Rainer M. Köppl

Der Vampir sind wir

Rainer M. Köppl

Der Vampir
sind wir

Der unsterbliche Mythos
von Dracula biss Twilight

Residenz Verlag

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»Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar,
und sooft wir den Versuch dazu machen,
können wir bemerken, dass wir eigentlich
als Zuschauer weiter dabeibleiben.«

Sigmund Freud, Zeitgemäßes über Krieg und Tod (1915)

»Das Hinstarren auf das Unheil hat etwas von Faszination.
Damit aber vom geheimen Einverständnis.«

Max Horkheimer und Theodor W. Adorno,
Dialektik der Aufklärung (1947)

»Just remember that death is not the end.«

Bob Dylan, Death is not the End (1988)

INHALT

ZU DIESEM BUCH
ODER
: WARUM ICH VAMPIROLOGE GEWORDEN BIN

There is a road
No simple highway
Between the dawn
and the dark of night

And if you go
No one may follow
That path is for
Your steps alone

Ripple auf dem Album American Beauty von The Grateful Dead

(Die dankbaren Toten), veröffentlicht am 1. November 1970

»Was machen Sie beruflich?« – »Ich bin Vampirologe.« – »Vampirologe? So etwas gibt es doch gar nicht!« – »Doch! Ein Theologe beschäftigt sich mit Gott, ein Psychologe mit der Psyche, ein Vampirologe mit Vampiren.« – »Ja, ja. Aber was machen Sie beruflich? » – »Ich bin Professor an der Universität Wien.« »Aha. Was unterrichten Sie denn?« – »Vampirologie!«

Das ist nicht die ganze Wahrheit, aber spätestens jetzt sind meine Gesprächspartner ganz Ohr. Eben noch hatten sie mich für einen Hobby-Vampirologen gehalten, plötzlich stehen sie einem Vampir-Professor gegenüber. »Glauben Sie wirklich an Vampire?«, fragen sie entsetzt. Ich antworte: »Ich glaube nicht nur an Vampire, ich weiß mit Sicherheit, dass sie existieren.« Und schon bin ich bei meinem Lieblingsthema.

Begeistert beginne ich von den Ausgeburten unserer Phantasie zu erzählen. Von den Vampiren, die in unseren Büchern und auf Bildern auftauchen, im Kino und im Fernsehen, in unseren Träumen und Albträumen. Aber viele meiner Gesprächspartner wollen etwas über »wirkliche Vampire« wissen. Sie freuen sich, dass sie endlich jemanden getroffen haben, der Vampire wissenschaftlich untersucht.

Ja, es hat tatsächlich »Vampire« gegeben. Genauer gesagt: Vor noch nicht allzu langer Zeit hat es Menschen gegeben, die von ihren Mitmenschen für echte Vampire gehalten worden sind und deswegen aus ihren Gräbern geholt, gepfählt und meistens auch verbrannt worden sind. »Wirklichen Untoten« bin ich jedoch noch nie begegnet, und Sterbliche, die Blut trinken und sich wie Dracula schminken, finde ich sterbenslangweilig. Möchtegern-Vampire lassen mich kalt. Exzentriker, die in Särgen schlafen und das Sonnenlicht scheuen, können so viel Blut trinken wie sie wollen, sie werden sich nie in Fledermäuse verwandeln können.

ALLES VAMPIR!

Ich bin kein Fan. Weder von Vampirjägern noch von Vampiren. Trotzdem bin ich begeisterter Vampirologe, weil ich es so faszinierend finde, dass wir Menschen seit Anbeginn unserer Kultur von imaginierten Untoten besessen sind. Wir statten diese Kreaturen mit übermenschlichen Fähigkeiten und phantastischen Eigenschaften aus. Sie sind lichtscheu, wild und blutrünstig, sie können die Naturgesetze überwinden und sogar dem Tod ein Schnippchen schlagen. Interessanterweise haben wir gerade in unserem aufgeklärten Zeitalter das Bedürfnis, die Untoten, mögen sie nun Dracula, Carmilla oder Edward heißen, immer wieder aus ihren Gräbern hervorzurufen. Kaum sind sie aufgetaucht, treiben wir sie spektakulär, blutig und mit heiligem Zorn wieder in die Unterwelt zurück – um sie am nächsten Abend lustvoll wieder hervorzulocken. Dieses perpetuum mobile hat mich schon immer interessiert. Für die Kulturindustrie ist der Vampir ohnehin ein gefundenes Fressen: Wenn es keine Vampire gäbe, müsste man sie erfinden.

Die Frage lautet nicht: »Gibt es tatsächlich Vampire?«, sondern: »Warum lässt sich der Vampirmythos so gut für unser Vergnügen und für politische Zwecke ausschlachten?« Die Antwort, die dieses Buch darauf gibt, lautet: Der Vampir sind wir! Tiere glauben nicht an Vampire, denn sie wissen nicht, dass sie sterblich sind. Weil wir wissen, dass wir sterblich sind, sind die Vampire unsterblich, denn das Thema aller Vampirgeschichten ist die Liebe und »das schmerzliche Rätsel des Todes, gegen den bisher kein Kräutlein gefunden wurde«, wie Sigmund Freud in Die Zukunft einer Illusion schrieb. (GWF, Bd. 14, S. 337)

