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Evelyn Grill

Wilma

Roman

Residenz Verlag

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www.residenzverlag.at

© 2007 Residenz Verlag
im Niederösterreichischen Pressehaus
Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
St. Pölten – Salzburg – Wien

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.
Keine unerlaubte Vervielfältigung!

ISBN ePub:
978-3-7017-4382-7

ISBN Printausgabe:
978-3-7017-1482-7

Inhalt

Wilma

Agnes

Totengedenken

Kilian

Nächte

Das Hotel

Begräbnis

Platzkonzert

Lötsch

Im Salettl

Im Totengräberhaus

Die Matratzen-Ev

Der Morgen

Wilma kehrt heim

Lötsch wird begraben

Der Künstler

Ein Spaziergang

Agnes hat einen Verdacht

Erster Schnee

Der Eingriff

Silvester

Im neuen Jahr

Fasching

In Not

Die Beisetzung

Im Regen

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Wilma

Ihrem nackten Körper begegnet Wilma im wandhohen Spiegel des Schlafzimmers. Sie klatscht auf die Brüste, knetet die massigen Schenkel, streicht über die Hüften, hüpft mit ihren Fingern über den Bauch, kerbt die Fingernägel ins Fleisch, läßt los und beugt sich über die halbmondigen Zeichnungen, kratzt um den Nabel herum, der faltig nach außen gestülpt ist, und bläst schnaubend über die Härchen auf ihren Armen.

Später zieht sie sich an. Ob Sommer oder Winter, immer trägt sie mehrere Unterhosen, Baumwolleibchen, Unterröcke, Blusen und Überröcke.

Sie ist allein und setzt sich in den Lehnsessel im Wohnzimmer. Sie hört vertraute Geräusche, Schritte auf der Holztreppe. Gleich wird sich die Tür öffnen und Agnes wird hereinkommen.

Die Frau ruft Wilma beim Namen und Wilma rührt sich, reckt sich wie eine Henne mit aufgeplusterten Federn, duckt sich wieder, legt den Kopf schief, stemmt sich schließlich aus dem Sitz hoch und schiebt auf sie zu wie Geröll.

Agnes schaut auf und blickt in Wilmas schläfrige Augen. »Wilma«, sagt sie, »Wilma, ich bin da.« Sie hebt die Hände mit den geschlossenen Töpfen dem Mädchen entgegen. »Ich habe etwas zum Essen mitgebracht.« Wilmas Kopf beginnt auf dem kurzen Hals zu zittern.

Wilma macht nach dem Essen ihren Spaziergang. Als sie auf die Gasse tritt, schlägt ihr die Julihitze entgegen. Unter den zahlreichen Stoffschichten erwärmt sich ihr Körper. Wilmas Weg führt an der Bäckerei vorbei. In der Auslage locken mehlbestäubte Brotlaibe, honigfarbenes Kleingebäck und mit Zucker glasierte Kipfeln. Sie preßt ihre Stirn an die Fensterscheibe. Wotan, der schwarze Schäferrüde des Bäckers, schießt auf sie zu und stößt ihr seine Schnauze unter die Röcke. Wilmas Aufheulen schrillt den Besitzer herbei, der den Hund zurückpfeift. Sie kreuzt die Arme über der Brust und haspelt rasch an dem Mann und dem Hund, der sich nun winselnd an die Waden seines Herrn drückt, vorbei. Lötsch summt leise und nachdenklich hinter dem Mädchen her. Außer Atem erreicht sie den Marktplatz. Nun glüht sie vor Hitze, und die Nähte der Kleidungsstücke brennen wie spitze Flämmchen auf ihrer Haut. Ihre dicken Beine spreizen sich. Über den Dorfplatz wälzt sie ihren Körper wie ein Faß.

