürzte Schlafenszeit der letzten Wochen entschädigst. Deinen lieben Eltern noch vielen Dank für die letzten Tage,

Dir alles Liebe, in Gedanken bin ich nahe bei Dir, Dein Werner

ELISABETH AN WERNER

15. März 37

Mein Lieb – ob Du wohl gut heimgekommen bist? Und nun bist Du schon ganz in Arbeit vergraben – sicherlich! Wie bin ich froh, dass Du noch da geblieben bist gestern und wir noch den Abend und Morgen zusammen gehabt haben!

Der Tag ist lang gewesen seit du weggefahren bist, obgleich viel in ihn hineingepackt worden ist. Das Schönste gleich zuerst: das ist dieser Brief von Maria W., den ich Dir mitschicke, weil er Dich sicherlich freuen wird und weil ihr Wesen darin so hell und glücklich klingt. Ich war ein wenig traurig, denn in meiner Freude darüber gab ich ihn Papa zu lesen und auch Edith und fand gar keinen Widerhall. Das ist das alte Leid hier, an dem ich als Kind schon immer so litt. Sie verstehen nie, was mich am meisten freut im Leben, was ich lieb habe an den Menschen. Und ich bin kein Mensch, der Freude allein für sich geniessen kann. Gut, dass es Dich gibt, dass Du da bist, und dass ich Dir alles, alles schenken kann, was ich hab’!

Nun musst Du wohl dem Rolf schreiben, dass wir schon Musik haben. Der Arme! Aber es ist sonst wirklich zu viel, glaube ich.

Und dann haben wir schon mit der Kirchenverwaltung verhandelt. Da brauchst Du gar nichts mehr zu tun. Das geht scheinbar ganz ohne Schwierigkeiten. Und auf dem Standesamt waren wir auch. Da gibt’s nun doch noch eine kleine Arbeit für Dich, und zwar fülle doch bitte dieses Formular aus und lass Deine Unterschrift auf dem Leipziger Standesamt beglaubigen. Dann schicke noch Deine Papiere und damit können wir alles für Dich erledigen. –

Gute Nacht, Lieb! Ich habe Dich so schrecklich lieb und ganz kann ich mich hier noch nicht zurecht finden ohne Dich. In 5 Tagen bin ich wieder bei dir. Li

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig). Dienstag nach Mitternacht (16.3.1937?)

Meine liebe Li!

Über Deinen Brief hab ich mich so sehr gefreut, dass noch ein kurzer Gruß zu Dir wandern soll, obwohl ich recht müd bin. Der Brief der Maria Westphal ist sehr schön und zeigt mir sehr deutlich die Art Eures Verstehens; ich freue mich sehr drauf, Deine nächste Freundin kennen zu lernen, und die Musik, die sie in unserer Kirche macht, ist wohl ein guter Weg dazu. – An Rolf will ich abschreiben, er wird das schon verstehen.

Das Formular will ich morgen ausfüllen. Du sollst es so bald wie möglich bekommen. Meine Arbeit geht inzwischen ganz gut weiter, übermorgen hoff ich, mit dem Aufsatz fertig zu werden, die beiden Tage am Ende der Woche haben wir dann ganz für uns. Vielleicht kann ich Dir bis dahin den ersten Satz vom Schumann-Konzert ganz vorspielen, ich hab fleissig studiert.

Nun sei froh, trotz der Trennung, ich freue mich schrecklich auf das Zusammensein mit Dir.

Dein Werner.

ELISABETH AN WERNER

16. März 37

Liebster – eben, als ich von Irmgard nach haus kam, fand ich Deinen Brief. Hab Dank, dass Du mir gleich geschrieben hast. Ja, eigentlich ist es mir garnicht ganz bewusst geworden, dass es die ersten Briefe sind, die wir uns schreiben, so sehr gehören wir schon zueinander. Aber heute, jetzt, empfinde ich doch etwas die Armseligkeit des Briefeschreibens, weil mein Herz so voll ist und nur so ein ganz kleinwenig davon zu Dir gelangen kann, und, wenn es dann bei Dir ist, dann ist es etwas ganz Selbständiges geworden und im Grunde gehört es doch mitten hinein in einen ganzen Berg von Gedanken und Empfindungen.

Hier ist heute ein ganz herrlicher Frühlingstag; der Sturm hat den Himmel ganz rein gefegt und die Vögel singen schon mit ganz tiefen, vollen Stimmen. Und so betrüge ich mich immer ein ganz bisschen selbst, wenn ich den Frühling spüre, und denke, davon werden die Wochen kürzer und der Mai kommt eher!