Das vorliegende Buch ist keine literatur- oder medienhistorische Spurensuche. Im Gegenteil, ich will von den Details absehen und das faszinierende Räderwerk des Vampirmythos aus einer Vogelperspektive betrachten, um zu verstehen, aufgrund welcher Mechanismen dieses uralte Spiel mit unseren Träumen und Albträumen, mit Angst und Lust, mit Spannung und Erlösung funktioniert. Wenn wir Menschen vernünftige Wesen wären, wenn unser »Ich«, wie Freud sagte, »Herr im eigenen Haus« wäre, dann müssten die Vampire nach dem Zeitalter der Aufklärung und der Erfindung des elektrischen Lichts schon längst ausgestorben sein. Tatsächlich sind sie lebendiger und erfolgreicher denn je. Vampire sind »immer und überall«. Das Interesse an ihnen flammt bei jeder Filmpremiere neu auf. Wenn wieder einmal »ein echter Vampir« ausgegraben wird, geht die Meldung um die Welt und die TV-Teams brechen zur Vampirjagd auf. Im Rahmen einer Art »CSI Vampir«-Produktion für den ORF habe ich selbst das gepfählte Brustbein eines uralten historischen Vampirs in den Händen gehalten – und mir ist ein kaltes Gruseln über den Rücken gelaufen.

Als Medienwissenschaftler interessiere ich mich aus zahlreichen Gründen für den Vampirmythos. Vampire sind höchst komplexe Figuren, die zugleich einen hohen Wiedererkennungswert haben und deshalb eine ideale Projektionsfläche für individuelle und gesellschaftliche Ängste und Wünsche bilden. Sie sind Archetypen, die in einem dramaturgischen System, das ich »die Dramaturgie der Dämmerung« nenne, unheimlich attraktiv und extrem dynamisch agieren können. Vampire sind auch ein popkulturelles Label geworden, das man seinen Feinden und den Objekten seiner Begierde aufkleben kann. Seit den Bestsellern und Filmhits Twilight und True Blood ist der amerikanische Alltag völlig vampirisiert. Wenn man vor ein paar Jahren ein Vampirbuch kaufen wollte, musste man in der Buchhandlung fragen, in welchem Regal die Vampirbücher sind. Heute ist es umgekehrt: Man fragt sich, ob es überhaupt noch Bücher gibt, in denen keine Vampire vorkommen. »Alles Vampir!« – wie man auf dem Wiener Opernball sagen würde.

EIN ROTES SOFA UND EIN STINKENDER TALISMAN

Jeder Hobby-Psychologe wird vermuten, dass meine Leidenschaft für Vampire eine tiefere Ursache hat, etwa, dass verdrängte Kindheitserlebnisse hinter meiner Liebe zur Vampirologie stecken. Sonst müsste ja jeder Medienwissenschaftler ein Vampirologe sein. Arbeite ich mit diesem Buch meine persönlichen Ängste und Sehnsüchte auf? Ja, sicher! Ich glaube zwar nicht, dass mein Unbewusstes mich dazu treibt, um Mitternacht durch die Häuserschluchten Wiens zu streifen, um schöne Frauen in den Hals zu beißen, aber vielleicht hindert mich doch nur der Mantel der Zivilisation daran, verdrängte Wünsche auszuleben.

Wie nicht anders zu erwarten, sind mir beim Schreiben dieses Buches nach und nach Erlebnisse aus meiner Kindheit wieder bewusst geworden, die mein Interesse für Dracula & Co. erklären könnten.

Meine Mutter (Dr. Freud wäre über so einen Beginn entzückt) hat mich in unserem Wohnzimmer in Attnang-Puchheim auf einem roten Sofa zur Welt gebracht. Ich kam mehr als zwei Monate zu früh zur Welt, winzig, halb tot und halb blind. Der Arzt wollte mich mit Blaulicht ins Krankenhaus bringen lassen, aber meine Mutter wollte mich nicht der Apparatemedizin anheimgeben. So habe ich überlebt.

Ein paar Jahre nach meiner Geburt sind wir von Attnang-Puchheim nach Rittham gezogen, in die Nähe von Ohlsdorf, das einen Fixplatz auf der literarischen Landkarte hat, weil der ehemalige Bürgerschreck Thomas Bernhard dort auf einem Bauernhof seine Österreichbeschimpfungen in lange Schachtelsätze verpackt hat. Meine Eltern hatten in Rittham auf alten Fundamenten ein kleines Haus gebaut, das mir von Anfang an unheimlich war, weil es allein am Waldrand stand: romantisch an einem sonnigen Tag, gruselig in der Dämmerung, furchterregend in der Nacht.

Der Wald direkt hinter unserem Haus heißt auf alten Karten das »Kreuz-G’stauderert« (von Staude, Gebüsch). »Wo euer Haus jetzt steht, da ist früher einmal ein Galgen g’standen«, versicherten uns die Nachbarn grinsend. »An dieser Wegkreuzung wurden die Verbrecher aufgehängt.« In Attnang-Puchheim hatte ich nie eine Leiche gesehen, hier »am Land« wurden die Verstorbenen zur Schau gestellt und Nachbarn und Verwandte sind zusammengekommen, um gemeinsam Totenwache zu halten. Offenbar musste man mit den Verstorbenen wach bleiben und sie wie feindliche Gefangene rund um die Uhr bewachen, damit sie sich nicht aus dem Staub machen, bevor sie zu Staub zerfallen.