Unter den steil ansteigenden Stufen steht eine Bank in einem kühlen Winkel. Dort rastet sie eine kleine Weile. Als sie sich wieder erhebt, lastet ihr Schatten auf den Steintreppen. Rasch zieht sie sich am eisernen Geländer hoch und ruckt ihrem Schatten nach. Auf dem Plateau, von dem die Stufen nach oben in einer spitzen Kehre führen, holt sie ihn ein. Heiter stampft sie auf ihm herum. Sie steigt weiter hinauf. Ihr Schatten hat sich nun an ihre Fersen geheftet. Oben angelangt, dreht sie sich um und sieht, daß er sich wie eine Zunge nach unten streckt. Es freut sie, die Schwärze überholt zu haben.

Auf dem schmalen Weg schleift Wilma an den Häusern entlang. Sie hört ihre Röcke an den Mauern rascheln. Die Bank vor der mit wildem Wein überwachsenen Felswand ist Wilmas letzter Rastplatz vor dem Friedhof. Zwei Frauen aus dem Dorf erheben sich sofort, als sie gewahr werden, daß das Mädchen auf sie zukommt. Wilma breitet sich auf der freigewordenen Bank aus. Zuvor schüttelt sie sich im Stehen in ihren Kleidern und glättet sie. Dann sitzt sie und stiert mit gesenktem Kopf auf ihre Klothschürze. Bald ziehen und zerren ihre Hände an den Röcken. Immer wieder sucht sie den blaugetupften Kittel zu fälteln, glattzustreichen, zu spreiten, dann wieder an sich zu raffen. Später zieht sie ihn bis an die Brust herauf, lächelt und betrachtet den darunterliegenden buntgeblümten eine Weile. Dann blättert sie weiter. Ein lilafarbener kommt zum Vorschein, noch später ein spitzenbesetzter weißer. Sie kramt und knüllt in den Röcken, hört es knistern und rascheln und lacht in lauten Stößen. Als sie das Klacken von Schritten hört, kauert sie sich wieder zusammen, äugt den Bühel hinunter und wartet.

Justus hackt mit seinem Stock den Weg herauf. Keuchend schleppt er sich die Anhöhe hoch, ohne aufzuschauen. Wilma, die den Alten kennt, lacht ihm entgegen. Justus stockt, ruckt seinen Rücken gerade und stößt mit seiner Krücke in die Luft. Wilma rudert mit den Armen. Der Mann schüttelt den Kopf und humpelt dann an Wilma, die in sich hineinkichert, vorbei. Dann heftet sie die Blicke wieder auf ihre Schuhspitzen. Ihr Körper ist zusammengekrümmt. Sie schiebt die baumwollenen Strümpfe mit ihren Handflächen an den Waden auf und ab. Bald danach geht sie weiter. Sie hat die Kirche schon vor Augen. Wenige abgetretene Steinstufen führen sie direkt vor das Tor. Sie aber tritt auf den knirschenden Kies zwischen den Grabreihen. Den Friedhof umgibt ein steinerner Wall, der teilweise von Efeu überwuchert ist. Dahinter fällt der Fels steil ab. Wilma drückt sich an das Gemäuer, stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut eine Weile hinunter, wo sich in der Tiefe die schmale Straße zwischen Felsgestein und Seeufer in den Ort zwängt.

Auf den Gräbern blühen Rhododendren und Hortensien. Rosenstauden ranken sich an Holzkruzifixen empor. Plötzlich reißt Wilma eine der samtroten Blüten vom Strauch. Die Blätter fühlen sich feucht und kühl an, sie zerreibt sie zwischen ihren Handflächen und stopft sie sich in den Mund. Sie wälzt den Brei vom Gaumen in die Backen, speit schließlich das Bittere auf den Weg.

Wilma bemerkt zwei Grabhügel weiter den gekrümmten Rücken einer Frau, die Unkraut jätet. Obwohl der Friedhof beschattet ist, scheint das Gesicht der Frau wie von Hitze blaurot angelaufen. Das Mädchen tritt näher heran, bleibt stehen und schaut. Bald richtet sich die Frau auf, wendet sich ihm zu und verscheucht es mit einer barschen Silbe und einer Handbewegung.