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Im März 1937 glücklich verlobt: Elisabeth Schumacher und Werner Heisenberg

Ich bin sehr gespannt auf Deinen Aufsatz und bin froh, dass Du ihn in Gedanken schon so fertig hast. Werd ich ihn verstehen können? – Hier ist weiterhin ein unbeschreiblicher Betrieb im Haus. (…) Aber wenn’s einwenig stiller hier im Haus geworden ist, werd ich auch etwas Physik arbeiten und werd versuchen, den »Zimmer« zu lesen. Ich freue mich schon darauf. (…)

Heute abend muss ich Tantenbesuch machen – den ganzen Abend lang! Aber ich werd einfach die ganze Zeit an Dich denken, dann wird meine Fröhlichkeit schon nicht ausgehen! Und, gelt, mitten in der Arbeit geh manchmal in den Garten hinaus und schau Dir an, wie gross die Tulpen schon geworden sind, die an unserer Hochzeit blühen!

Alles Liebe, Du! Ich bin immer in meinem Herzen ganz bei Dir.

Li

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig) 17.3.(1937)

Meine liebe Li!

Heut hab ich ein schlechtes Gewissen, denn das Formular ist noch nicht ausgefüllt; als ich von meiner Arbeit auf die Uhr sah, war die Zeit, wo das Rathaus offen ist, eben abgelaufen. Aber morgen früh wird der Gang zum Rathaus das erste sein. Dafür bin ich heute schon mit dem Aufsatz ziemlich fertig, morgen will ich nur noch ein wenig dran korrigieren. Also verzeih meine Bummelei.

Dein Brief kam heut schon in aller Früh, hab Dank für die Liebe, die aus Deinem Brief so deutlich zu spüren ist.

Wenn ich Deinen Brief lese und an Dich denke, merke ich wie schlecht ich es mache, dass ich meine Gedanken jetzt auf eine Arbeit konzentriere, die garnicht so nötig ist, statt mit allen Gedanken bei dem Gemeinsamen zu bleiben, das uns beiden beschert ist. Aber sobald Du wieder hier bist, will ich alles vergessen, das nicht nur mit uns zu tun hat. Ich glaube, es ist überhaupt gut, wenn in diesem Sommer die Physik in einen dunkeln Winkel geschoben wird, um später hervorgeholt zu werden, denn ich hab zunächst von Dir mehr zu lernen als von allen Abhandlungen der Welt.

Wenn Du am Sonntag kommst, blühen im Garten schon mehr Blumen als das letzte Mal, und die Tulpen sind schon erheblich grösser geworden. Ich freu mich so auf das Zusammensein! Dein Werner

ELISABETH AN WERNER

Mittwoch, abends spät (17.3.1937?)

Liebster – das war heut ein arbeitsreicher Tag! Mit aufgekrempelten Ärmeln und einer grossen blauen Schürze angetan bin ich den ganzen Tag im Haus herumgefuhrwerkt, hab’ geputzt, gewaschen und schrecklich viel zuweg gebracht. Und mitten in dies Gewerkel kam Dein Brief wie ein blitzender Sonnenstrahl. Weisst Du denn, wie lieb ich Dich hab? Vergiss es nur nie, keinen Augenblick!

Ich freue mich so, dass die Arbeit so gut voran geht. Aber weisst Du, Werner, wenn Du vor vieler Arbeit mal nicht zum Schreiben kommst, denke nicht, ich wär dann traurig. Ich weiss ja, dass Du trotzdem mit Deinem Herzen bei mir bist, gelt? Ich bin garkein unvernünftiges Frauenzimmer! Nur für mich ist kein Tag ganz richtig, an dem ich Dir nicht erzählen kann. Und ich darf Dir doch jeden Schnack und jede kleine Dummheit erzählen?

Am Abend hat Ernst etwas Geige gespielt und ich habe mich gefreut, wie sauber und einfach er spielt. Du musst mal mit ihm musizieren. Überhaupt ist so viel mehr Licht in unserem Haus als früher, so viel mehr Leben und Fröhlichkeit. Und ich bin dem Schicksal so unendlich dankbar, dass ich jetzt so vieles wieder gut machen kann, was ich früher den Eltern an Schmerzen bereitet hab. Ich hatte oft ganz furchtbare Angst vor der Zeit, wo das vielleicht einmal zu spät sein könnte. Und so oft hatte ich das Gefühl, Mutti ganze Königreiche zu Füssen legen zu müssen, weil sie ein Mensch ist, dem das Leben immer eine etwas zu schwere Last ist. Und dann dachte ich: später, wenn etwas aus mir geworden ist, dann komme ich wieder und dann hab ich keine Widerhaken mehr und kann sie nach Herzenslust verwöhnen. Und nun – plötzlich ist das alles in meine Hände gelegt und ich kann sie glücklich machen. Und so werd ich immer mehr beschenkt! Und wenn es auch oft schmerzlich ist, dass ich nicht bei Dir sein kann, so bin ich doch dankbar für diese Zeit, eben aus diesem Grunde.

