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D i E T A G E S P R E S S E

„Vatikan
gesteht ein: Erde
vermutlich doch
keine Scheibe“

Die besten Tagespresse-Meldungen

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Hinweis

D i E T A G E S P R E S S E ist ein österreichisches Satiremagazin. Ausnahmslos alle Artikel sind frei erfunden. Im Regelfall werden nur Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, beim Namen genannt. Alle anderen Namen sind frei erfunden. Eventuelle Namensgleichheiten mit Privatpersonen sind rein zufällig.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

www.residenzverlag.at

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit Mai 2013 beglückt D i E T A G E S P R E S S E nun schon das Internet mit fundiert recherchiertem Qualitätsjournalismus über die österreichische Innenpolitik, internationale Ereignisse und gesellschaftliche Themen. Über sechs Millionen Menschen informierten sich seither in Österreichs seriösester Onlinezeitung. In dieser Zeit erreichten uns überwiegend positive Rückmeldungen.

Freilich gab es auch einige negative Kommentare von Menschen, denen jedes Verständnis für unseren schonungslosen Aufdecker-Journalismus fehlt. Rückmeldungen wie diese: „Was seits ihr für a fake blattl??!!“, „sooooo a scheiß!!“ oder „Was haben die Bilderberger für dieses Geschichtl bezahlt? Von was wollts denn wieder ablenken?“

Doch diese Reaktionen haben uns nie davon abgehalten, unser innerstes Bedürfnis, die Öffentlichkeit zu informieren, zu erfüllen. Und das ist der Grund, warum Sie heute dieses Buch mit den besten Artikeln aus dem zweiten Jahr unseres Bestehens in Händen halten.

Danke an dieser Stelle an Jürgen Marschal, der seit Juli 2014 an der T A G E S P R E S S E mitschreibt, sowie an Pascal und Charlotte für das Bewerten von Ideen für neue Geschichten und an meine Eltern für die Unterstützung. Und natürlich an unsere Leserinnen und Leser, welche die Artikel der T A G E S P R E S S E quer über das ganze Internet verbreiten.

Fritz Jergitsch

Herausgeber und Chefredakteur

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Foto: Catholic Church of England, Flickr, CC

Vatikan gesteht ein: Erde vermutlich doch keine Scheibe

Papst Franziskus setzt seinen Reformkurs offenbar unbeirrt fort: In einem Interview mit Radio Vatikan gestand er erstmals ein, dass die Erde vermutlich doch keine Scheibe ist.

„Inzwischen gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass die Kirche in dieser Frage nicht ganz richtig lag“, erklärte der Papst. Zwar müsse man noch laufende Untersuchungen abwarten, jedoch deuten bisherige Ergebnisse auf eine runde Form der Erde hin.

Diese Erkenntnis würde jedoch mehr Fragen aufwerfen, als sie beantwortet: „Wenn die Erde rund ist, wie kommt es dann, dass Menschen jenseits des Äquators nicht hinunterfallen?“ Auch gelte es zu klären, wo dann Himmel und Hölle zu lokalisieren sind, wenn nicht „oben und unten“.

Dass die Kirche ihre Meinung in anderen Bereichen ebenfalls ändert, schließt der Papst jedoch aus: „Diese anderen wissenschaftlichen Meinungen ergeben für mich keinen Sinn. Wenn die Erde tatsächlich nicht das Zentrum des Universums darstellt, wieso hätte Gott dann Adam und Eva auf genau diesem Planeten platziert?“ Die Bibel ließe hier keinen Raum für Interpretationen.

Um andersdenkende Wissenschaftler zur Einsicht zu bringen, werde man auch weiterhin juristisch gegen diese Personen vorgehen, etwa mit Kerkerstrafen: „Wir werden alles tun, um die Vernunft wiederherzustellen.“

Kommentar der Redaktion

Der neue Papst entpuppt sich als nicht ganz so konservativ wie befürchtet. Wenn es in dem Tempo weitergeht, könnte die Kirche bereits im Jahr 2500 im 21. Jahrhundert ankommen.

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Leserstimmen

Da fällt mir ein Witz aus TV total ein: „Der neue Papst ist so dermaßen konservativ, der Globus auf seinem Schreibtisch ist noch eine Scheibe!“

Rene

Ketzer! Wer wagt es, dem Papst solche Worte in den Mund zu legen? Eine Kugel? Pah! Natürlich ist die Erde rund, sie ist schließlich eine Scheibe! Man sollte diese Frevler vom Rand der Erde stoßen, falls sie nicht ihren Irrglauben zugeben sollten!