Wilma flüchtet. Im oberen Teil des Friedhofs, der in Terrassen angelegt ist, weiß sie ihr Grab, das Grab der Großeltern. An diesem Platz hat sie etwas zu schaffen. Im Kittel sucht sie nach dem Wachslicht und den Streichhölzern. Beides legt sie auf die Betonumrandung des Grabes. Dann öffnet sie das Türchen der Laterne, die unterhalb der geschnitzten Christusfigur aufgehängt ist. Die ausgebrannte Hülle nimmt sie an sich, schiebt sie in den Kittelsack, stellt ein neues Licht hinein und versucht, es zu entzünden. Einmal löscht ein Lufthauch das brennende Streichholz aus, ein anderes Mal stößt sie an die schaukelnd aufgehängte Lampe, als sich das Flämmchen dem Docht nähert, und dabei verbrennt sie sich die Finger. Doch schließlich gelingt es ihr, und sie klatscht in die Hände, als sie das Licht im Glaszylinder zucken sieht.

Wenige Schritte hinter dem Grab duckt sich das Totengräberhaus mit den pelargoniengeschmückten Fensterbänken an den aufragenden Felsen. Längs des Totengräberhauses verläuft eine Bank, auf der Wilma Platz nimmt.

An der Umrandung eines Grabes macht sich eine Maus zu schaffen. Wilma beobachtet sie. Als das Tier nahe an sie heranhuscht, schiebt sie ihre Schuhspitzen zum kleinen Rüssel hin, der zwischen den Steinen nach Insekten sucht. Das Tier läßt sich nicht stören. Erst als Wilma mit dem Fuß aufstampft, huscht die Maus davon und verkriecht sich in einem neben dem Grabkreuz umgekippten Plastikkübel. Bevor das Tier weiterfliehen kann, greift Wilma in den Behälter, packt es und ballt es in ihrer Faust. Mit zurückgelegtem Kopf und geschlossenen Augen gibt sie sich dem pelzig warmen Gepoch, dem kralligen Kitzel ihres Fanges hin. Ein spitzer Schmerz reißt sie aus ihrer Lust. Erschrocken krampft sie die Faust. Als sie die Hand langsam wieder öffnet, gleicht das Tier einem zerknüllten Lappen. Aus der Schnauze sickert es rot und fadendünn.

Wilma hört Schritte, ein Hund hechelt heran, ein Schatten fällt auf sie. Lötsch beugt sich über Wilma. Sie hält sich mit einer Hand die Augen zu. Er greift nach dem toten Tier, das auf Wilmas Schoß geglitten ist, schnappt es zwischen Zeigefinger und Daumen am Schwanz und läßt es am gestreckten Arm baumeln, während Wotan zu Füßen seines Herrn lauert. Lötsch lacht, bevor er den Kadaver mit einer peitschenden Handbewegung wegschleudert. Der Hund setzt dem Wurf nach. Wilma wimmert, Lötsch fährt ihr mit seiner Hand ins Gesicht und preßt ihr seine Handfläche auf den Mund, bis sie still ist. Dann pfeift er seinen Hund heran und geht. Seine Schritte mahlen über den Kies.

Wilmas Gesicht brennt von den fremden Fingern. Sie reibt ihre Handflächen an den Wangen, bis sie sich gerötet haben, preßt blasige Speichelkügelchen in die gewölbten Hände und klopft sie sich an Stirn, Nase und Lider. Dann pendelt sie mit ihrem Oberkörper vor und zurück, vor und zurück. Sie schaukelt sich in ein wohliges Dämmern.

Später treffen sie Schreie wie Schläge. Eine Grabpflegerin, einen Rechen erhoben, steht vor ihr. Das Mädchen schrickt auf und hastet mit geducktem Kopf an der Frau vorbei. Auf ihrem Rükken hämmert das Geschelte der Alten, während sie auf den schmalen Wegen zwischen den Grabhügeln herumirrt, bis sie endlich den Ausgang findet und hinter der Kirche verschwindet.