Gerad ist Edith nach haus gekommen. Da muss ich Schluss machen, denn sie will auch schlafen; und sie ist wieder zu mir heruntergezogen, weil wir dann manchmal noch ein kleinwenig vor dem Einschlafen klönen können.

Gute Nacht, Liebster. Jetzt sind’s nur noch 2 Tage und dann bin ich wieder bei Dir! Ich freue mich schrecklich darauf. Li

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig) Donnerstag mittag (18.3.1937?)

Liebe gute Elisabeth!

Es ist schön, dass Du mir soviel schreibst; so bin ich eigentlich immer bei Dir und nehme teil an dem, was Dir begegnet.

Aus den vielen Papieren siehst Du, dass ich inzwischen auf dem Standesamt gewesen bin. Der Beamte, der offenbar auf wenig Arbeit gerechnet hatte, war über die Störung durch mich sichtlich gereizt. Beim Vorweisen Deines Formulares betonte er sogleich: »Formulare aus Berlin kommen für uns überhaupt nicht in Frage.« Auf gutes Zureden fertigte er aber dann ein sächsisches Formular aus, das hoffentlich die gleichen Dienste tut. Nach seiner Ansicht brauchst Du auch noch mein Geburtszeugnis und die Heiratsurkunde meiner Eltern. Beide schicke ich daher ebenfalls mit, hoffentlich hast Du nun keine Schwierigkeiten mehr.

Mein Aufsatz ist fertig und wird augenblicklich mit der Maschine geschrieben; ich kann ihn Dir also übermorgen zeigen. – Wann kommst Du eigentlich? Schreib mir doch, wann ich Dich abholen kann. (Möglichst bald!)

Die Hauptprobe zur Matthäus-Passion ist am Donnerstag Abend. Ich hab zwei Plätze für uns bestellt und freu mich drauf, auch diese ernsteste Seite der Kunst mit Dir teilen zu dürfen.

Den Fliederstock aus München hab ich inzwischen im Garten eingepflanzt. (…) Auf dem grossen Beet blühen jetzt ein paar Leberblümchen und Himmelschlüsselchen. Von den kleinen blauen, die auch in Euerm Garten wachsen, gibt es schon eine rechte Menge, nur die Krokusse sind noch etwas im Rückstand. Es hat etwas beruhigendes und beglückendes, der Natur Tag für Tag zuzusehen, wie sie sich mit neuem Leben langsam hervorwagt und ein altes hässliches Durcheinander wie von selbst in etwas geordnetes Lebendiges verwandelt.

Doch nun soll der Brief eingeschrieben zur Post. Also auf Wiedersehn, zum Glück in weniger als 48 Stunden! Dein Werner.

ELISABETH AN WERNER

Donnerstag, den 18.3.37

Liebster – heute bekommst Du nur einen ganz kleinen Brief, denn ich bin so müde, dass ich garnicht mehr denken kann. (…)

Ich freue mich so sehr, dass Du mit dem Aufsatz so schnell fertig geworden bist! Du musst ja mächtig fleissig gewesen sein! Und, weisst Du, Liebster, ich bin sehr froh, dass Du diese Arbeit hattest; dann gehen die Tage viel schneller und reibunsgloser vorbei. Das ist schon gut so. Wenn Du im Sommer die Physik etwas zu kurz kommen lassen willst, Liebster – das wäre für mich natürlich so ein bisschen wie im Paradies. Und Du kannst ganz sicher sein, dass ich nie traurig sein werde später, wenn Du auch lange Zeit nur für die Physik da bist. Sie braucht Dich ja auch – das weiss ich. Und ich kann gut allein sein, wenn ich weiss, dass Du mich lieb hast.

Schau, jetzt kann ich schon ganz einfach sagen »übermorgen« bin ich wieder bei Dir! Li

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig) Donnerstag abend (1.4.1937?)

Meine liebe gute Li!

