Wilhelm Dietl

Schattenarmeen

Das Buch

Die Geheimdienste der islamischen Welt zählen zu den gefährlichsten überhaupt. Sie leben nach eigenen Regeln und Gesetzen und sind im Nahen und Mittleren Osten an Brutalität durch nichts zu überbieten. Oft bedienen sie sich wechselnder Terrororganisationen, um auf verdecktem Wege politische und militärische Ziele zu erreichen. Zunehmend dehnen sie ihren Einflussbereich auf Europa aus und sind zu einer latenten Gefahr für die innere Sicherheit der europäischen Union geworden. In diesem Buch berichtet Geheimdienstexperte Wilhelm Dietl aus dem Innenleben der Dienste in Iran, Syrien, Libyen, Ägypten, Palästina, Irak und Saudi-Arabien. Gemeinsam ist den Schattenarmeen dieser ewigen Krisenregion, dass sie absolut kompromisslos gegen Feinde und Andersdenkende vorgehen. Und sie werden zunehmend von mächtigen islamistischen Kräften beeinflusst, die Israel und den Westen als Feinde bekämpfen.

Der Autor

Wilhelm Dietl, geboren 1955, freier Journalist (u. a. bei „Der Spiegel“, „Stern“ und „Focus“) und Autor zahlreicher erfolgreicher Bücher zu den Themen Naher und Mittlerer Osten, Südasien, Geheimdienste und Terrorismus. Seine letzten Bücher befassten sich mit dem Innenleben des Bundesnachrichtendienstes, dem er lange Jahre angehörte. „Was Dietl berichtet, hört sich an wie aus einem Agenten-Thriller … Dielt wusste seine Insider-Kenntnisse zu nutzen“, schrieb „Spiegel online“ über ihn.

Wilhelm Dietl

Schattenarmeen

Die Geheimdienste der islamischen Welt

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© 2010 Residenz Verlag
im Niederösterreichischen Pressehaus
Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
St. Pölten – Salzburg

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.
Keine unerlaubte Vervielfältigung!

ISBN ePub:
978-3-7017-4211-0

ISBN Printausgabe:
978-3-7017-3167-1

Inhalt

Einleitung

Nachrichtendienst light

Die peinliche Panne passierte während der Guerillajahre von Jassir Arafat. Ein Team des PLO-Geheimdienstes Rasd reiste von Tunis nach Damaskus. Es soll etwa ein Dutzend Männer im besten wehrfähigen Alter gewesen sein. Als sie auf dem Flughafen der syrischen Hauptstadt eintrafen, schienen sie bei bester Laune. Sie kannten ihre Instruktionen und waren in den strengen Regeln der Konspiration geschult worden. Auch mit Assads ausgesprochen misstrauischem Regime konnten sie umgehen.

Was sie noch nicht kannten, waren ihre aktuellen Falschnamen, aber das sollte ihnen sehr bald bewusst werden. Ihre Vorgesetzten hatten ihnen auf dem Flughafen von Tunis nagelneue Pässe in die Hand gedrückt. Die Reiseausweise waren nicht wirklich gefälscht; es waren echte Pässe, nur mit falschen Namen und Personaldaten versehen. Das diente auch als Vorsichtsmaßnahme für den Fall eines Abgleichs mit den gefürchteten Computerdateien der Syrer, mit denen Arafats PLO-Fraktion Fatah traditionell auf Kriegsfuß stand.

Da die Palästinenser als Gruppe unterwegs waren, sammelte ein syrischer Offizieller alle Pässe ein. Die Reisenden warteten in einer Ecke der Ankunftshalle, wo sie ihre erste Zigarette auf feindlichem Boden rauchten und ansonsten munter plauderten. Nach etwa einer halben Stunde kam wieder ein Uniformierter und fing an, die frisch abgestempelten Ausweise auszuteilen. Er rief die Namen der Passinhaber. Einmal, zweimal, dreimal.

Keiner reagierte wirklich. Im Gegenteil, sie standen kollektiv unter Schock. Arafats Geheimagenten hatten bei der lockeren Atmosphäre im Flugzeug vergessen, sich ihre neuen Arbeits-Personalien einzuprägen. Nun fielen sie ihnen auf Anhieb nicht ein. Keiner wusste, ob er Obeid hieß oder Helou, Eid oder Saade.

Die Palästinenser kapitulierten und ließen sich widerstandslos in eine Geheimdienstzentrale der Syrer abführen. Das unrühmliche Ende einer Dienstreise, die unfreiwillig noch eine ganze Weile dauern sollte. So wurde der Rasd zum Gespött der regionalen Branche. Hintergründig ernannten die Syrer sie zu Ehren-Homsis: Aus der Stadt Homs, so behauptet es der Volksmund, kommen die Dummköpfe der Nation.

Dumm sind die Hauptamtlichen der Geheimdienste im Nahen und Mittleren Osten in der Regel nicht, nur extrem grausam, weit entfernt von westlichen Werten, nach eigenen Regeln und Gesetzen lebend. Sie sind das Symbol ihrer jeweiligen Diktatur, ihr Schild und Schwert, die Überlebensgarantie und der lange Arm der Herrschenden.

Wichtig für das Verständnis der Geheimdienste des Orients sind Definitionen. Dabei spielen die traditionellen Grenzen keine entscheidende Rolle. Viel wichtiger sind konfessionelle Barrieren, ideologische Bruchstellen, Allianzen mit weit entfernten, kulturell fremden Partnern. Wo beginnt und wo endet der Nahe, der Mittlere Osten? Auch Nordafrika hält sich für einen integralen Bestandteil der arabischen Welt. Die Verbindungen nach Pakistan und Afghanistan gehören zum täglichen Geschäft der Geheimen von der arabischen Halbinsel.

Die Iraner stellen sich gegen alle, unterhalten aber trotzdem intensive Kontakte nach Syrien, in den Libanon, zu radikalen Palästinensern. Wenn es um weltweite Anschläge geht, dann bleiben die Drahtzieher in Teheran gern im Hintergrund. Sie schicken bevorzugt die routinierten Killer der libanesischen Hisbollah vor. Das verschleiert die eigene Rolle.

Was haben die islamischen Geheimarmeen der ewigen Krisenzone zwischen Indus und Atlantik gemeinsam? Sie passen nicht in die westliche Definition von Nachrichtendiensten, gehen in freundlichen Analysen maximal als »Nachrichtendienst light« durch. Nur am Rande sammeln sie Informationen, die ihren politischen Führungen die Welt erklären – ein Kerngeschäft westlicher Dienste. Politik muss in der islamischen Welt unbedingt ins eigene Schema passen. Wenn nicht, dann wird sie zuerst einmal abgelehnt – und durch Aussitzen auf Distanz gehalten. Fremde Konzepte zu akzeptieren, das kann Jahre und Jahrzehnte dauern.