Wir haben in der »Einschicht« gewohnt, wie die Bauern gesagt haben, ein paar hundert Meter außerhalb des Dorfes. Wenn ich mit meinen Freunden Matthias und Franzl, den Söhnen des Großbauern, im Dorf spielen wollte, musste ich durch eine lange Allee mit alten Birn- und Apfelbäumen ins Dorf hinübergehen. Da ich noch zu klein war, um allein fortzugehen, musste mich meine zwei Jahre ältere Schwester begleiten. »Kinder, kommt heim, bevor es finster wird!«, hat meine Mutter jeden Tag gesagt. Jeden Tag derselbe Konflikt: Ich wollte so lange wie möglich spielen, weil es so lustig war, meine Schwester wollte schon nach Hause gehen, weil es doch bald finster werden würde. Der Heimweg in der Dämmerung wurde zum Wettlauf gegen die Zeit und gegen meine Schwester, die mir immer kichernd davongelaufen ist. Oft habe ich im Eifer des Gefechts mit meinen Spielkameraden die Angst vor dem Heimweg völlig verdrängt und bin allein bis nach Sonnenuntergang im Dorf geblieben, während meine Schwester schon zu Hause war und beobachtet hat, wie ich tollpatschig, pummelig und mit einer Phantasie gestraft, die hinter jedem knorrigen Obstbaum ein Monster sah, nach Hause gehastet bin. Mir ist der Weg unendlich lange vorgekommen. Die Erzählungen der Erwachsenen von der »Wilden Jagd«, dem Geisterheer, das in den Raunächten auf Höllenpferden über den Himmel fegt, haben meine Phantasie noch zusätzlich befeuert.

Die Angst davor, in der Nacht allein durch den Wald gehen zu müssen, hat mich auch noch verfolgt, als ich schon in die erste Klasse des Gymnasiums gegangen bin und ein »vernünftiger Bub« war. Ich war ins Internat in die Bundeserziehungsanstalt Saalfelden geschickt worden und konnte nur alle heiligen Zeiten, zu den Raunächten eben, nach Hause fahren. Das war um 1968, als der »narrische Dichter«, wie die Bauern Thomas Bernhard nannten, einen österreichischen Literaturpreis bekam. »Und was hat er g’sagt?«, erregten sich die Leute noch Jahre später beim Frühschoppen nach der Sonntagsmesse. »›Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt!‹, hat er gesagt. So eine Frechheit! Aber angeblich ist ihm der Minister ordentlich übers Maul gefahren und hat geantwortet: ›Ich bin trotzdem stolz, ein Österreicher zu sein!‹«

So ist die Geschichte beim Bahnhofswirt damals erzählt worden. Ich war nicht stolz und konnte dem Gedanken, dass alles lächerlich sei, wenn man an den Tod denkt, nichts abgewinnen. Denn ich musste mit dem Zug von Saalfelden nach Hause fahren und schleppte einen riesigen Koffer mit Wäsche und Büchern mit. In Attnang-Puchheim bin ich in die Salzkammergutbahn nach Aurachkirchen umgestiegen, wo ich erst nach Sonnenuntergang ankam. Vom Bahnhof Aurachkirchen musste ich den schweren Koffer in der Dunkelheit einen langen Hohlweg bergauf durch einen stock-finsteren Wald schleppen. Mehr als einmal wollte ich den Koffer stehen lassen und schreiend vor den Vampiren davonlaufen, bis mir wieder einfiel, dass mir ohnehin nichts passieren konnte, weil mir meine Mutter gleich nach unserer Übersiedlung nach Rittham eine Knoblauchzehe an einem Zwirnsfaden um den Hals gebunden hatte. Tag und Nacht habe ich diesen stinkenden Talisman tragen müssen. Ich kann mich bis heute an den Fleck erinnern, den der Knoblauchsaft auf meinen Unterhemden und Pyjamas hinterlassen hat.

Mein Körper hat den Knoblauch jahrelang absorbiert, deswegen habe ich bis heute das Gefühl, dass Vampire mir nichts anhaben können. Aber ganz sicher bin ich mir nicht.

Die Wahrheit über Vampire werden wir – wenn überhaupt – erst dann erfahren, wenn wir gestorben sind. »Das Leben ist eine große Überraschung«, sagte der russische Schriftsteller Vladimir Nabokov. »Warum sollte der Tod nicht eine noch größere sein?«

I

AUF DEM FRIEDHOF
IST DIE
HÖLLE LOS

Das Lauffeuer des Vampirismus

01 DER VAMPIRJÄGER IHRER MAJESTÄT

When the cities are on fire
With the burning flesh of men
Just remember that death is not the end

Bob Dylan, Death is not the End (1988)

Kann man – als vernünftiger Mensch – an Vampire glauben? Anders gefragt: Gibt es intelligente Menschen, die davon überzeugt sind, dass Verstorbene sich in Untote verwandeln können? Wahrscheinlich gibt es solche Menschen noch immer. Sicher ist, dass es sie vor noch nicht allzu langer Zeit en masse gegeben hat. Bis ins späte 18. Jahrhundert waren viele Menschen davon überzeugt, dass es Untote gibt, die unerlöst aus ihren Gräbern aufstehen und Unheil verbreiten. Wir wissen das, weil einige dieser Fälle dokumentiert sind. Vampirologen der Gegenwart haben die alten Dokumente gesammelt, neu herausgegeben, kommentiert und analysiert. Wenn man zum Beispiel Klaus Hambergers Dokumentation zum Vampirismus 1689–1791 durchblättert, könnte einem noch heute das Grausen kommen. Nicht vor den angeblichen Vampiren, sondern vor den Vampirjägern und den aufgebrachten Massen auf der Suche nach Sündenböcken. Obwohl »weiche« und »harte« Theorien, psychoanalytisch inspirierte Ansätze ebenso wie kultur-, literatur- und medizingeschichtliche Forschungen zahlreiche Erklärungsmodelle für den damaligen Vampirglauben anbieten, haben sich die historischen Vorfälle offenbar eine derart irritierende Unfassbarkeit bewahrt, dass die alten Dokumente immer wieder in Konferenzen neu aufgerollt und interpretiert werden. So fand zum Beispiel im Jahre 2009 in Wien eine wissenschaftliche Tagung zum Thema »Vampirismus und Magia posthuma im Diskurs der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert« statt, die vom Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien und von »kakanien revisited«, einer Online-Plattform für interdisziplinäre Forschung und Vernetzung im Bereich Mittelost- bzw. Zentral- und Südosteuropa, veranstaltet wurde. Bei dieser Konferenz haben universitäre Vampirologen wie Clemens Ruthner referiert, der derzeit an Bram Stokers Trinity College in Dublin lehrt und dessen Forschungsschwerpunkt die Literaturgeschichte des Vampirs ist. Aber auch der Wiener Gerichtsmediziner und Vampirexperte Dr. Christian Reiter, der den Untoten wie ein CSI-Forensiker auf den Leib rückt und auf dessen Theorien ich noch eingehen werde.