Agnes

Agnes leidet an Schlaflosigkeit. Vor achtzehn Jahren ist ihr Mann bei einer Bergwanderung im Schneesturm umgekommen. Damals wurden ihr die Nächte zu Feinden. Alles, was sie glaubte, mit ihrem Mann versäumt zu haben, verfolgte und bedrückte sie, sobald sie sich schlafen legte. Lange wollte sie sich nicht damit abfinden, daß sie nun nichts mehr gut und nichts mehr schlecht machen konnte. Erst als sie Wilma, deren Mutter eines Tages auf und davon gegangen war – den Vater kannte niemand –, zu sich genommen und vor der Irrenanstalt bewahrt hatte, ließ sie davon ab, sich gegen das Unabänderliche aufzulehnen. Der Gram hörte auf zu bohren und verwandelte sich in ein wehmütiges, rosagefärbtes Erinnern. Doch ihr Schlaf blieb gestört.

Sie hört Wilmas Atem. Es ist das Netz, das sie, Agnes, vor dem Absturz bewahrt. Wenn Wilma in tiefen Schlaf gesunken ist, kriecht Agnes an sie heran, schiebt sich unter dem Federbett an ihren Leib heran und preßt ihren alten eckigen Körper an die prallen Rundungen.

Doch in den Morgenstunden, ehe Wilma erwacht, muß sich Agnes wieder davonmachen, denn das Mädchen mag es nicht, wenn man es berührt. Acht Jahre war Wilma alt, als sie zu Agnes kam. Das verstörte Kind, das die Gendarmerie verwahrlost aus der verlassenen Wohnung befreite, heulte auf und zuckte zusammen, als Agnes es in die Arme nehmen wollte. Es war ihr nicht gelungen, Wilma diese Marotte, wie sie es bei sich nannte, abzugewöhnen. Sie wagte auch nie, einen Arzt darüber zu befragen, aus Furcht, man könnte ihr das Kind wegnehmen. Sie ist so, wie sie ist, sagte sich Agnes und fand sich damit ab.

Im Morgengrauen versammeln sich die Amseln in den Zweigen des Birnbaumes vor ihrem Fenster und zetern. Agnes steht auf. Sie stolpert aus dem Bett und hin vor den großen Spiegel. In letzter Zeit wird sie oft von einem Schatten oder einer Bewegung genarrt, erschrocken dreht sie sich um. Aber es ist nur Wilma, die aus ihrem Polsterberg hervorschnaubt, um zu zeigen, daß sie wach ist.

Der Spuk ist weggewischt. Agnes schlüpft in die Filzpatschen, die sie das ganze Jahr über trägt, weil das Haus mit seinen Steinmauern auch im Sommer kühl bleibt. Außerdem liegt die Wohnung nordseitig. Es fröstelt sie immer noch, obwohl sie schon den Schlafrock um sich gewickelt hat. Sie erwärmt sich erst beim Frühstück. Wenn sie den Kaffee aufgießt, das weiß sie, kriecht Wilma aus dem Bett und setzt sich mit einem stummen Lachen an den Tisch, der am Fenster in der Küche steht.

Das Mädchen nickt erregt mit dem Kopf und erwartet, daß ihr Agnes den Kaffee einschenkt und die bestrichenen Brote reicht. Es schiebt das Gesicht an den Teller heran, stopft sich das Essen in den Mund und schlürft den Kaffee. Agnes freut sich, daß es Wilma schmeckt.

Einmal wurde der Briefträger, der ein Telegramm brachte, Zeuge des Frühstücks. Vor Grausen wandte er sich ab. So etwas gehöre nicht unter Menschen, sagte er zu Agnes, das gehöre in eine Anstalt, in eine geschlossene, wo es lauter solche gebe, wo sie nicht auffalle.