Gemeinsam ist den Geheimdiensten der Region, arabisch Muchabarat, dass sie absolut kompromisslos gegen die Feinde und Andersdenkenden im Inneren vorgehen. Sie morden und foltern, verbreiten Angst und Schrecken. Intellektuellen begegnen sie von Anfang an mit Misstrauen und Ablehnung. Schriftsteller, Journalisten und Oppositionspolitiker stehen für sie auf der Liste potenzieller Feinde ganz oben. Im Vergleich zu den geheimen Diensten der islamischen Welt war die Staatssicherheit im früheren Ostblock ein menschenfreundliches Gebilde. An Brutalität sind die Dienste im Nahen und Mittleren Osten durch nichts zu überbieten.

Besonders selbstbewusste Regime sind der Überzeugung, dass sie auch auf ihre Landsleute jenseits der Grenzen jederzeit Zugriff haben müssten. Mit Empörung reagieren sie, sobald sich ihnen Polizei und Justiz der Asylländer in den Weg stellen. Geheimdienste aus dem Iran, aus Syrien, Libyen und Marokko haben in der Vergangenheit immer wieder Oppositionelle aus deren Gastländern verschleppt oder sie dort spektakulär getötet. In der Regel werden diese Fälle sehr schnell aufgeklärt, weil es für Todesschwadronen fremder Kulturen im Westen nahezu unmöglich ist, spurlos abzutauchen. Sie begehen Fehler, werden gefasst oder zumindest identifiziert. Wirklich »erfolgreiche« Attentate von ausländischen Diensten bei uns liegen lange zurück.

In den vergangenen Jahrzehnten wollten die Regime der islamischen Welt immer dann besonders clever sein, wenn sie sich zu einer riskanten Auslandsoperation ihrer Dienste entschieden hatten. Also heuerten sie hauptberufliche Terroristen an, die ihnen mit weltweiten Verbindungen und für gute Bezahlung die blutige Arbeit abnehmen sollten. In die Historie des Terrors gingen Aktionen des Venezolaners Carlos und seiner internationalen Söldnertruppe ein, aber auch Anschläge von Palästinensern und der von Teheran gesteuerten »schiitischen Internationale«.

So war es bei den Angriffen auf Flugzeuge von PanAm, Lufthansa, UTA und TWA, beim Anschlag auf die Diskothek »LaBelle« in Berlin wie auch bei den Bomben gegen jüdische Einrichtungen in Buenos Aires. Auch ein Osama bin Laden wurde zu anderen Zeiten als strategisch wichtiger Partner akzeptiert. Was häufig wie eine individuelle Tat aussah, entpuppte sich schließlich immer als purer Staatsterrorismus.

In der Konsequenz führte das beim Berliner »Mykonos«-Attentat zur gerichtlichen Verurteilung der verantwortlichen iranischen Regierung und zum internationalen Haftbefehl für den damaligen Chef des Geheimdienstes, Ali Fallahian. Um diesen auszustellen, brauchte es jedoch viel Mut aufseiten der Justiz in Karlsruhe und Berlin.

Es geht auch anders herum. Partnerdienste arabischer Staaten übernehmen gern Auftragsarbeiten für ihre westlichen Freunde, allen voran die CIA. Das funktioniert so: Die Araber lassen sich islamistische Terrorverdächtige liefern, die selbst in extraterritorialen Bereichen wie dem US-Gefangenenlager Guantanamo Bay noch ein Mindestmaß an Menschenrechten erfahren müssten. An die arabischen Dienste übergeben, werden diese Verdächtigen jenseits aller internationalen Gesetze beliebig lange in isolierten Untergrundzellen verwahrt, bestialisch gefoltert und manchmal auch zu Tode gequält. Für die Amerikaner gehört das zum irrationalen »Krieg gegen den Terror«, und auch bei den Europäern steigt die Akzeptanz für das Outsourcing von Quälereien. Die »Allianz der Willigen« darf als multinationale Wachstumsbranche gelten. An ihrer Spitze stehen derzeit – überraschenderweise – die Jordanier.

Eine Sonderrolle spielen die nationalistischen Palästinenser, also die Vertreter der traditionellen PLO. Sie werden von der CIA mit Know-how und Technik unterstützt; stabilisieren sie doch eine der vordersten Frontlinien im Kampf gegen den Iran und Hisbollah, die kräftig in Hamas investieren.

Gelegentlich müssen die neuen Partnerdienste aus Maghreb und Maschrek, Levante und Hindukusch, vom Nil und vom Tigris darauf achten, dass ihre letzten echten Geheimnisse gewahrt bleiben. In der Zeit des Kalten Krieges ging es ihnen nur um die dezente Beschaffung von konventionellen Rüstungsgütern. Und die wurden, je nach ideologischer Ausrichtung, von einem der beiden Blöcke geliefert.

Heute streben die Machtzentren der islamischen Welt nach der Atombombe. Weltweite Embargobestimmungen zwingen sie aber letztlich dazu, die für sie verbotene Technik über ebenfalls weltweite Netze mit getarnten Beschaffungsfirmen und durch die verschwiegenen Kanäle ihrer Geheimdienste einzukaufen. Proliferation, also die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und deren Trägersystemen, ist weltweit zu einem großen Thema geworden.

Waren die Chefs der orientalischen Geheimdienste einst Dunkelmänner, deren Namen und Gesichter nur wenige Eingeweihte – und natürlich die Gegner – kannten, so treten sie heute auch politisch als Hauptfiguren auf. Der Ägypter Omar Suleiman beispielsweise stand viele Jahre an der Spitze des »Allgemeinen Nachrichtendienstes« und war de facto der zweitmächtigste Mann am Nil. Er gilt seit langem als mutmaßlicher Nachfolger seines Präsidenten Hosni Mubarak. Häufig wurde er in der jüngsten Vergangenheit als Unterhändler herangezogen, wenn sich die palästinensischen Fraktionen bekriegten. Als der Diktator Mubarak zu Beginn des Jahres von seinem Volk gestürzt wurde, rückte Omar Suleiman als neuer Vizepräsident auf. Der unerwartete Aufstieg sollte allerdings in einen Karriereknick münden. Die Ära Mubarak endete abrupt, und die Übergangsregierung der Militärs kündigte für den folgenden September Wahlen an. Assef Shaukat, Schwager des syrischen Präsidenten Bashar Assad, galt in den letzten Jahren als der Erste unter den Damaszener Geheimdienstchefs. Er testete die Toleranz der angeheirateten Familie, als er sich selbst für das höchste Amt im Staate ins Gespräch brachte. Shaukat, ein Hauptverdächtiger beim immer noch ungeklärten Attentat auf den ehemaligen libanesischen Premier Rafik Hariri, wurde im Sommer 2009 zum stellvertretenden Stabschef der syrischen Armee »befördert«. Insider gehen davon aus, dass es sich nur um eine Parkposition handelt.

Als die Unruhen in der arabischen Welt auch das eisenharte syrische Regime erreichten, sorgte sein Name wieder für Schlagzeilen. Bei der blutigen Niederschlagung des Volkszorns zählte er neben Präsidentenbruder Maher und dem Chef der Staatssicherheit, Ali Mamluk, zu den wichtigsten Handlangern des bedrängten Bashar Assad.