HISTORISCHE HYSTERIE

Die Angst vor Vampiren führt zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Europa zu spektakulären Vorfällen: In Mähren, Ungarn und auf dem Balkan werden zahlreiche Gräber geöffnet. Die Untoten hätten in ihren Gräbern laut geschmatzt, heißt es in historischen Zeugenaussagen; sie seien nachts aus ihren Gräbern gekommen, um den Lebenden das Blut auszusaugen, worauf diese rasch dahingesiecht seien und nun ebenfalls als Untote umgingen. Vampirkommissionen finden immer wieder unverweste oder gar blutgefüllte Leichen, die sodann gepfählt, enthauptet und verbrannt werden, damit der Spuk ein Ende habe. Nicht nur das einfache Volk wird von diesem Vampirfieber erfasst, sondern auch Ärzte, Professoren und Theologen verfallen dem plötzlich aufflammenden Wahn. Im Rückblick auf diese historischen Leichenschändungen könnte man sagen: Zum Glück hat der Vampirwahn nur die Toten getroffen und nicht die Lebenden, die in den Inquisitionsprozessen und historischen Pogromen zum Sündenbock wurden: die weisen Frauen (Hexen), die Andersdenkenden und Andersgläubigen (Ketzer), die Juden, die Ausländer.

Versetzen wir uns in die Zeit um 1730 und stellen wir uns vor, dass ein Bauer tot in seiner Kornkammer gefunden wird. Der Bader, der Arzt der kleinen Leute, untersucht ihn. Man munkelt von Selbstmord, es könnte aber auch ein Verbrechen gewesen sein. Das Gerücht geht um, der Bauer habe seine Magd geschwängert. Der Pfarrer weigert sich, dem Selbstmörder ein christliches Begräbnis zukommen zu lassen, daher bekommt der Bauer ein Eselsbegräbnis und wird außerhalb des Friedhofs auf der falschen Seite der Friedhofsmauer verscharrt. Der Ausdruck Eselsbegräbnis geht auf das Alte Testament zurück, in dem davon gesprochen wird, dass ein Sünder »wie ein Esel« begraben werden soll. »Man schleift ihn weg und wirft ihn hin, draußen vor den Toren Jerusalems.« (Jer 22,19)

Am Tag nach dem Eselsbegräbnis werden zwei Kühe krank. Am übernächsten Tag kommt das Kind der Magd tot zur Welt. Drei Tage später stirbt auch die Magd. In der Woche darauf kommt es in der Umgebung zu einer Serie von rätselhaften Todesfällen. Drei Mütter werden kurz nach der Geburt ihrer Kinder krank. Alle drei Frauen fiebern, sind schwach, kraftlos und blutleer. Ihre Betten sind voll Blut. Die drei Frauen sterben nach einigen Tagen.

Prinzipiell gab es in den alten Zeiten zwei Möglichkeiten, mit rätselhaften Vorfällen und Verbrechen umzugehen. Entweder hat man einen Lebenden verdächtigt oder man hat die Schuld im Bereich des Übernatürlichen gesucht und – bei Verdacht auf Vampirismus – einen Untoten beschuldigt. Wenn man eine natürliche Ursache für einen rätselhaften Vorfall oder ein Verbrechen vermutete, hat man auf brutale oder magische Mittel vertraut, um die Schuldfrage zu entscheiden. Der Verdächtige wurde gefoltert oder einem Gottesurteil unterworfen. Foltern kann man einen Untoten nicht, aber man kann ihn einem Gottesurteil unterziehen. Wenn man ein Pferd über sein Grab steigen lässt, und das Pferd scheut, dann liegt ganz sicher ein Vampir im Grab.

Der Pfarrer, der Arzt und die übrigen Dorfbewohner sind sich einig: Magia posthuma! Totenzauber! Der Bauer ist ein Wiedergänger geworden. Zuerst hat er die Kühe angefallen, um sich Kraft zu holen. Dann hat er seine Magd angefallen. Deshalb hatte sie eine Totgeburt. Nach einer Woche ist auch die Magd zu einer Untoten geworden. Seither plagen der Bauer und die Magd als Vampire die schwangeren Frauen in der Umgebung und saugen deren Blut. Als die Bauern ein Pferd zu den Gräbern bringen, scheut das Pferd. Das ist der Beweis.