Stefan

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Foto: KCNA

Welt lauschte gespannt Nordkoreas traditioneller Neujahrsdrohung

Ein Fixtermin zu Jahresbeginn: Auch dieses Jahr lauschte die ganze Welt wieder gespannt Nordkoreas traditioneller Neujahrsdrohung. Unter der Leitung des Virtuosen Kim Jong-un verlautbarte die kommunistische Diktatur mit viel Taktgefühl auch heuer eine Symphonie aus hohlen Drohungen und absurden Forderungen. Hunderte Millionen Menschen weltweit verfolgten das Spektakel vor ihrem Fernseher.

Wie in den Vorjahren setzte das Regime wieder auf traditionelle Elemente. So wurde erneut mit der „erbarmungslosen“ Vernichtung des Nachbarlandes Südkorea gedroht. Liebhaber der nordkoreanischen Drohkultur durften sich auch an der traditionellen Ankündigung eines Erstschlags gegen die USA erfreuen.

„Kim Jong-un setzte das Erbe seines Vaters Kim Jong-il fort, verlieh der Drohung aber auch seine eigene, harmonische Note“, lobte die New York Times die Darbietung. „Kraftvoll, intensiv und angsteinflößend. Die diesjährige Neujahrsdrohung übertrifft die bisherigen“, stellte der britische Guardian fest.

Einig waren sich die Kritiker, dass die Neujahrsdrohung vom überraschenden Abgang von Kims Onkel Jang Song-thaek Anfang Dezember profitieren konnte: „Seit der Familienaufstellung wirkt Kim auf der Bühne gefestigter und selbstbewusster“, merkt die französische Le Monde in ihrer Kritik an.

Die gesamte Neujahrsdrohung erscheint demnächst auf DVD.

Kommentar der Redaktion

Jedes Land pflegt seine Traditionen: In Spanien wird gegen Stiere gekämpft, in Österreich wird Walzer getanzt, und in Nordkorea wird leidenschaftlich gerne gedroht.

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Leserstimme

Der hat wieder einmal sein Snickers nicht gegessen … oder auf seine tägliche Dosis Dulcolax vergessen.

Harald S.

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Foto: Thomas Doerfer, Wikipedia, CC (Montage)

Zu viele illegale Downloads: Nächstes Bond-Auto wird ein VW Golf

Von wegen Piraterie ist kein Diebstahl: Weil der letzte James-Bond-Film zu oft heruntergeladen wurde, musste die Produktionsfirma heute umfangreiche Budgetkürzungen bekanntgeben. Statt im schnittigen Aston Martin soll James Bond im nächsten Film daher in einem gebrauchten VW Golf auf Schurkenjagd gehen.

„Mit jedem heruntergeladenen Film entgehen uns wertvolle Einnahmen. Eine DVD kostet 15 Euro. Das bedeutet, dass uns jeder Download um 15 Euro ärmer macht“, rechnet ein Sprecher der Firma vor. Deshalb müsse bei den Dreharbeiten der Sparstift angesetzt werden.

„Vielleicht ist der VW Golf nicht ganz so glamourös – jedoch ist er ein zuverlässiges Fahrzeug, das James sicher von A nach B bringen wird“, entkräftet der Sprecher mögliche Einwände.

Wie jedes Bond-Auto verfügt auch der Golf, der um 3600 Euro auf eBay ersteigert wurde, über zahlreiche Gadgets: „Beschleunigt der Wagen auf 140 Stundenkilometer, so tritt Motoröl aus. Damit wird die Straße zu einer gefährlichen Rutschbahn für Verfolger.“ Außerdem ist das rechte Bremslicht kaputt: „Dadurch lassen sich Gegner irritieren“, heißt es weiter.

Dem Sprecher zufolge wird dies nicht die einzige Sparmaßnahme bleiben. Auch bei den Schauspielern will man sich etwas einschränken. So soll Christina „Mausi“ Lugner als Bond-Girl im Gespräch sein. Außerdem wird Bond seine Dienstreisen künftig mit Ryanair bestreiten und ausschließlich in Jugendherbergen nächtigen anstatt in teuren Strandresorts.

Kommentar der Redaktion

Wenn der kleine Thomas der Kathi ihren Buntstift wegnimmt, hat Kathi keinen Buntstift mehr. Für Rechtsexperten ist hier der Tatbestand des Diebstahls erfüllt. Fertigt Thomas von Kathis Buntstift eine exakte Kopie an, so handelt es sich hierbei ebenfalls um Diebstahl – jedenfalls dann, wenn man der Argumentationslogik der Filmindustrie folgt, die damit schon seit Jahren eine zielführende Debatte zum Thema Piraterie verhindert.