Zu den engsten Vertrauten des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi zählten seit Jahrzehnten Abdullah Senoussi und Musa Kusa. Immer wieder standen sie an der Spitze libyscher Geheimdienste. Ihre Namen tauchten im Zusammenhang mit zahlreichen Terroranschlägen auf. In Frankreich wurden sie in Abwesenheit zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Gaddafi konnte auf die beiden Vertrauten nicht verzichten, weil sie während seiner gesamten Amtszeit tragende Säulen seiner Macht waren. Deshalb wurde Musa Kusa, der schon einmal Botschafter in London gewesen war, im Frühjahr 2009 zum Außenminister ernannt. Nachdem im Frühjahr 2011 auch Libyens Opposition gegen die Regierung ins Feld zog und einen – von der NATO unterstützten – Bürgerkrieg führte, sorgte derselbe Musa Kusa für eine echte Überraschung. Er lief zu den Engländern über. Gegen Abdullah Senoussi, der dem Revolutionsführer treu blieb, erließ der Internationale Gerichtshof von Den Haag einen Haftbefehl. Im Juni 2011 ist schließlich auch gegen Ghaddafi selbst sowie seinen Sohn Saif al-Islam ein solcher Haftbefehl ausgestellt worden.

Gerade in Zeiten der Krise konzentrieren sich die Geheimdienste des Westens mehr denn je auf ihre Konkurrenten, Gegner und auch Partner in der islamischen Welt. Dabei sind gerade auch neue Vertraute mit besonderer Vorsicht zu genießen.

Bereits seit dem Jahreswechsel 2009/10 hat die Abwehrschlacht der westlichen Geheimdienste und Armeen das ärmste arabische Land erfasst, den Jemen. Die komplizierte Stammesgesellschaft am unteren Ende des Roten Meeres, streng konservativ und tief religiös, wird zunehmend von Al-Qaida unterwandert. Von hier stammt die Bin-Laden-Familie. Blutsbande und geistige Verwandtschaft schaffen starke Bindungen. Ähnlich wie in Pakistan werden die Geheimdienste von mächtigen islamistischen Kräften beeinflusst. Im Jemen existieren zwei Dienste – die sogenannte »Politische Sicherheitsorganisation« (PSO) und das nach 2001 gegründete »Nationale Sicherheitsbüro« (NSC). Das NSC berichtet direkt an den Präsidenten. Beide Behörden unterscheiden sich, nach aktuellen Informationen aus dem Jemen, durch ihre ideologische Ausrichtung. Die PSO hat zahlreiche Islamisten in ihren Reihen, während das NSC als Auffangbecken für abgewanderte ehemalige Offiziere von Saddam Husseins (säkularem) Staatssicherheitsdienst gilt.

Jemen und Irak waren ja einst enge Verbündete und pflegten ihre Gemeinsamkeiten. Verständlich, dass die neuen Freunde des eigenwilligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh (Spitzname »Little Saddam«) – die Amerikaner – gegenüber beiden »Partnerdiensten« Misstrauen entwickeln. Letztlich ist es aber ein Treppenwitz der Geschichte, dass US-Agenten und irakische Baathisten aus der Not heraus eine strategische Allianz eingehen mussten. Nach dem Stand von Frühsommer 2011 sind aber auch Salehs Tage im Amt gezählt. Wie sich die Geheimen im Falle eines Amtswechsels verhalten würden, ist nicht vorauszusagen.

In der Phase des islamistischen Terrorismus, der die Weltpolitik seit dem 11. September 2001 entscheidend beeinflusst und den der Tod von Osama bin Laden im Mai 2011 nicht entscheidend schwächt, ist die »Partnerwahl« eine Aufgabe von besonderer Brisanz.

Iran

Der Geheimapparat der Mullahs

Die Vorgeschichte: SAVAK

Die SAVAK war eine Organisation, die zu einem sehr persönlichen Zweck ins Leben gerufen wurde: zum Machterhalt des »Königs der Könige« Mohammed Reza Pahlevi.

Die Historie des Geheimdienstes begann zeitgleich mit dem Kampf um den Rohstoff Erdöl. Die zunehmend selbstbewusster werdenden Iraner verstaatlichten 1951 ihre Ölindustrie und brüskierten damit vor allem die Briten, deren Interessen in der Region betroffen waren. Das Parlament wählte den 69-jährigen kosmopolitisch gebildeten Mohammed Mossadegh zum neuen Premierminister. Da konnten die westlichen Großmächte nicht tatenlos zuschauen.

Im Sommer 1953 lief die Geheimdienstoperation »Ajax« an. Bei der CIA wurde die beliebte Parole gestreut, es gelte im Iran den Vormarsch des Sowjetkommunismus zu verhindern. Agenten aus Washington schürten landesweite Unzufriedenheit. Auf dem Höhepunkt der Demonstrationen, dem 18. und 19. August 1953, wurde der einst so populäre Nationalist Mossadegh zum Rücktritt gezwungen. Der kurzfristig ins Ausland ausgewichene Herrscher Mohammed Reza Pahlevi kehrte zurück und nutzte die willkommene Gelegenheit, 2000 Mitglieder der Moskau-freundlichen Tudeh-Partei festzusetzen.

Nach dem erfolgreichen Putsch waren die Amerikaner präsenter denn je. Sie bescherten ihrem Schützling auf dem Pfauenthron einen Geheimdienst, wie es ihn in Persien noch nie gegeben hatte. Er nannte sich SAVAK, ausgeschrieben Sazeman-e Ettela’at va Amniat-e Keshvar (»Nationale Nachrichten- und Sicherheitsorganisation«). Im September 1953 reiste ein Oberst der US-Armee für die CIA nach Teheran. Er traf sich mit General Teymur Bakhtiar, dem Militärgouverneur der Hauptstadt. Zusammen entwickelten sie ein Konzept für das Projekt SAVAK. Der US-Oberst vermittelte Wissen nach den neuesten Richtlinien seines Hauses. Das war effizient, weil Geheimaktivitäten in jener Zeit Hochkonjunktur hatten und das Gewerbe vom Kalten Krieg geprägt wurde. Die Iraner lernten Theorie und Praxis von Überwachung und Vernehmung kennen, die Kooperation innerhalb ihrer Netze und deren Eigensicherung.

Im März 1955 wurde der geistige Urheber der SAVAK durch ein neues, fünfköpfiges Expertenteam aus Washington abgelöst. Ein Jahr später reorganisierten sie den Dienst. Unter dem Kommando von General H. Norman Schwarzkopf, dessen Sohn später als Oberbefehlshaber die Operation »Desert Storm« 1990/91 leiten sollte, konzentrierten sie sich auf die Vermittlung von operativen Techniken, Auswertung und Spionageabwehr. Sie schufen das seinerzeit skrupelloseste Machtinstrument des Nahen und Mittleren Ostens. Nach fünf Jahren war ihr Auftrag beendet und das Team wurde von Fachleuten des israelischen Mossad abgelöst. Die SAVAK bedurfte erst ab 1965 keiner fremden Ausbilder mehr. Von da an kümmerten sich eigene Kräfte um den Nachwuchs.