Es ist schön, dass ich nach den verschiedenen Verrichtungen des Tages wieder zu Dir kommen kann und Dir erzählen und mit Dir beraten. Äusserlich ist wenig seit meiner Heimkehr vorgefallen; aber ich hab Dir in erster Linie zu berichten, was der Arzt über mein armes leibliches Ich herausgebracht hat. Dies sei im Grossen und Ganzen völlig in Ordnung, an den wesentlichen Organen fehle nichts; aber das Drüsensystem ist seit der Erkrankung vor fünf Jahren noch nicht ganz wiederhergestellt. Die Leber funktioniert nicht ganz korrekt, auch die Bauchspeicheldrüse scheint manchmal ein wenig zu streiken und als Folge davon ist die Anzahl der roten Blutkörperchen nur 84 % von dem, was sie anstandhalber sein sollte. Dies ist die Ursache meiner häufigen Verkaterung. Der Arzt meint, ich solle noch ganz genau nachschauen lassen, was eigentlich dabei los sei; zu diesem Zweck muss ich jetzt drei Tage lang ein ausserordentlich langweiliges Normalessen vertilgen, und dann soll durch Blutuntersuchung u.s.w. festgestellt werden, bis zu welchem Grad dieser Defekt geht. Jedenfalls sei die Sache keineswegs schlimm, von einer Heiratsbehinderung könne keine Rede sein. Aber es könnte sein, dass ich lange Zeit nach sehr bestimmten Diätvorschriften leben müsste, damit alles wieder in Ordnung käme. Meine persönliche Meinung ist ausserdem die, dass, wenn es mir seelisch richtig gut geht, was in vier Wochen der Fall sein wird, auch die langweiligen Drüsen die veränderte Situation kapieren werden. Die nächste Untersuchung wird übrigens Montag früh sein.

Aber wie geht es Deinem Knie? Schreib mir doch bald, was andere Ärzte dazu sagen. – Übrigens kann ich leider aus den genannten Gründen bis zum Sonntag abend nicht von Leipzig weg. Dass ich es schön fände, wenn Du herkämst, weisst Du. Wenn es aber für Dich besser ist, in Berlin zu bleiben, dann bleib ruhig, wir sehen uns ja am Freitag nachmittag spätestens wieder.

Über die Tage in Berlin war ich froh, am meisten über unsere Spaziergänge. Dieses Leben draussen muss später in unserem gemeinsamen Programm einen grossen Raum einnehmen.

Nun schau, dass es Deinem Knie bald wieder gut geht und sei vergnügt! Dein Werner.

ELISABETH AN WERNER

1. April 37

Lieber Werner – wie ist es Dir heute ergangen? Was hat wohl der Arzt gesagt? Ich bin mit allen Gedanken bei Dir und kann mich garnicht an diesen Zustand gewöhnen, nicht wirklich in Deiner Nähe zu sein. Und nun wollen sie mich auch nicht einmal zu Dir lassen am Sonnabend! Dazu hat man mir heute mein Bein in einen grossen Streckverband gelegt und mir äusserste Ruhe anempfohlen, sodass alle Chancen, doch noch zu Dir zu kommen, verloren sind. –

Nun will ich Dir erst einmal genau berichten, was man heute herausgekriegt hat. Gocht selbst war verreist, kommt erst in der nächsten Woche zurück. Sein Assistent hat mich eingehend untersucht und hat mich dann röntgen lassen. Das Ergebnis ist heute noch nicht da. Er meinte, es spräche viel dafür, dass der Meniskus einen Riss hätte (…).

Und nun hat man mein Bein ganz dick verpackt und ich schleiche umher wie eine alte Frau. Man will damit erreichen, dass der Bluterguss, der noch im Gelenk sitzen soll, verschwindet. In 8 Tagen soll ich wiederkommen. Dann werde ich Gocht persönlich vorgestellt. Es sieht alles nicht sehr rosig aus. Nun – viel kann uns die Geschichte ja nicht anhaben und vielleicht hilft sich die Natur doch ganz alleine, und es wird alles viel schneller heil, als die ganzen Ärzte meinen, die einen so leicht und oft auch gern viel kränker machen, als man eigentlich ist. Drum gräm Dich nicht, wenn man Dir auch etwas angehängt hat. Das wird sicherlich besser, wenn wir erst verheiratet sind, gelt Liebster?

Heute früh habe ich eine ganz amüsante und sehr seltsame Arbeit unternommen. Ich habe nämlich auf dem Speicher ein grosses Paket stehen, das vollgestopft ist mit alten Briefen, Tagebüchern, Schulheften und ähnlichem Zeug. Darüber hab ich mich mal hergemacht, denn man kann das ja doch nicht alles aufbewahren. An den Tagebüchern bin ich lange hängen geblieben und ganz Vergessenes ist plötzlich wieder wach geworden. Aber es ist seltsam, wenn das einen so ganz fremd anschaut, was man damals mit einem solchen Eifer und solcher Inbrunst gelebt hat. Und fast unheimlich war es mir, so, als ob man auf einen Friedhof kommt, auf dem lauter Menschen begraben liegen, die man gekannt hat, die mit einem verknüpft waren, und man doch froh ist, dass diese Zeiten vorüber sind. Ich habe auch all diese Hefte ins Feuer geworfen. Es war ja doch alles nur Tasten und Suchen; das eigentliche Leben beginnt ja jetzt erst. (…)

Gute Nacht, Liebster. Ich möchte jetzt bei Dir sein! Li

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig) Freitag abend (2.4.1937?)