Um die Vampirseuche zu stoppen, bleibt den Dorfbewohnern nichts anderes übrig, als die Gräber des Bauern und der Magd und ihres Kindes zu öffnen. Die drei Leichen liegen mit aufgeblähten Bäuchen in ihren Särgen. Die Dorfbewohner reißen den Leichnam des Bauern heraus, pfählen, köpfen und verbrennen ihn. Die Kinderleiche wird ebenfalls gepfählt, aber nicht verbrannt, denn vielleicht braucht das Kind seinen Körper bei der sogenannten »Auferstehung des Fleisches«, von der in der Bibel die Rede ist. Auch die Leiche der Kindesmutter wird ausgegraben, ihr Kopf wird abgeschlagen und zwischen ihre Beine gelegt. Sie wird ebenfalls gepfählt. Arme und Beine werden mit Steinen beschwert, damit sie bewegungsunfähig ist. Die Handgelenke werden gefesselt, damit sie sich den Kopf nicht mehr selbst aufsetzen kann. Dann wird ihr noch eine Sichel um den Hals gelegt. Sollte sie versuchen, sich den Kopf aufzusetzen und aus dem Sarg zu steigen, schneidet sie sich mit der Sichel den Hals ab. Aus der Sicht des frühen 18. Jahrhunderts ist das Verhalten der Dorfbewohner normal und vernünftig. Aus heutiger Sicht ist es verrückt.

Heutige Mediziner vermuten, dass hinter dem historischen Vampirglauben die Tollwut stecken könnte; entsprechende Meldungen geistern als Sensation regelmäßig durch die Presse, obwohl daran eigentlich nichts Neues ist. Tollwut kann tatsächlich von Fledermäusen übertragen werden. Manche Ausformungen dieser Krankheit führen zum Drang, Menschen zu beißen, und zu starken Muskelverkrampfungen im Gesicht, die dem Kranken das Aussehen eines wütenden Hundes verleihen; auch helles Licht, Wasser und Spiegel können Anfälle auslösen. Das passt genau zu den zentralen Motiven des Vampirmythos. Sogar Kieferkrämpfe sollen vorkommen. Der lateinische Name für Tollwut ist »Rabies«, wenn jemand gebissen wird, dann wird er rabiat und gerät in Rage.

CSI VAMPIR

Der international bekannte Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter, den ich bereits erwähnt habe, beschäftigt sich seit Jahren mit Toten und Untoten. In seinem Artikel über den »Vampirismus aus medizinischer Sicht« verweist er darauf, dass Menschen, die an Tollwut, Syphilis oder Porphyrie leiden, Symptome entwickeln können, wie sie im Vampirmythos beschrieben werden. Im Zusammenhang mit den konkreten Vorfällen im 18. Jahrhundert tippt er auf Milzbrand als indirekte Ursache für die historische Hysterie. Man könnte seine Theorie, mit der er an die im Hofkammerarchiv in Wien aufliegenden Dokumente von »Ortsaugenscheinkommissionen« und Obduktionen/Exekutionen herangeht, als postmodern-dekonstruktivistisch bezeichnen.

Ich fasse Dr. Reiters medizinische Sicht hier nur kurz zusammen, da einer seiner überaus unterhaltsamen Vampirvorträge ohnehin auf DVD erschienen ist. Er führt die Vampirhysterie primär auf den Ausbruch einer Milzbrand-Epidemie im habsburgisch-osmanischen Grenzgebiet zurück. Angesichts der damals rätselhaften Todesfälle hätten abergläubische Dorfbewohner und Grenzsoldaten gedroht, die Gegend zu verlassen, es sei denn, die Obrigkeit würde die sachgemäße Exekution der »verwampyrten Toten« veranlassen. So kamen Ärzte ins Spiel, die in unwissenschaftlichen oder absichtlich fehlerhaften Untersuchungen den Aberglauben der Einheimischen »wissenschaftlich« bestätigten. Weil sie sich mehr Sold erhofften oder ihren Lohn nicht rechtzeitig bekamen, ließen sie die Kunde über den »wissenschaftlichen« Beweis für die Existenz von Vampiren an die Öffentlichkeit durchsickern. Das Ergebnis ist bekannt: »on n’entendit plus parler que des vampires«, notierte der Aufklärer Voltaire spöttisch in seinem Dictionnaire Philosophique aus dem Jahre 1764: Die Leute haben von nichts anderem mehr geredet als von Vampiren.

Aus der Sicht eines medizinischen Laien könnte man die historischen Ereignisse rückblickend auch so verstehen: Der tote Bauer wird vom Arzt untersucht. Am Tag darauf werden zwei Kühe krank. Zwischen beiden Ereignissen besteht kein Zusammenhang. Am übernächsten Tag kommt ein Kind tot zur Welt, eine Woche später stirbt die Mutter des Kindes, dann breitet sich »die Seuche« wie ein Lauffeuer aus. Daran ist jedoch nicht der Vampir schuld, sondern der Arzt, der das einzige logische Bindeglied zwischen diesen Ereignissen ist. Er hat den Toten untersucht und er ist bei der Geburt der Kinder dabei. Er hat die Frauen infiziert. Kindbettfieber äußert sich durch Blutungen (daher die Blutflecken in den Betten) und Blutdruckabfall (daher der Eindruck, die Frauen wären ausgesaugt worden). Aber mit dieser Erklärung hätten die Ärzte des 18. Jahrhunderts keine Freude gehabt.

Als der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis (1818–1865) mehr als hundert Jahre nach dem Höhepunkt der Vampirhysterie darauf hinweist, dass ein Zusammenhang zwischen den ungewaschenen Händen der Ärzte und der hohen Sterblichkeit von Frauen im Kindbett besteht, wird er von den meisten seiner Fachkollegen verlacht, verspottet und zuletzt in eine Irrenanstalt eingewiesen.