Der Geheimdienst der Pahlevis zählte nun rund 5500 hauptamtliche Agenten. Das Heer der Informanten wurde statistisch nicht erfasst. Bis 1961 hatte Bakhtiar die SAVAK geleitet, war dann aber bei seinem Monarchen in Ungnade gefallen, was ihn so sehr kränkte, dass er sich zum scharfen Kritiker des Herrscherhauses entwickelte, was wiederum Mohammed Reza Pahlevi nicht akzeptieren konnte. Also schickte er Bakhtiar 1970 ein »Hit-Team«, welches den ehemaligen SAVAK-Chef ermordete und die Tat als Unfall erscheinen ließ.

Bakhtiars Nachfolger Hassan Pakravan stand im Ruf, eher gutmütig und freundlich zu sein. Von ihm wird erzählt, dass er sich mit dem religiösen Oppositionsführer Ruhollah Khomeini wöchentlich zum Essen getroffen habe, obwohl dieser unter Hausarrest und spezieller Beobachtung stand. Menschenfreund Pakravan soll auch Khomeinis Hinrichtung verhindert haben, aus Rücksicht auf die Gefühle des einfachen Volkes. Dies alles war seiner Karriere nicht förderlich: 1965 wurde er durch einen engen Vertrauten und Jugendfreund des Schahs ersetzt – General Nematollah Nassiri. Die Opposition war inzwischen besser organisiert und setzte dem Regime von beiden Seiten zu. Zum einen schürten die gut organisierten Geistlichen aus den Reihen der »Mudschahedin« und der »Fedayin« Unzufriedenheit unter gläubigen Iranern, zum anderen gewannen kommunistische Tudeh-Funktionäre an Einfluss bei den Intellektuellen.

Der Schah wusste, wovon er sprach: »Selbstredend muss man in einem Land, das sich strategisch in einer so heiklen Lage befindet wie das unsere, jederzeit schnell und entschlossen handeln können, um jeden Versuch, die Regierung zu stürzen, schon im Keim zu ersticken. Heutzutage braucht jedes freie Land einen politischen Geheimdienst, der in Zusammenarbeit mit anderen Regierungsstellen alle Versuche dieser Art aufdeckt. Jeder andere Kurs wäre unter den heutigen Bedingungen falsch.«

Staatsterror als Staatsschutz: Die SAVAK erkannte die revolutionäre Situation und griff immer rücksichtsloser durch. Der Staatssicherheitsdienst organisierte die lückenlose Überwachung der bekannten Unzufriedenen. Er zensierte Presse, Literatur und Film. Wer von den Schergen des Kaisers in die berüchtigten Gefängniskomplexe Evin und Komiteh in Teheran oder landesweit in vergleichbare Verliese verschleppt wurde, entkam nur selten der Folter.

Die SAVAK entwickelte skrupellose und höchst brutale Techniken des Quälens. Ihre Opfer wurden mit harten Schlägen, häufig auf die Fußsohlen, extremer Isolationshaft, Schlafentzug, Ausreißen von Zähnen, Finger- und Fußnägeln, Elektroschocks, Säuretropfen auf die Schleimhäute, kochend heißem Wasser, simuliertem Ertrinken, Scheinhinrichtungen, Schlangen (vor allem für weibliche Häftlinge) und harten Gegenständen oder Glasscherben, die schwere Verletzungen im Darm- und Vaginalbereich hervorriefen, gemartert.

Die Folterknechte der SAVAK legten ihre nackten Gefangenen auf den heißen Grill oder auf einen speziell konstruierten elektrischen Stuhl. Um die Schreie zu dämpfen, mussten die Opfer dabei eine große Metallmaske tragen. Da sie eine entfernte Ähnlichkeit mit der amerikanischen Raumkapsel aufwies, tauften die SAVAK-Folterer die Maske ganz einfach »Apollo«. Wer im Gewahrsam des kaiserlichen Geheimdienstes »nur« vergewaltigt wurde, hatte großes Glück gehabt.

Der in den USA lebende iranische Historiker Erwand Abrahamian nennt in seinem Standardwerk Tortured Confessions Zahlen, die als realistisch angesehen werden. Die Sicherheitsorgane des Iran, also nicht allein die SAVAK, sollen zwischen 1971 und 1977 exakt 368 Aufständische getötet und zwischen 1971 und 1979 rund 100 politische Gefangene exekutiert haben. Allein 1975 sollen sich 22 prominente Schriftsteller, Professoren, Theaterdirektoren und Filmemacher wegen ihrer kritischen Haltung in Haft befunden haben.

Als die Zahl der zu Tode Gefolterten unaufhaltsam stieg, so Abrahamian, entsandte die SAVAK-Führung einige ihrer Vernehmer zu befreundeten Diensten, um neue »wissenschaftliche Methoden« zu studieren, die »ungewollte Todesfälle« verhindern sollten. Hier ging es um die Vermeidung ungünstiger Statistiken, keinesfalls aber um Mitmenschlichkeit. Die wichtigsten Lehrmeister in Sachen Folter fanden die Iraner bei ihren Freunden von der CIA. Das bestätigte der frühere Iran-Experte der CIA, Jesse J. Leaf, aber auch der renommierte Autor Robert Fisk. Er ermittelte als Ausbildungsort eine US-Luftwaffenbasis bei New York.

Die SAVAK hatte unbegrenzte Rechte im Unrechtsstaat der Pahlevis. Ihre Mitarbeiter – am Ende waren es etwa 60 000 – waren gefürchtet und gehasst, was 1979 letztlich auch zur blutigen Revolution führte. Solange die Monarchie existierte, war die SAVAK dem Premierministerium zugeordnet. Der jeweilige SAVAK-Direktor durfte den Titel eines »Stellvertretenden Premierministers für nationale Sicherheitsfragen« führen. Die SAVAK zählte zur Zivilverwaltung des Landes, beschäftigte aber viele Militärs und pflegte enge Arbeitskontakte mit Angehörigen der Streitkräfte. Das hielt den Herrscher nicht davon ab, für 7,5 Millionen Dollar bei der amerikanischen Stanford Technology Corporation ein hochmodernes Telefon-Abhörsystem zu kaufen, mit dem die SAVAK die Kommunikation des Offizierskorps in den Streitkräften überwachen konnte.

Bei der Schattenarmee des Schahs gab es auch eine Auslandsabteilung, die sich vor allem auf iranische Studenten in Europa und den USA konzentrierte. In das Blickfeld der Deutschen rückten die Agenten des Pfauenthrons spätestens 1967, als der damalige Student Bahman Nirumand sein Enthüllungsbuch Persien – Modell eines Entwicklungslandes vorlegte. Es beeinflusste die Anti-Schah-Bewegung und trug nicht unerheblich zur explosiven Stimmung während des Besuchs der Pahlevis im Juni 1967 in Deutschland bei. SAVAK-Agenten traten in Berlin als sogenannte »Jubelperser« auf und provozierten Straßenschlachten mit den Gegnern der Monarchie.