Liebe kleine Li!

Wie gut, dass Du mir so ausführlich geschrieben hast! Aber Dein Brief macht mich doch etwas besorgt, was soll nun eigentlich mit Deinem Kniegelenk weiter werden? Schreib mir doch bitte gleich, wenn Du das Ergebnis der Röntgenaufnahme weisst. Und wie lange soll Dein Bein geschient bleiben? Kannst Du dann überhaupt zu Werner M’s Polterabend und zu Hermanns Hochzeit kommen? (…) Wenn unbedingt der Meniskus heraus müsste – und eigentlich bin ich sehr traurig, wenn ein Arzt da an Dir herumoperieren soll –, so wäre es doch am besten, es würde im Sommer in den zwei Monaten geschehen, in denen wir doch nicht beisammen sein können. Die Hochzeit möchte ich eigentlich auf keinen Fall so lange verschieben, es sei denn, dass Du es selbst willst.

Mir selbst geht es heute nicht besonders gut, wohl hauptsächlich, weil ich über das Ergebnis der Untersuchung gestern unzufrieden war und insbesondere als Folge davon acht Tage warten muss, bis ich Dich wieder sehen kann. (…)

Meine Vorbereitungen auf die Semesterarbeit gehen langsam. Es geht mir so, wie mirs immer gegangen ist: ich kann auf einmal immer nur eine Sache richtig und mit voller Freude tun. Und da ich jetzt mit Dir zusammensein und Dich heiraten will, wird aus anderer Arbeit nichts, was aber auch garnicht wichtig ist.

Schreib mir bitte über das Ergebnis der Röntgenaufnahme. – In Gedanken bin ich seit unserem letzten Zusammensein mehr bei Dir als je bisher; irgendwie beziehe ich doch schon alles was ich tue darauf, dass es für Dich sein soll. Dein Werner.

ELISABETH AN WERNER

Freitag nach Mitternacht (Sonnabend), 3.4.37

Mein Lieb – heute war Klassentag! Das hättest Du nur erleben sollen! Um 6 Uhr sind sie schon gekommen und eben vor 5 Minuten sind sie erst gegangen; alles, bis auf den letzten Krümel ist aufgegessen, alles redet zur gleichen Zeit und möglichst laut, unverblümt und ohne Sentimentalität sagt jeder, was er denkt und die herrlichsten Geschichten werden ausgegraben! Es war ganz so, wie es immer früher war; man merkt es garnicht, dass jeder jetzt seinen eigenen Kreis gefunden hat, so lebendig ist noch das Band zwischen uns. Einen Moment musste ich mich eben doch erst besinnen, um zu verstehen, dass ich nicht 5 Jahre weiter zurück bin, dass man in der Zwischenzeit ganz erwachsen geworden ist. Es war wirklich unglaublich nett; und die Mädels sind alle ganz feine Kerle geworden, jeder in seiner Art etwas Tüchtiges.

Ich bin so froh gewesen über Deinen Brief heute. Weisst Du, dass die Organe nicht wirklich krank sind, das ist die Hauptsache. Alles andere wird sicher viel besser später. Da hab ich garkeine Sorgen. Liebster, wir werden’s ja so gut haben!

Dann werden wir uns dies Wochenende also nicht sehen! Komm nur dann wenigstens am Freitag schon in der Früh wenn möglich, damit wir auch noch etwas Ruhe haben, ja?

Ich hatte heute übrigens eine sehr unerfreuliche Unterredung (über Zeit der Trauung u.s.w.) mit Papa. Lieb, ich kann wirklich nichts machen, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Alle wollen so wie wir, Mutti, Edith – aber wenn es nur heisst bei allem, was man sagt: »Das sind keine Argumente«, dann kann man eben nicht miteinander reden. Ich fürchte, wir müssen uns fügen. Und ich wär froh, Du siehst ein, dass wir’s um Muttis Willen ruhig tun müssen, denn sie leidet sehr darunter, dass es diese Unstimmigkeiten sogar jetzt noch gibt und würde so gerne alles drum geben, um es uns so recht und schön zu machen wie nur möglich. Sie empfindet jetzt so besonders schwer, wie gross der Riss ist zwischen Papa und uns; und da sie zu Papa gehört und auch zu ihm hält uns gegenüber, so fühlt sie so sehr, wie sie selbst uns schon verloren hat und immer mehr verliert. Und damit quält sie sich ganz furchtbar. –

Jetzt bin ich aber so müde, dass ich schlafen muss. Gute Nacht, Liebster. Li

Guten morgen! Was ist das für ein Tag heute! Die Vögel jubilieren, die ganze Luft ist von Sonne erfüllt und der Wind duftet süss und kräftig! Liebster, es wird Frühling!!