Agnes gab dem Mann reichlich Trinkgeld und verabschiedete ihn höflich.

Sie versucht seither, unauffällig zu leben. Ihr Tagesablauf dürfe nicht verändert werden. Wilma müsse ihren täglichen Spaziergang zum Friedhof genauso beibehalten wie sie selbst ihre Arbeit als Tellerwäscherin im Hotel. Nur wenn sie leise und angepaßt blieben, würde man sie beide in Ruhe leben lassen.

Wenn Agnes nach dem Frühstück aus dem Haus geht, um ihren Dienst in der Küche des Hotels anzutreten, kann sie sicher sein, daß sie beim Heimkommen keine Überraschungen erwarten. Wilma hat gelernt, das Frühstücksgeschirr abzuwaschen und wieder in der Kredenz zu verstauen. Sie fegt auch den Fußboden und gießt die Blumen auf der Fensterbank. Sie wäscht sich und zieht sich an, und wenn Agnes gegen Mittag zurückkommt, findet sie Wilma im Lehnsessel in der Stube.

Nach dem Mittagessen, das Agnes aus dem Hotel mitbringt, und über das Wilma mit Ungestüm herfällt wie über das Frühstück, macht das Mädchen seinen Spaziergang. Die Frau kann sich vor Erschöpfung fast nicht mehr auf den Beinen halten und streckt sich auf der Ottomane aus.

Agnes muß geschlafen haben, denn als sie hochschreckt, sind noch Gebärden eines Traumes um sie, und sie vernimmt das Gebimmel, das sie aufgeweckt hat: Blechern und hohl tönt es, das Totenglöckchen. Sie springt auf, streicht die Schürze glatt, überprüft den Sitz ihrer Frisur mit einer Handbewegung und tritt ans Fenster. Die Gasse liegt schon im Schatten. Vom Platz her dringt Geschrei, das sich in das dünne Geläute mengt. Eine Handvoll kreischender Kinder hüpft um Wilma, die sich mit hochgezogenen Schultern durch die Gasse schiebt, herum. Die Bengel zerren an ihren Röcken, die Schürze hat sich schon gelöst. Agnes sieht, daß Wilma sie an die Brust gepreßt hält. Die Horde versucht, sie gegen die Wand zu drängen. Die Kinder springen vor ihr hoch, fuchteln mit den Armen und strecken die Zungen heraus. Agnes rennt die Stiege hinunter, reißt das Haustor auf und stürzt auf die Quälgeister zu. Doch da sind die schon verschwunden.

Die Frau führt Wilma zurück ins Haus. Gerne hätte sie ihr den Arm um die Schultern gelegt. In der Wohnung wimmert das Mädchen eine kurze Weile und wiegt sich danach im Lehnsessel stundenlang mit leerem Lächeln. Auch Agnes beruhigt sich. Sie betrachtet Wilma und denkt: An ihr bleibt nichts hängen. Dann springt sie zum Küchentisch, reißt die Lade auf, greift sich einen Kochlöffel, den sie weitausschwingend auf einen blechernen Kübel niedersausen läßt: Einmal, zweimal, dreimal. Wilma zuckt zusammen, erstarrt, und erst als die Schläge im Raum zerscheppert sind, beginnt sie zu wimmern.

Dann ist es still. Agnes’ Tränen tropfen nach innen.

Einmal brachte der Pfarrer die betrunkene Wilma heim. Das muß vor zwei Jahren gewesen sein. Er läutete unten an der Haustür und rief ihr, Agnes, die sich aus dem Fenster beugte, zu, sie solle sich das Kind holen. Er hatte es ans Haustor gelehnt. Der Pfarrer erzählte ihr später, daß er ortsfremde Burschen überrascht habe, wie sie Wilma, die auf einer Bank saß, aus einer Flasche Wein zu trinken gaben. Als er dazugekommen sei, war Wilma allem Anschein nach schon betrunken.