Nirumand äußerte sich zu den Beziehungen der westlichen Demokratien zum Schah-Regime. »Wenn auch die Weltöffentlichkeit nichts von all den Folterungen, Erpressungen falscher Geständnisse, Todesurteilen, von Terror, Unterdrückung und Armut in Persien erfährt, so sind doch die Regierungen aufs Beste orientiert und tragen aus gutem Grund zum Verschweigen der Wahrheit bei.« Für den Westen waren es eigentlich zwei Gründe: das Erdöl und der Kalte Krieg. Der Iran war ein wichtiger Frontstaat zum damaligen Hauptfeind Kommunismus.

Eine kleine Schar von Experten innerhalb des iranischen Geheimdienstes kümmerte sich auch um die aktuelle Situation in den Nachbarländern, um den sich abzeichnenden Konflikt zwischen Linken und Religiösen in Afghanistan, um den hemmungslos aufrüstenden Todfeind Saddam Hussein und seine Baath-Partei in Bagdad, um die schreckhaften Herrscher am Persischen Golf.

Es war die Ära von General Nematollah Nassiri. Er sah sich einerseits gezwungen, gegen den wachsenden Volkszorn – 1976 gab es bereits bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen auf den Straßen Teherans – brutal durchzugreifen, durfte sich andererseits aber auch selbst nie sicher fühlen. Mansur Rafizadeh, der SAVAK-Resident in den USA, berichtete später, der Schah habe sogar das Telefon seines einstigen Schulkameraden Nassiri abhören lassen, da er letztlich niemandem vertraute. Es war die Aufgabe des »Special Intelligence Bureau«, untergebracht im Niavaran-Palast, den Beamtenapparat zu überwachen. 1978 wurde Nassiri von Nasser Moghadam abgelöst, einer unglücklichen Figur, die das Regime in den wenigen und turbulenten Monaten bis zur Revolution nicht mehr retten konnte.

Die neuen Machthaber töteten alle wichtigen Vertreter der alten Regierung, derer sie habhaft werden konnten, im Luxusfall nach Urteilen der gefürchteten Revolutionsgerichte. Zu den ersten Hingerichteten zählten die ehemaligen SAVAK-Direktoren Pakravan, Nassiri und Moghadam. Die meisten der etwa 3000 führenden SAVAK-Mitarbeiter wurden nach der Abreise der Familie Pahlevi, Mitte Januar 1979, in den Straßen gejagt und von ihren Opfern oder deren Angehörigen getötet. Unter den 248 Militärs, an denen zwischen Februar und September 1979 die Todesstrafe vollzogen wurde, befanden sich 61 SAVAK-Mitarbeiter. Nur Agenten, die sich in jenen mörderischen Tagen im Auslandseinsatz befanden, hatten eine Chance, den Aufstand zu überleben.

Die unteren Chargen des Geheimdienstes liefen weitgehend zu den Mullahs über. Schließlich benötigte auch Khomeinis Regime einen Staatssicherheitsdienst, der mit bewährter Skrupellosigkeit alle Andersdenkenden unter Kontrolle halten konnte. Bei den Geistlichen fand sich nur eine sehr begrenzte Anzahl von Naturtalenten für die Geheimdienstarbeit. Deshalb wurde die SAVAK kurz vor dem Umbruch offiziell aufgelöst, aber niemals wirklich abgewickelt.

Die Mullahs änderten den Namen und die Führung, besetzten Schlüsselpositionen mit eigenen Leuten, und schon lief die Geheimdienstarbeit mit der bekannten Methodik weiter, als habe es nie eine Unterbrechung gegeben. In der Übergangsphase leitete Generalmajor Hossein Fardust, ein früherer Vizedirektor der SAVAK und gleichfalls Mitschüler von Schah Mohammed Reza Pahlevi, die neue Behörde SAVAMA. Diese Abkürzung stand für »Sazeman-e Ettela’at va Amniat-e Melli-e Iran« (»Ministerium für Nachrichtendienst und nationale Sicherheit des Iran«). Zwischen 1979 und 1981 wurde SAVAMA von den personellen SAVAK-Altlasten befreit. Dann befand sich auch der geheime Sicherheitsapparat fest in der Hand des Klerus.

Erst Jahre später merkten die neuen Machthaber, dass ihnen immer noch ausreichend geschultes Personal fehlte und dass sie diese Lücke mit frommen Aktivisten nicht füllen konnten. Daraufhin appellierte Parlamentssprecher Ali Akbar Hashemi Rafsandschani an die untergetauchten minder belasteten SAVAK-Veteranen, ihre patriotische Pflicht zu erfüllen und an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Im Kampf gegen die innere Opposition werde jeder gebraucht.

Hossein Fardusts Amtszeit war im Dezember 1985 zu Ende. Der Mann des alten Regimes wurde auf Betreiben seiner neuen Gegner verhaftet. Die Mullahs beschuldigten ihn, ein »Spitzel der Sowjets« zu sein. Und so fraß die Revolution ihre Adoptivkinder. In gewohnter Weise beseitigten die Frommen ihre letzten linken und liberalen Rivalen.

Islamische Geheimdienste: SAVAMA und VEVAK

Das Kürzel SAVAMA galt für eine relativ kurze Übergangszeit. Dann sprachen die Ajatollahs – und auch die fremden Nachrichtendienste – nur noch von VEVAK. Das stand für »Vezarat-e Ettela’at Va Amniat-e Keshvar« (oder »Ministerium für Aufklärung und Sicherheit«).

Der besondere Schwerpunkt lag hier bei der Staatssicherheit, und deshalb war das auch die wichtigste Abteilung des Dienstes. Ali Rabii sorgte an verantwortlicher Stelle für die kompromisslose Jagd auf Andersdenkende. Er kommandierte ein dichtes Netz an regionalen Büros, die den Iran der Mullahs bald lückenlos überwachten.

Die internationale Abteilung unterstand Mehdi Charman. Da praktisch das gesamte globale Netz des SAVAK mangels Personal zusammengebrochen war, bediente sich Charman einer neuen Organisation, die außerhalb des Landes noch nicht in Erscheinung getreten war – den Al-Quds-Kommandos der Revolutionswächter, eine Mischung aus zivilem Hit-Team und militärischer Eliteeinheit. Al Quds sollte in den folgenden Jahren für zahlreiche Terroranschläge verantwortlich sein. Ihre europäischen Einsätze koordinierten sie vermutlich über die iranische Botschaft in Bonn. Im Prinzip unterstützten aber ausnahmslos alle iranischen Vertretungen die Operationen des Geheimdienstes.

Iranische Agenten arbeiten traditionell unter einer Abdeckung durch das Außenministerium (manche auch als getarnte Angehörige des »Ministeriums für Kultur und islamische Führung«). In einer Analyse des Bundesnachrichtendienstes heißt es hierzu: »Über die iranischen Auslandsvertretungen erhalten die Mitarbeiter der Dienste logistische Unterstützung. Vermutlich sind alle Angehörigen der iranischen Botschaften und Generalkonsulate nachrichtendienstlich geschult und zur Zusammenarbeit mit den Diensten verpflichtet.«

Die Volksmudschahedin veröffentlichten in Köln eine »Informationsschrift« mit dem Titel Die Botschaft und der Terroristenring des Khomeini-Regimes in Österreich. Darin wird behauptet: »Neben den Botschaften und den Konsulaten des Regimes sind auch andere Einrichtungen in deren Aktivitäten verwickelt, unter anderem die ›Islamischen Vereine‹, iranische Kulturhäuser, Behindertenheime und Speditionen. Beispielsweise ist das zur Botschaft in Wien gehörende Kulturhaus eine Zentrale für nachrichtendienstliche Aktivitäten und für die Koordinierung von Terrorakten.