ELISABETH AN WERNER

Sonnabend abend, 3.4.37

Mein Lieb – Edith will so schrecklich gerne, dass ich mit ihr zusammen den neuen farbigen Film anschaue. Drum wird der Brief nur kurz. Eigentlich sollte der ganze Abend Dir gehören, so viel könnt ich Dir erzählen. Aber alle haben mich so gebeten mitzugehen.

Warst Du sehr erstaunt über den Eilbrief, in dem doch garnichts Eiliges drin stand? Mir war’s solch ein scheusslicher Gedanke, dass Du sonst heute keinen Brief von mir bekommen hättest, kein einziges Wort. Da wusste ich mir keinen bessseren Rat. Lieb, ich kann das Ergebnis der Untersuchung garnicht so schlimm finden. Ich bin so sicher, dass es später alles besser funktionieren wird als in dieser unnatürlichen Zeit jetzt. Und mach Dir auch nicht solche Sorgen um mein Knie. (…) Auf den Polterabend und die Hochzeit komme ich ganz sicher. Ich geh dann halt mal ohne Verband und bin recht vorsichtig. Das wird schon gehen. So wird alles ganz gut werden.

Ich war heute sehr fleissig und habe endlose Mengen von Dankesbriefen geschrieben. Bin sehr stolz darauf!

Lieb, ich bin so froh und glücklich über uns. Sei auch vergnügt und denke immer daran, dass heute in 4 Wochen wir schon ganz einander angehören und kein Mensch mehr uns trennen kann. Ich hab Dich ja so schrecklich lieb. Deine Li.

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig) Sonntag abend (4.4.1937?)

Liebe kleine Li!

Gestern abend fing ich schon an, ganz traurig zu werden, weil ich nichts von Dir gehört hatte, da kam doch noch Dein Eilbrief, eben wie ich anfing Klavier zu üben. Und heute früh kam noch ein Brief, hab herzlichen Dank für alles, ich bin so froh, wenn Du an mich schreibst. Es ist gut, dass Du Dir um unsere Gesundheit weniger Sorgen machst, als ich in den letzten Tagen. Schone nur Dein Knie so gut es geht, vielleicht wird dann doch alles von selber gut. (…)

Euer Klassennachmittag muss ja sehr fidel gewesen sein, ich konnte mir nach Deinem Brief einen so anschaulichen Begriff von der durcheinander sprechenden Mädelschar machen.

Über das Gespräch mit Deinem Vater sei nicht zu traurig, wir sehen ja jetzt beide ein, dass an der eigentlichen Hochzeitsfeier nicht mehr viel zu retten ist; sie wird eben durch das Wirtshaus ungemütlich, durch den Frack steif und durch zu viele Leute ermüdend sein, aber wenn sie spät ist, werden wir umso kürzer daran teil nehmen und danach werden wir es uns so schön machen, wie wir das verstehen, ganz allein mit dem Wald und den Sternen und dem See, und mit dem festen Vorsatz, unser gemeinsames Leben mit einem Inhalt, der der äusseren Form nicht bedarf, aufzubauen. Auch bin ich garnicht wirklich böse auf diese Formen, die in früheren Zeiten ein richtiger Ausdruck für das Leben waren, das die Besten führten. Wenn wir uns ihnen jetzt unterordnen, so erzeigen wir unseren Respekt vor dieser freilich vergangenen Welt in der Hoffnung, dass wir mitbauen können an einer neuen Welt, die wieder ebenso in Ordnung ist wie die frühere. –

(…) Sei vergnügt, ich bin mit Gedanken so viel bei Dir.

Dein Werner.

ELISABETH AN WERNER

Sonntag, 4. April 37 mittags

Mein Lieb – was tust Du heute am Sonntag? Arbeitest Du den ganzen Tag? Machst Du Musik? Das wär schön! (…) Morgen beginnen die Vorlesungen! Über was liest Du eigentlich? Mach’s nur recht gut, sonst denken alle: »Es bekommt ihm wohl doch nicht gut, eine Frau zu bekommen!« das dürfen sie doch nicht!