Im frühen 18. Jahrhundert war über Verwesungsprozesse, über Hygiene und die Ursachen von Infektionskrankheiten erst recht nichts bekannt, Händewaschen galt sogar bis ins späte 19. Jahrhundert auch unter Ärzten als Unfug und Zeitverschwendung. Es erschien vernünftiger, über Vampire als Auslöser von Krankheiten zu spekulieren als über Viren. Untote haben einen Körper, sind sichtbar und können »behandelt« werden. Viren sind körperlos und aus damaliger Sicht unvorstellbar. Deshalb tragen die Intellektuellen des 17. und 18. Jahrhunderts eine intensive Diskussion über Vampire aus. An zahlreichen Universitäten werden einschlägige Dissertationen mit Titeln wie Dissertatio histo-rico-philosophico de masticatione mortuorum (»Historisch-Philosophische Dissertation über das Schmatzen der Toten«) veröffentlicht, die die Vampirdebatte im deutschsprachigen Raum anfeuern. Die Titel sprechen für sich: De masticatione mortuorum in tumulis – »Vom Kauen und Schmatzen der Toten in Gräbern«, De cadaveribus sanguisugis – »Von den blutsaugenden Kadavern«, De hominibus post mortem sanguisugis – »Von den Menschen, die nach dem Tod Blut saugen«. Details und Auszüge findet man in Klaus Hambergers Standardwerk Mortuus non mordet: Kommentierte Dokumentation zum Vampirismus 1689–1791. Nicht einmal vor der Wiener Hofburg macht die Vampirhysterie halt. Von den Rändern des Reiches dringen Berichte über blutsaugende Untote in die Hauptstadt. Regimentsärzte und Geistliche bestätigen die unheimlichen Gerüchte. Die Militärbehörden und der Hof schalten sich ein. Im Jahre 1725 hört man die Meldung: »In Kisolova, einem Dorf in Nordbosnien, geht ein Vampir um!« Vampirkommissionen beginnen, die verstörenden Fälle zu untersuchen.

Kleinlaut berichtet der für den Distrikt verantwortliche Beamte Frombald der »hochlöblichen Administration« in Wien über die Tumulte auf dem Friedhof des Dorfes. Er habe sich – sicherheitshalber in Begleitung eines Geistlichen – nach Kisolova begeben. Dort habe er den von den verängstigten Dorfbewohnern ausgegrabenen Körper des Petr Plogojowitz besichtigt und »gründlicher Wahrheit gemäß« Folgendes festgestellt: »In seinem Mund hab [ich] nicht ohne Erstaunen einiges frisches Blut erblickt.« Angesichts des Blutes habe der ergrimmte Pöbel »in schneller Eil einen Pfeil gespitzet« und den Toten durchs Herz gepfählt. Dann sei frisches Blut aus der Leiche abgeflossen, und auch das berüchtigte »wilde Zeichen« sei verschwunden. Schließlich hätten die Leute den ausgebluteten Körper verbrannt.

Das »wilde Zeichen«, das in dieser Nachricht an die kaiserliche Verwaltung respektvoll angedeutet wird, ist ein typisches Kennzeichen von Untoten: das erigierte Glied. Abschließend beteuert Frombald, dass er das ganze Spektakel nicht habe verhindern können, denn der Pöbel sei vor Angst außer Rand und Band gewesen. Wenn wir Frombalds Schreiben in Hambergers Dokumentation nachlesen, spüren wir heute noch, wie unwohl der kleine Beamte sich in seiner Haut fühlt: »anbei unterthänigst gehorsamst bitten wollen, dass, [sollte ich in diesem Fall] einen Fehler begangen haben (…), solchen nicht mir, sondern dem vor Forcht ausser sich selbst gese [t]zten Pöfel beyzumessen.«

»Masse« und »Tod« ergeben eine explosive Mischung, wie sich bei öffentlichen Hinrichtungen immer wieder gezeigt hat. Der französische Philosoph Michel Foucault, der einige der wichtigsten Bücher zur Wissenschafts-, Sozial- und Geistesgeschichte geschrieben hat, hat sich intensiv mit disziplinierenden Institutionen wie Irrenhäusern, Kliniken und Gefängnissen beschäftigt. In einem seiner bekanntesten Bücher brachte er das Verhältnis der Obrigkeit zu den Untertanen schon im Titel auf den Punkt: Surveiller et punir, auf Deutsch: Überwachen und Strafen. In diesem Buch mit dem Untertitel Die Geburt des Gefängnisses zeigt er, dass die europaweite Abschaffung der öffentlichen Marter- und Hinrichtungsspektakel zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass das Publikum dabei immer öfter außer Kontrolle geriet. Deshalb wurden die öffentlichen Quälereien durch Gefängnisse ersetzt, in denen die Delinquenten den Blicken der Öffentlichkeit entzogen waren. Menschlichkeit spielte bei der sogenannten »Humanisierung« des Strafvollzugs laut Foucault kaum eine Rolle.