Vier Männer namens Ghodsi, Sadeghi, Aarabi und Amini, die in diesem Haus tätig sind, agieren an der Hinterfront eines Rings, der von Handels- und Speditionsfirmen getarnt wird, welche den Warentransport aus der Bundesrepublik Deutschland und Österreich in den Iran abwickeln. Außer ihren anderen logistischen Aufgaben haben diese Handels- und Speditionsfirmen den Auftrag, die Ausrüstung und den Nachschub für die terroristischen Operationen des Khomeini-Regimes in Europa zu beschaffen.« Um ihre Behauptungen zu untermauern, benannten die Regimegegner eine Reihe von Firmen und Personen, die sie der nachrichtendienstlichen Arbeit verdächtigten.

VEVAK kümmerte sich also mit großer Energie um die Ermordung weltweit verstreut lebender iranischer Dissidenten. An zweiter Stelle stand die verdeckte Beschaffung von Waffensystemen und, vor allem auch, Ersatzteilen für die vorwiegend amerikanische Ausrüstung des Militärs. Seit der Revolution hatte der Westen den Iran mit einem Embargo belegt. Den Mullahs gelang es mit viel Mühe und erhöhten Kosten, das fehlende Material zu beschaffen. 1980 begann der acht Jahre dauernde Krieg gegen den Irak. Ohne Nachschub wäre das Überleben des Regimes nur eine Frage kurzer Zeit gewesen.

Nach der Affäre um Hossein Fardust beschlossen die Ajatollahs, ihren wichtigsten Geheimdienst ab sofort selbst zu führen. Weder Militärs noch Zivilisten erschienen ihnen effizient genug für diese Aufgabe. In den frühen Achtzigerjahren entwickelten sie auch verschiedene Konzepte für den späteren geheimen Sicherheitsapparat. Er sollte, anders als bei SAVAK oder SAVAMA, die sich als Geheimdienste verstanden, in eine größere, übergreifende Struktur eingefügt werden.

Die entscheidende Idee kam von Said Hajjarian, einem Insider der ersten Stunde. Der ehemalige Maschinenbaustudent und Teheraner Stadtrat hatte sich als talentierter Nachrichtendienstler erwiesen. Deshalb wurde er an den Planungssitzungen beteiligt. Er schlug vor, die Dienste in einem gemeinsamen Ministerium zu koordinieren. So könne man Reibungsverluste verhindern. Hajjarian marschierte mit seinem Vorschlag durch die Institutionen. Er stellte fest, dass auch die religiösen Ultras eine bürokratische Schutzzone um sich errichtet hatten, die sich von den volksfernen Praktiken der Schahzeit keineswegs unterschied.

Said Hajjarian sprach bei Mir Hussein Moussavi, dem damaligen Premierminister, vor. Rasch zeigte sich, dass das Prestigeobjekt vielfacher Begierde gleichermaßen Faszination wie Abwehr auslöste. Die Geheimdienstarbeit war kontrovers und wichtig. Moussavi wollte nicht eigenmächtig entscheiden, also überwies er sein Anliegen an das Parlament. Dort wurde es zwischen den Ausschüssen hin- und hergeschoben. Welche Behörde sollte künftig die Dienste kontrollieren? Wo war es sinnvoll, sich zu engagieren? Wer kam infrage für leitende Funktionen?

Die ehemaligen, zumeist von den amerikanischen Freunden ausgebildeten SAVAK-Kräfte suchten eine sinnvolle Weiterbeschäftigung, in der sie ihre praktischen Kenntnisse aus dem Sicherheitsbereich einbringen konnten. Auf das dünne Eis der Ideologie wagten sie sich bis auf Weiteres nicht mehr, und wenn doch, dann sicherten sie sich gegen alle Gefahren des Geheimdienstalltags ab.

Es gab nun sehr viele neue Zuständigkeiten, deren mögliche Untiefen jeder für sich selbst erkunden musste. Die Regierung Moussavi überlegte eine Weile, ob sie den Dienst eigenen Leuten unterstellen sollte oder dem Präsidenten, der Justiz, dem geistlichen Oberhaupt oder etwa den islamischen Revolutionswächtern, den Pasdaran. Die letzte Entscheidung traf Khomeini selbst, und er ordnete die Gründung eines neuen Ministeriums an. Der Plan wurde am 18. August 1984 realisiert. Dabei blieben kleine, wenig lebensfähige Geheimdienste, die sich in den Katakomben verschiedener Ministerien entwickelt hatten, ausgeschlossen.

Der erste Minister nach der Reform, der – politisch gesehen – mit einem Vertrauensvorschuss ans Werk ging, hieß Mohammed Reyshahri. Der 1946 geborene Geistliche kam aus dem traditionellen Lager und weckte von Anfang an keine Erwartungen auf spektakuläre Reformen. Zu seinen wichtigsten Erfolgen wird heute das Verhindern zweier Coups d’état gegen das Regime gezählt. Eine dieser Aktionen sollte angeblich am 8. Juli 1980 von Anhängern des ehemaligen Premierministers Shapour Bakhtiar inszeniert werden.

Der andere Fall war heikler und politisch brisanter. Sadegh Ghotbzadeh, einer der eifrigsten Mitstreiter Khomeinis, der mit ihm zusammen aus Paris zurückkehrte, war im November 1979 zum Außenminister ernannt worden. Der weltläufige Ghotbzadeh leitete die Verhandlungen mit den USA, die zur späteren Freilassung der Teheraner Botschaftsgeiseln führten. 1982 geriet er in die ideologischen Auseinandersetzungen zwischen Khomeini und dem angesehenen Großajatollah Schariat-Madari, seinem einzigen namhaften Konkurrenten.

Der greise Revolutionsführer witterte eine Verschwörung, und Reyshahri lieferte ihm die angeblichen Fakten. Der ehemalige Außenminister wurde vor Gericht gestellt. Er gestand, einen Regierungswechsel – und eventuell die Beseitigung Khomeinis – geplant zu haben. Daraufhin wurde sein Mentor Shariat-Madari unter Hausarrest gestellt. Er konnte Khomeinis Machtanspruch nicht mehr gefährlich werden. Ghotbzadehs Hinrichtung folgte Monate später.

Mohammed Reyshahri kam aus einfachen Verhältnissen und hieß eigentlich Sheikh Mohammad Mohammadi Nik. Sein neuer Name leitete sich davon ab, dass er 1946 in einem Ort namens Rey geboren wurde. Sein Schwiegervater, der bekannte Ajatollah Ali Meshkini, nannte ihn der Einfachheit halber »den Mann aus der Stadt Rey«. Seine wichtigste Funktion sollte die des Staatssicherheitsministers sein. Bei den Wahlen des Jahres 1997 trat er glücklos gegen den späteren Staatspräsidenten Mohammed Khatami an. Dem geheimen Metier blieb er danach treu, als er den persönlichen Sicherheitsdienst des Khomeini-Nachfolgers Ali Khamenei übernahm. Hinter den Kulissen ist Reyshahri noch heute ein mächtiger Stratege des Regimes.