Schreib nur recht genau, was der Arzt noch sagt zu Dir bei der zweiten Untersuchung. Hoffentlich ist das Ergebnis besser als es zuerst schien!

Ich bin heute eigentlich nicht sehr vergnügt. Aber dass der Sonntag ohne Dich etwas trübe werden würde, das hab’ ich ja eigentlich schon gewusst. Weisst Du, es fällt mir nicht ganz leicht, hier zu haus zu sein. Papa ist mit allem so unzufrieden. Sie verstehen es nicht mehr, dem Schicksal dankbar zu sein, die Armen! Sie sind wie in einem Gefängnis, das sie sich selbst gebaut haben.

Aber dass ich heute nicht recht zufrieden bin, liegt vor allem wohl daran, dass mir das Schienen meines Knies so schlecht bekommen ist. Der Fuss ist ganz dick angeschwollen durch die Stauungen und das Knie ist ganz ungelenk geworden. Die Ärzte bringen es doch immer zustande, einen wirklich krank zu machen! Ich traue ihnen allen nicht mehr so recht. Ich hab jetzt die Schiene abgenommen und hoffe, ich kann schon Dienstag zu Gocht gehen, damit endlich mit der richtigen Behandlung angefangen wird. Aber alles drum und dran ist so abscheulich. Plötzlich wird man als Kranker behandelt und ist Gegenstand des lebhhaftesten Bedauerns, was ich einfach nicht ausstehen kann. Dann darf ich nichts mehr tun, erhalte überall weise Ratschläge und muss ständig auf dem Sofa liegen – ach Du – es ist einfach um aus der Haut zu fahren! Ich glaube, ich bin auch nicht sehr liebenswürdig zur Zeit.

Gestern abend der Film war einfach empörend. Die Farben zu sehen, war ja ganz interessant, zum Teil sogar recht schön, aber meiner Ansicht nach ist das Problem noch in keiner Weise wirklich gelöst. Die Farben sind viel zu grell und man kann auch in der Farbenphotographie noch nicht verschiedene Distanzen mit der gleichen Schärfe aufnehmen, sodass nur das Hauptthema des Bildes scharf und klar erkennbar ist und alle anderen Konturen und Farben sich verzerren. Auch müssen die Leute noch unendlich viel Diskretion lernen, um mit diesen immer vollkommeneren technischen Möglichkeiten noch etwas wirklich Künstlerisches, Schönes und Gutes zustande zu bringen. Dieser Film war in einem solchen Grad abscheulich, dass sich mir einfach das Herz umdrehte. Es packt mich immer eine solche Wut, wenn ich sehe, mit welchem Zeug sich die Menschen ihre Phantasie erfüllen. Und ich fürchte, die Leute werden es nicht kapieren, dass sie jetzt mit ihren Filmen eine noch grössere Verantwortung haben, denn ein solch farbiger Film wirkt noch in einem viel höheren Maße erregend und betörend. (…)

Gute Nacht, Werner! Ich freue mich so schrecklich auf die Zeit in 4 Wochen, Liebster! (…) Deine Li.

WERNER AN ELISABETH

(Leipzig) Montag abend (5.4.1937?)

Meine liebe Li!

Es tut mir schrecklich leid, dass Du mit Deinem Knie so viel Ungelegenheit hast; Dein Brief klingt ganz unglücklich und es ist mir so wichtig, dass es Dir gut geht. Der Assistenzarzt von Gocht scheint ja ein grosses Kamel zu sein. (…) Bei mir studiert der Arzt auch noch herum, aber weiss auch noch nicht genau, was los ist. Heute früh hat er eine Blutuntersuchung gemacht, dann heut mittag festgestellt, sie passe nicht zu dem, was er sonst gefunden hätte, dann musste ich riesige Mengen Traubenzucker verschlingen und morgen will er wieder die Blutzusammensetzung studieren; er scheint mich mehr als chemisches Laboratorium zu betrachten. Mir fällt dabei oft der Arzt aus Pfitzners Christelflein ein, der in der ganzen Oper immer nur einen Satz häufig wiederholen muss: »Das ist mir ja vollkommen schleierhaft.« Aber irgendwas wird ja schliesslich herauskommen.

Doch nun zu dem erfreulicheren, nämlich zu den Vorbereitungen für den 29. April. Den Taufschein hab ich leider nicht auffinden können, dafür aber durch Mama festgestellt, dass die Taufe am 28.12.1901 (oder vielleicht einen Tag früher oder später) stattgefunden hat; (…).

Nun gute Nacht und sei nicht traurig. Dein Werner.