Das Publikum gerät auch dann außer Kontrolle, wenn ein Untoter öffentlich hingerichtet wird. Der Tumult auf dem Friedhof von Kisolova bei der postmortalen Hinrichtung des vermeintlichen Vampirs ist kein Einzelfall. Im 18. Jahrhundert finden zahlreiche Vampirexekutionen statt. Auf Anordnung lokaler Behörden und mit dem Einverständnis der kirchlichen Obrigkeit werden sogar die Leichen von Kindern ausgegraben, gepfählt und verbrannt. Der französische Anthropologe Réné Girard hat die psychologischen Mechanismen untersucht, die zu turbulenten Ereignissen führen. Man kann das Wort »turbulent« auf die lateinischen Begriffe »turba« und »turbo« zurückführen; das weibliche »turba« bedeutet Unruhe, Lärm, Getümmel, Gewimmel, Masse, Schar und Volk. Das männliche »turbo« bedeutet Wirbel, Kreis und Kreisel, aber auch Wirbelwind, Sturm und Wirrwarr. Damit ist die Struktur des Mobs, der in Bewegung gerät (mob = mobil) und für Turbulenzen auf den Friedhöfen sorgt, treffend beschrieben. In seinem Buch Ausstoßung und Verfolgung: Eine historische Theorie des Sündenbocks untersucht René Girard, wie und warum Menschen in der Geschichte zum Sündenbock wurden, der von einem Mob ausgestoßen und verjagt wird. Girard bezeichnet den Mob als »entdifferenzierte Gemeinschaft«: Menschen, die sich normalerweise zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten aufhalten und sich dadurch voneinander »differenzieren«, versammeln sich als Mob »ohne Ordnung im selben Augenblick am selben Ort«. (Girard, Ausstoßung, S. 28)

Die Obrigkeit ist nie begeistert, wenn das Volk sich »ohne Ordnung im selben Augenblick am selben Ort« zusammenrottet und der Mob mobil wird. Angesichts der Unruhe in den Köpfen ihrer Untertanen und auf den Friedhöfen ihres Reiches wurde auch Kaiserin Maria Theresia unruhig. Sie habe »müßfällig wahrnehmen müssen«, schreibt sie, dass die Leute in ihrer Leichtgläubigkeit so weit gehen, dass sie Träume, Einbildungen oder von Betrügern vorgegaukelte Ereignisse für Gespenster und Hexerei halten. Besonders empört die Monarchin, dass das Volk dabei von einigen Geistlichen »gestärcket worden«. Schlimmer noch, die Geistlichkeit selbst habe zahlreiche Leichen unter dem Vorwand, dass sie mit der Magia posthuma behaftet gewesen seien, ausgraben und verbrennen lassen. Deshalb erlässt Kaiserin Maria Theresia im März 1755 eine Verordnung, in der sie alle Praktiken der abergläubischen Leichenschändung verbietet. Sie untersagt der Kirche, in Sachen Vampirismus eigenmächtige Schritte vorzunehmen, und schreibt die Anwesenheit eines »vernünfftigen Physici« (= eines Arztes) vor – die Betonung liegt auf »vernünftig«! Von nun an will die Kaiserin den Vampir-Aberglauben »mit denen empfindlichsten Straffen« verfolgen. Der Erlass der Kaiserin ist in Hambergers Dokumentation zum Vampirismus auf S. 86f. abgedruckt.

Damit es auf den Friedhöfen wieder ruhig werde, beauftragt Maria Theresia ihren Leibarzt mit einer wissenschaftlichen Untersuchung der Vampirvorfälle. Sie hat die richtige Wahl getroffen, denn ihr Leibarzt ist niemand anderer als Gerard van Swieten (1700–1772). Der Holländer ist ein Aufklärer mit Leib und Seele, der die Berufung ins absolutistische Wien mehrmals ablehnt, obwohl ihm oder weil ihm dafür ein Adelstitel zugesagt wird. »Ich ziehe es bei weitem vor, ein kleiner Republikaner zu sein, als einen pompösen Titel zu haben, der dazu dient, eine tatsächliche Sklaverei zu verhüllen«, schreibt er an einen Freund, bevor er schließlich doch nach Wien kommt. Hier wird er Begründer der berühmten Ersten Wiener Medizinischen Schule, Präfekt der Wiener Hofbibliothek, Reformator der Wiener Universität und Initiator zahlreicher Sozialprojekte. Sein Wirken wurde in Wien 1993 in einer Ausstellung über die Präfekten der Hofbibliothek gewürdigt. Die Briefstelle, die ich zitiere, ist im Ausstellungskatalog Niederländer, Europäer, Österreicher abgedruckt.

Van Swieten ist Niederländer, Arzt und Philosoph. Trotzdem ist er kein Vorbild für Professor Abraham van Helsing, den niederländischen Vampirjäger in Bram Stokers Dracula. Van Helsing verfolgt im Roman die Untoten mit Knoblauch, Kreuz und Pfahl, van Swieten hingegen vertraut auf die Werkzeuge der Wissenschaft. Er verfolgt die Vampire nicht auf düsteren Friedhöfen oder in verfallenen Schlössern, sondern dort, wo sie tatsächlich entstehen: in den Köpfen der Untertanen. Im Jahre 1755 schreibt er seine Remarques sur le vampirisme, in denen er den vermeintlichen Vampiren mit logischen Argumenten zu Leibe rückt. Van Swieten hat seine Remarques 1755 in französischer Sprache verfasst. Ein deutsches Exemplar mit dem Titel »Vampyrismus. Von Herrn Baron Gerhard van-Swieten verfasset, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzet« wird im Wiener Institut für Geschichte der Medizin aufbewahrt. Ich zitiere diesen Text unter dem Kurztitel »Vampyrismus« nach der transkribierten Fassung, die in der von mir 1998 herausgegebenen Festschrift 100 Jahre Dracula veröffentlich worden ist.