Sein direkter Nachfolger im Ministeramt wurde Hodschatalislam Ali Fallahian. Der 1949 in Najafabad bei Isfahan geborene Kleriker hat es zu notorischer Berühmtheit gebracht. Nach der Revolution sorgte er als Richter für kompromisslose Entscheidungen bei den islamischen Gerichten von Abadan und Bakhtaran. Als Geheimdienstchef war er bald gefürchtet für seine gnadenlose Jagd auf oppositionelle Geistliche und auf Mitglieder der Volksmudschahedin. Dazu griff er auf das alte, weltweite System seines Nachrichtendienstes zurück.

In Fallahians Amtszeit (1989 bis 1997) fielen mehrere aufsehenerregende politische Morde an Exil-Iranern, unter anderem der Überfall eines Kommandos von iranischen und libanesischen Killern auf Exilpolitiker der iranischen Kurden, die in Berlin tagten. Unter dem Namen des Restaurants, in dem die Tat geschah, wurde der Fall weltweit bekannt: Taverne »Mykonos«. Am 14. März 1996 erwirkte die Bundesanwaltschaft einen Haftbefehl gegen Fallahian (»Der Beschuldigte … hat sich aus eigener Willkür zum Herrn über Leben und Tod anderer gemacht.«). Der bärtige Geistliche wird auch von den Schweizer Behörden wegen seiner mutmaßlichen Verantwortung für den gewaltsamen Tod des Exilpolitikers Kazem Rajavi im April 1990 gesucht.

Seit dem Regimewechsel im Iran wurden mindestens 162 politische Gegner in 20 Ländern der Erde, in Pakistan und Irak, Deutschland und Frankreich, aber auch auf den Philippinen und in den USA, durch Todeskommandos der Teheraner Geheimdienste ermordet.

Interpol stellte für Ali Fallahian einen weiteren Haftbefehl aus, diesmal wegen des verheerenden Bombenanschlags auf die jüdische Gemeinde in Buenos Aires im Juli 1994, der 85 Menschen das Leben kostete. Innenpolitisch wird Fallahian als Schlüsselfigur beim brutalen Mord an vier Teheraner Intellektuellen im Jahr 1998 gesehen. Der frühere Minister ist immer noch Sicherheitsberater des obersten geistlichen Führers des Landes, Ajatollah Ali Khamenei. Er kann den Iran nicht mehr verlassen, da er weltweit mit einer Verhaftung rechnen muss.

Lediglich ein Jahr lang leitete Ghorbanali Dorri-Najfabadi das Geheimdienstministerium. Er wird als Hauptverantwortlicher der sogenannten »Kettenmorde« gesehen. In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre wurden mehr als 80 iranische Schriftsteller, Übersetzer, politische Aktivisten, aber auch Intellektuelle ohne Rang und Namen verschleppt oder ermordet. Diese Serie fand ihren Höhepunkt bei einem Blutbad, das die Täter im Haus von Dariush Forouhar, dem Generalsekretär der »Iranischen Nationalen Befreiungsbewegung«, und seiner Ehefrau Parvaneh Eskandari anrichteten.

Nachdem diese Serienmorde sogar dem Regime peinlich waren, wurden mehrere Mitarbeiter des Geheimdienstministers festgenommen. Der mutmaßliche Anführer der Killerbande, Said Emami, ein Sicherheitsmann des Ministeriums, nahm sich in der Haft das Leben. So war es einfacher, die Schuld zu delegieren und den Fall rasch zu den Akten zu legen.

Schon Reyshahri kooperierte als Sicherheitsminister eng mit seinem späteren Nachfolger Ali Younnesi. Dieser war ursprünglich Direktor des islamischen Revolutionsgerichts von Teheran und später Chef des »politisch-ideologischen Büros« der Revolutionsgarden gewesen. Unter Khatami stand er nun selbst dem Geheimdienstministerium vor und gehörte dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat an. In seiner Amtszeit passierten keine vergleichbar spektakulären Gewalttaten; das Land – und die weltweiten Ermittlungsbehörden – musste erst die Exzesse seiner Vorgänger verarbeiten. Die Aufarbeitung der Verbrechen der iranischen Geheimdienste aus den Achtziger- und Neunzigerjahren ist bis heute nicht abgeschlossen. Younnesi trat nach seinem Ausscheiden sogar mit regimekritischen Stellungnahmen an die Öffentlichkeit.

Den Geheimdienstminister Gholam-Hussein Mohseni Ejei ernannte und feuerte bereits der aktuelle Präsident Mahmud Ahmadinejad. Ejei trat sein Amt im August 2005 an und wurde nach den heftigen Unruhen des Sommers 2009 entlassen. Er stammt aus Ejiyeh bei Isfahan. Dort wurde er 1956 geboren. Ejei studierte internationales Recht, einige Jahre auch im Ausland.

In der heiligen Stadt Ghom besuchte er die renommierte »Haqqani-Schule«, ein Elite-Institut des inneren Machtzirkels. Auf der Absolventenliste finden sich auffallend viele Namen, die später bei den Geheimdiensten auftauchen. Ajatollah Mohammed Taghi Mesbah Yazdi, der Gründer der Haghani-Schule, ist Ahmadinejads ideologischer Mentor, sein geistliches Vorbild. Im Lauf seiner Karriere arbeitete VEVAK-Chef Ejei auch für das Justizministerium, war Ankläger beim Spezialgericht des Klerus. Der konservative Hardliner steht Ali Khamenei nahe.

Über den Grund seiner Entlassung gibt es nur Spekulationen. Ein Gerücht besagt, dass sich Ahmadinejad und Ejei wegen der geplanten Ernennung eines nahen Verwandten des Präsidenten zum iranischen Vizepräsidenten zerstritten hatten. Ein anderer Erklärungsversuch kommt zu dem Schluss, dass Ejei in den Augen seines Präsidenten die diplomatischen Verwicklungen um die Inhaftierung mehrerer Ausländer während der Großdemonstrationen und die Straßenschlachten von 2009 nicht in den Griff bekommen habe. Bei derselben Aktion gegen das Sicherheitsministerium wurden 20 weitere hochrangige Staatsdiener entlassen oder vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Es wirkt wie eine Realsatire, dass Ejei anschließend zum Chefankläger ernannt wurde und dieselben Demonstranten ihrer ungerechten Strafe zuführen musste.