ELISABETH AN WERNER

Sonntag abend, ganz spät im Bett (4.4.1937)

Werner, eben als ich deinen Brief zum Kasten trug, war’s so schön, dass ich wieder ganz fröhlich geworden bin. Es regnete, aber es war ein herrlicher Regen, so fruchtbar, warm und mildtätig. Es war ein feiner Sprühregen, der aber ganz tief in alle Kleider eindrang und sicher auch ebenso in die Erde und die ganze Luft hatte er erfüllt, dass er wie ein Nebel unter den Laternen hing. Und es duftete nach feuchter Erde und vermodertem Laub – Du, ich wäre gern mit Dir durch diesen Regen gegangen! Der erste Frühlingsregen in diesem Jahr! Als ich nach haus kam, hab ich mich ans Klavier gesetzt und hab gesungen. Nun ist alles wieder gut, alles ist wieder lebendig. Mein Lieb!

ELISABETH AN WERNER

Montag abend (5.4.1937)

Heute hab ich den Tag mit einem Brief von Dir angefangen. Mutti brachte ihn mir herauf, weil ich sehr faul war. Ich war so froh darüber! Und es hilft mir wirklich viel, alles richtiger zu machen hier zu haus, ganz besonders den Eltern gegenüber. Danke Dir, Lieb!

Heute habe ich den ganzen Vormittag gekocht!! Mit weisser Schürze und einem Kochlöffel in der Hand hab ich ganz köstliche Dinge fabriziert. Du kannst Dich freuen! Wenn Du allerdings nur so erzlangweiliges Zeug essen darfst – na, daran soll unser Glück nicht scheitern! Morgen werd ich ja wohl erfahren, was der Arzt zu Dir meint. Gräm Dich nicht, wenn’s nicht so ist, wie Du hoffst. Es wird schon alles gut werden, ich weiss es so genau. Auch über mein Knie kann ich nie sehr lange traurig sein. Immer wieder weiss ich doch, dass es alles irgendwie zurecht kommt und garnicht mehr schlimm ist, wenn wir erst zusammen sind. Dann erscheint mir das Leben überhaupt so unendlich viel leichter zu entwirren, alles ist dann so einfach und alle Quellen, aus denen das Leben sich speist, können sich auftun. Mich überfällt jetzt manchmal solch eine Glückseligkeit. Mein Lieb! Sei auch etwas froh! Und hör manchmal den Vögeln zu; sie singen in diesem Frühling besonders schön. Es ist oft ein Jubilieren, dass die ganze Luft damit erfüllt ist. –

Jetzt muss ich noch unser Lied für Hermanns Hochzeit üben. Ob Du auch Musik machst heute abend? Ich denke so viel an Dich, Liebster. Deine Li

ELISABETH AN WERNER

6. April 37

Mein Lieb – ist heute der Doktor zu einem Ergebnis gekommen? Ich bin sehr gespannt; dass er sehr Vertrauen einflössend ist, kann ich mir kaum denken! Hoffentlich wird bei Dir alles ebenso gut wie bei mir! Also höre: heute war ich bei Gocht. Er sah sich mein Knie nur ganz schnell an und sagte: »na, dass das weh tut, ist doch gar kein Wunder! Ein grosser Bluterguss ist darin und nun ist das ganze Knie voll Wasser. Sie müssen die Schiene eben doch tragen. Wir wickeln es etwas anders, damit der Fuss nicht wieder dick wird.« Vom Meniskus also keine Spur. Lieb, ist das nicht herrlich! Dann fragte ich, wie lange ich die Schiene tragen müsste. »6 Wochen!« war die Antwort. Ich bekam einen mächtigen Schreck und sagte: »Also lieber Herr Professor, ich bin bereit, 3 Wochen lang 4 Schienen zu tragen, mich 14 Tage auch ins Bett zu legen, wenn’s nötig sein sollte, aber 6 Wochen – das ist unmöglich!« Meine Vehemenz erweichte ihn und er meinte, es genüge vielleicht später, wenn’s nur bandagiert sei. Und das macht ja nichts! Ich find das ein ganz grossartiges Ergebnis. Alle Sorgen sind plötzlich wie weggeblasen! Ich bin so froh. Ein Bluterguss ist keine schlimme Sache. Du glaubst nicht, wie lustig ich wieder bin.

Liebster, sei nicht bös, dass ich am Sonntag solch einen traurigen oder unzufriedenen Brief geschrieben habe. Weisst Du, – schon früher war es auch immer so – man braucht hier zu hause unglaublich viel eigene Kraft, dann kann man die Dumpfheit übertönen (…). Ich