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Leserstimme

Noch viel mehr könnte man aber sparen, wenn man als Bond z. B. den Strasser nehmen würde. Der wäre momentan sicher günstig zu haben und hat schon jede Menge Erfahrung mit Geheimagenten und geheimen Operationen!

bertl

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Foto: Georg Hochmuth / APA / picturedesk.com

Überraschungscoup: Lugner präsentiert Kim Jong-un als Opernball-Stargast

Es ist der Überraschungscoup des Jahres: Richard Lugner präsentierte heute Kim Jong-un als seinen Opernball-Stargast 2014. Es dürfte damit die erste Auslandsreise des nordkoreanischen Diktators in seiner bisherigen Amtszeit anstehen.

„Ich bin selber überrascht“, gestand der Wiener Baumeister heute gegenüber Journalisten. Nachdem er in den Vorjahren hauptsächlich Hollywood-Diven wie etwa Paris Hilton zum Opernball lud, sollte es dieses Mal eine politische Persönlichkeit „von internationalem Format“ werden.

„Auf gut Glück beschloss ich daher, einen Brief an Herrn Kim zu senden. Ich erzählte ihm, dass Wien vor allem für seine Mehlspeisen berühmt ist, und schickte ein Rezept für Apfelstrudel mit“, erklärte Lugner. „Binnen weniger Tage erhielt ich seine Zusage.“

Lugner sieht Kims Besuch als große Chance für den Beginn eines nachhaltigen Friedensprozesses auf der koreanischen Halbinsel. Seit über sechzig Jahren bestehe der Konflikt schon: „Beide Seiten müssen jetzt aufeinander zugehen.“

Lugner stehe demnach als neutraler Friedensvermittler zur Verfügung: „Ich habe Erfahrung in der Politik. Ich weiß, worauf es ankommt.“

Doch erst wolle er Kim am Opernball näher kennenlernen: „Er freut sich schon sehr auf seinen Besuch in Wien. Er hat mir geschrieben, dass erst kürzlich sein Onkel auf tragische Weise verstorben ist und er etwas Ablenkung nötig hat.“

Kommentar der Redaktion

Wenige Tage später präsentierte Richard Lugner tatsächlich Kim als Opernballgast – allerdings Kim Kardashian. Kaum besser.

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Leserstimme

na super, und wenn da kim checkt, was da lugner für a depp is, ham ma glei an krieg a no.

Andrea Z.

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Foto: SPÖ Pressedienst, Flickr, CC (Montage)

Zum 125. Geburtstag: SPÖ bricht feierlich 125 Wahlversprechen

Anlässlich der morgigen Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag der SPÖ kündigte Werner Faymann heute bei einer Rede an, 125 Wahlversprechen feierlich brechen zu wollen. Damit soll die besondere Bedeutung des Festes unterstrichen werden. Unter den Wahlversprechen befänden sich unter anderem die Einführung der Gesamtschule, die Erhöhung des Kindergelds sowie die Millionärssteuer.

„Das Brechen von Wahlversprechen hat bei uns eine lange Tradition, die wir stets gepflegt und gefördert haben“, erklärte Faymann gegenüber Funktionären. „Seit 1889 ist die Sozialdemokratische Partei die einzige Partei, die mit Verlässlichkeit und Kontinuität vor der Wahl getätigte Ankündigungen nicht umsetzt. Und erst das, liebe Genossen und Genossinnen, hat uns zu der Partei gemacht, die wir heute sind.“

Auch bekannte sich Faymann erneut zur Weiterführung der Großen Koalition: „Denn erst die Zusammenarbeit mit der ÖVP ermöglicht es uns, so viele Wahlversprechen gemeinsam konstruktiv zu brechen und Stillstand aktiv zu leben.“

Faymann kündigte an, den bisherigen Kurs unbeirrt fortsetzen zu wollen: „Und ich weiß, einige wenige Kritiker in der Partei monieren, die SPÖ sei heute von ihrem Kurs abgekommen. Denen sage ich: Nur gemeinsam können wir es schaffen, jedes einzelne unserer Versprechen zu brechen.“ Das sei man den Bürgern schuldig.

Anschließend wurden alle 125 Wahlversprechen auf Tafeln geschrieben und unter dem Jubel der anwesenden Funktionäre mit einem Vorschlaghammer symbolisch zerschlagen.