Bei der Frage nach Ejeis Nachfolger tippten die meisten Iran-Beobachter auf den gelernten Nachrichtendienstler Majid Alavi. Er kennt sich in der Region aus, da er jeweils vier Jahre in Saudi-Arabien und im Sudan stationiert war und fließend arabisch spricht. Dann fiel Ahmadinejads Entscheidung. Alavi wurde ins zweite Glied gestellt. Der Sicherheitsminister der neuen Regierung hieß Heyder Moslehi, der langjährige Vertreter Khameneis bei der Basij-Miliz. Der offiziell wiedergewählte Präsident schafft die kürzest möglichen Dienstwege. Die Basij wurden den Pasdaran unterstellt. Ihr früherer Kommandeur, Hussein Taeb, befehligt seit Oktober 2009 den Geheimdienst der Revolutionswächter. Die Hauptorganisation der Pasdaran wiederum dominiert seit den letzten Wahlen personell das Geheimdienstministerium.

Ahmadinejads Personalkarussell dreht sich mit großer Geschwindigkeit. Der frühere Chef der Justiz, Hashemi Shahroudi, wird als neuer Abteilungsleiter gehandelt. Er soll die Kontakte mit »revolutionären Bewegungen«, wie Hamas oder Hisbollah, pflegen. Zwei enge Vertraute sollen Ahmadinejad bei der Kontrolle der Nachrichtendienste helfen: Majid Kamali, ein Veteran der VEVAK-Operationen in Nordafrika und jetzt zuständig für West-Teheran, sowie Ahmed Salek, der von den Pasdaran in Isfahan kommt.

Freund und Feind verwirrte der Präsident, als er am 17. April 2011 den Rücktritt von Sicherheitsminister Heyder Moslehi akzeptierte. Was war geschehen? Moslehi hatte sich mit seinem Präsidenten angelegt und den zuständigen Abteilungsleiter für Haushalt und Planung, Esfandiar Rahim Masheia, abgelöst. Möglicherweise hatte Moslehi übersehen, dass der Aufsteiger Masheia in Personalunion als Stabschef von Ahmadinejad arbeitet und ihm außerdem geistig verbunden ist. Im iranischen System hat der religiöse Führer das letzte Wort, und nicht der Präsident. Ajatollah Ali Khamenei nutzte dieses Privileg und wies Moslehis Entlassung zurück. Ahmadinejad war blamiert. Im Gegenzug rächte sich Moslehi, indem er von umfangreichen Abhöraktionen des VEVAK gegen den Klerus berichtete.

Immer neues Personal ist vonnöten, seit der wiedergewählte Präsident im Sommer 2009 führende Geheimdienstmitarbeiter entlassen hat, von deren Zuverlässigkeit er nicht mehr überzeugt war. Unter ihnen befanden sich die Verantwortlichen für die Terrorabwehr, die hauseigene Sicherheit und die Technik.

Die erste Voraussetzung für eine Geheimdienstkarriere, sagen Kenner der iranischen Regierung, ist absolute Rücksichtslosigkeit im Umgang mit der Opposition. Das darf bis zu Mord und Totschlag, Folter und Isolationshaft reichen.

Denn das Regime der Mullahs will um jeden Preis überleben. Die Leichen in den Kellern der VEVAK werden nach vorsichtiger Schätzung mit dem Zehnfachen der SAVAK-Opfer beziffert. An den brachialen Foltermethoden hat sich unter den frommen Herrschern nichts geändert. Wer den Sadisten des Regimes in die Hände fällt, hat ohnehin nur geringe Überlebenschancen. Die zu Tode Gequälten werden häufig anonym auf einem der vielen Friedhöfe des Landes verscharrt.

Das wichtigste Instrument, um die politische Existenz der radikalen Geistlichen zu sichern, ist eben das dicht geknüpfte Netz der iranischen Geheimdienste. Dazu gehören:

- das Ministerium für Aufklärung und Sicherheit (VEVAK oder MOIS)(steht für »Ministry of Intelligence and Security«)

- der Nachrichtendienst der Revolutionsgarden (RGID), darin vor allem die paramilitärischen Quds-Einheiten

- der Militärische Nachrichtendienst.

Nachrichtendienstlich arbeiten außerdem:

- das Zentrum für Strategische Studien (ZSS), ein Ableger des Außenministeriums, zuständig für die Abdeckung terroristischer und nachrichtendienstlicher Operationen

- der Nachrichtendienst des Präsidenten (Nochost Wazieri) zur Überwachung von Diplomaten, Politikern, Oppositionellen und Ausländern

- der Nachrichtendienst der »Law Enforcement Force« (LEF-ICD), eine schnelle Eingreiftruppe im Bereich der inneren Sicherheit

- ein sogenannter »Parallel-Nachrichtendienst-Apparat« (PIA), der zahlreiche Behörden und Organisationen der Islamischen Republik vernetzt, auch die Gefängnisse.

Die nachrichtendienstlichen Aktivitäten koordinieren:

- der Nationale Sicherheitsrat (NSC), dem die islamischen und weltlichen Führer des Staates angehören

- der Nachrichtendienstliche Koordinationsrat (ICC), der aus den jeweiligen Leitern der Dienste besteht

- der Ausschuss für innere Sicherheit (SCC), der dem Innenminister untersteht

- das Joint Action Committee, das die Inlands-Aktionen von MOIS und RGID steuert

- das Direktorat für innere Sicherheit, zuständig für demonstrierende Bürger und zivile »Gefährder« aller Art.

Der mit Abstand wichtigste iranische Geheimdienst VEVAK oder MOIS – von den Iranern euphemistisch als »Büro des Präsidenten« verharmlost – besteht aus 16 Direktoraten, fünf unabhängigen Büros und 27 zentralen Regionalverwaltungen, eine für jede Provinz.

In den Achtzigerjahren beschäftigte der VEVAK durchschnittlich 3200 Mitarbeiter. Heute wird sein Personal auf bis zu 30000 Hauptamtliche geschätzt. Die Mehrzahl von ihnen arbeitet in der Zentrale an der Pasdaran Avenue im Teheraner Ortsteil Darrous. Sie können auf mehr als 100000 dauerhafte Informanten zurückgreifen.

Die Auslandsabteilung wurde 2006 von Mohammed-Reza Iravani (alias Amir-Hossein Taghavi) geleitet. Sie kümmert sich bevorzugt um die Beobachtung und Bekämpfung der Opposition, vor allem um die sektenähnlich organisierten, linksgerichteten Volksmudschahedin. Ihre Büros befinden sich entlang der iranisch-irakischen Grenze.

Manchmal üben sich die Strategen beider Seiten auch in Geheimdienstspielen, wie sie die Fachwelt vor allem aus den aufregenden Jahren des Kalten Krieges kennt. Beliebt war damals der Einsatz falscher Überläufer, die beim Gegner freundlich aufgenommen wurden, in Wirklichkeit aber im Feindeinsatz kamen.

Ein Musterbeispiel dafür ist der Fall des angeblichen Brigadegenerals Ahmed Beladi Behbahani. Am 24. Mai 2000 veröffentlichte der »Nationale Rat des Iranischen Widerstands« (NCR) eine Presseerklärung zur »Flucht« des hohen Offiziers in die Türkei. Behbahani, so hieß es darin, sei Präsident Rafsandschanis Verbindungsglied zum Geheimdienstministerium gewesen. Behbahani sei bestens informiert über iranische Terroristen und deren Aktivitäten bis zurück ins Jahr 1986. Auch der Anschlag von Lockerbie zähle dazu.