Kommentar der Redaktion

Ein Artikel anlässlich des 125. Geburtstags der „Sozialdemokratischen“ Partei Österreichs. D i E T A G E S P R E S S E gratuliert sehr herzlich.

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Leserstimmen

Also ehrlich, ich seh da kein Problem, man kann sich doch 125 Mal versprechen.

Jack J.

ich dachte, das ist ein satiremagazin. und dann wird da einfach die wahrheit geschrieben. ich bin enttäuscht. ;-)

Michael

Auf die nächsten 125 … Hoppauf!!!!

Flora

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Foto: Martin Juen (Montage)

Jubiläum: Grasser und Staatsanwalt feiern fünf Jahre Ermittlungen

Ein ganz besonderes Jubiläum feierte die Staatsanwaltschaft dieser Tage: Vor genau fünf Jahren nahm sie Ermittlungen gegen den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser auf. Aus diesem Anlass lud der leitende Staatsanwalt zu einem Sektempfang.

„Lieber Karl-Heinz, mir kommt vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass die erste Anzeige gegen dich auf meinem Schreibtisch landete“, erklärte der Staatsanwalt, der mit Grasser bereits seit 2011 per Du verkehrt.

„Und doch sind bereits fünf Jahre ins Land gegangen, seit wir dein Vermächtnis bearbeiten“, setzte er seine Ansprache fort. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr es uns alle erfüllt, mit dir zusammenzuarbeiten.“

Der Staatsanwalt hob nicht nur die positive Kooperation hervor, sondern ging auch auf zwischenmenschliche Aspekte ein: „Dieser Fall ist für mich mittlerweile mehr als nur irgendeine Akte. In den letzten fünf Jahren habe ich gelernt, hinter die Abhörprotokolle, Zeugenaussagen und Steuerbescheide zu blicken und den Menschen Karl-Heinz Grasser zu schätzen und zu achten.“

Auch die Behörden in Liechtenstein ließ er nicht unerwähnt: „An die dortigen Kollegen richte ich meinen aufrichtigen Dank. Ohne deren tatkräftige Mithilfe wäre das alles gar nicht erst möglich gewesen und der Fall Grasser wohl schon längst erledigt.“

Abschließend sprach der Staatsanwalt einen Toast aus: „Lieber Karl-Heinz: Auf weitere fünf Jahre!“

Kommentar der Redaktion

Dieser Artikel erschien im Jänner 2014. Die Redaktion der T A G E S P R E S S E hat das ungute Gefühl, im Jänner 2019 folgenden Artikel verfassen zu müssen: „Grasser und Staatsanwalt feiern zehn Jahre Ermittlungen“.

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Leserstimme

Gratuliere zum Jubiläum :-(

Andreas L.

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Foto: Fritz Jergitsch

EU-Wahl: Fleischer Hofstädter zieht für ÖVP ins Rennen

Nachdem bereits Eugen Freund von der SPÖ aufgestellt wurde, zog nun auch die ÖVP ein prominentes Zugpferd aus dem Ärmel: Der aus der TV-Werbung bekannte Fleischer Hofstädter soll als Listenerster für die ÖVP bei der EU-Wahl ins Rennen ziehen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Hofstädter eine bodenständige Persönlichkeit aus der Wirtschaft gewinnen konnten, die unsere christlich-sozialen Werte vertritt“, erklärte Parteiobmann Spindelegger bei der Präsentation der Kandidatenliste.

Dem ÖVP-Chef zufolge bestünden keine Zweifel an Hofstädters Qualifikation: „Als Vizepräsident des Schützenvereins sowie als Kassier im Ortsverschönerungsverein seines Heimatdorfes bringt er durchaus wertvolle politische Erfahrung mit.“

Auch international sei der Unternehmer kein unbeschriebenes Blatt: „Durch seine Geschäftsbeziehungen zu moldawischen Schlachthöfen sowie seine zahlreichen Bangkok-Reisen ist er ein Mann von Welt“, streute Spindelegger dem NeoPolitiker Rosen. „Es ist Zeit für Frischfleisch im EU-Parlament!“

Im Gegensatz zum Team Stronach und der SPÖ müsse die Volkspartei nicht auf pensionierte ORF-Mitarbeiter zurückgreifen: „Wir haben ausreichend hochqualifizierte Kandidaten zur Verfügung“, meinte Spindelegger.

Hofstädter selbst gab sich motiviert und zuversichtlich: „Ich will Politik machen, die was zu hundert Prozent für Österreich ist. Österreich ist mein ‚favourite‘ Land.“