VAN SWIETEN IN DER ZWICKMÜHLE

»Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit«, schrieb Immanuel Kant 1784 als Antwort auf die Frage »Was ist Aufklärung?« und fügte die Aufforderung hinzu: »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«

Van Swieten hat den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, aber ist es überhaupt möglich, Wunder und Wahn wissenschaftlich zu trennen? Kann er den Aberglauben mit wissenschaftlichen Methoden ausrotten, ohne den Glauben in Frage zu stellen? Stellen wir uns vor, was in van Swietens Kopf vorgegangen sein mag. Er weiß, dass ein allmächtiger Gott auch Vampire machen könnte, wenn er wollte. Der Teufel auch. Wenn Gott allmächtig ist, kann er auch Tote wiedererwecken, wie das Beispiel des Lazarus zeigt. Jesus ist gestorben und von den Toten auferstanden. Christus ist ein weißer Vampir, der uns die Bluttaufe anbietet. Das steht im Zentrum des neuen Bundes. Die katholischen Kirchen und Friedhöfe sind voll von Untoten, denn alle guten Menschen werden zu Untoten auf Zeit, bevor sie wieder auferstehen. Wer wird auferstehen? Alle Menschen, die gestorben sind – das steht im Katechismus der Katholischen Kirche! Wann? Am letzten Tag. Wie? Jeder mit seinem eigenen Leib. Auch das steht im Katechismus. Jedoch scheinen die Autoren hier zu spüren, dass diese Vorstellung allerlei Vampirbilder in den Köpfen der Gläubigen erzeugen könnte. Deswegen haben sie folgenden Kommentar angefügt: »Dieses ‚Wie’ übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen (…).« (Ecclesia Catholica, S. 287)

Im Zentrum der katholischen Messfeiern steht die Wandlung (lat. Transsubstantiation), die auf das »letzte Abendmahl« zurückgeht. Jesus hat Brot und Wein geteilt und seine Jünger aufgefordert, mit ihm zu essen und zu trinken: »Das ist mein Leib. Esset davon. Das ist mein Blut, trinket davon. Tut dies zu meinem Gedächtnis.« Die Gläubigen trinken »Jesu Blut« (= Messwein), um eine spirituelle Verbindung mit Jesus herzustellen und das ewige Leben zu erlangen.

Dieser Gedanke ist auch im Vampirmythos präsent, von Bram Stokers Dracula über Interview mit einem Vampir bis zu True Blood und Buffy, The Vampire Slayer. »Flesh of my flesh, blood of my blood«, sagt Dracula pathetisch, als er die junge Braut Mina zwingt, sein Blut zu trinken. Buffy Summers, die Teenage-Vampirjägerin, drückt denselben Sachverhalt in der ersten Episode der ersten Staffel dieser TV-Serie eher schnoddrig aus: »To make you a vampire they have to suck your blood and then you have to suck their blood. It’s like a whole big sucking thing!« Mina muss Draculas Blut trinken, damit er eine spirituelle Verbindung zu ihr herstellen kann. In Stokers Dracula finden wir dafür den Ausdruck »baptism of blood« (Bluttaufe): Wer Vampirblut getrunken hat, ist mit dem Vampir »im Bunde«. Auch die katholische Kirche spricht von der Taufe und vom »neuen Bund«, den Jesus mit den Gläubigen beim letzten Abendmahl schließt. Wer Vampirblut trinkt, ist »untot«, das ist nur ein gradueller Unterschied zum »ewigen Leben«, das den Jesu-Blut-Trinkern verheißen wird.

Natürlich kann van Swieten noch nichts von Dracula, Interview mit einem Vampir oder Buffy wissen, aber er weiß, dass er sich in einem Teufelskreis befindet, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Der Begriff »Glaube« sagt doch schon, dass es sich nicht um beweisbares Wissen handelt. Der jüdische Linguist Max Weinreich hat ein Bonmot zum Verhältnis von Sprache und Dialekt bekannt gemacht: »A shprakh iz a dialekt mit an armey un flot.« Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Flotte. Mit Weinreich könnte man sagen: Glaube ist ein Aberglaube mit Armee und Flotte. Auf seinem Aufklärungsfeldzug gegen den Vampir-Aberglauben sieht sich van Swieten einem mächtigen System mit Armee und Flotte gegenüber.

Wenn er die Existenz von Vampiren wissenschaftlich widerlegen will, läuft Maria Theresias Leibarzt logischerweise Gefahr, am Teufel, an Gott, an der Transzendenz, an der Metaphysik zu zweifeln. Das wäre Gotteslästerung, die von Kirche und Staat als Verbrechen verfolgt wird. Bis heute haben viele Staaten Blasphemie als Delikt in ihren Strafgesetzbüchern. So hat Irland erst im Sommer 2009 ein neues Gesetz verabschiedet, das die Strafe für Blasphemie erhöht. Es wurde sogar eine EU-Kommission eingesetzt, die untersucht, ob Gotteslästerung in der gesamten EU als Verbrechen verfolgt werden soll.

Die historische Position der Kirche kann auf eine einfache Formel gebracht werden: Andersdenkende sind Gotteslästerer. Sie müssen – zum Lobe des Herrn – verbrannt werden. Die historische Position vieler Herrscherhäuser kann ebenso auf eine einfache Formel gebracht werden: Wir herrschen von Gottes Gnaden! Gott hat uns ausgewählt! Aufgrund der engen Verflechtung von Kirche und Staat wird Widerstand gegen die weltliche Herrschaft als Widerstand gegen die Religion gewertet, und umgekehrt.

Als wissenschaftlicher Vampirologe gerät van Swieten in Maria Theresias Reich, in dem der Hexenwahn gerade erst abzuflauen beginnt und dessen Herrscherdynastie sich auf Gottesgnadentum beruft, in eine überaus gefährliche Zwickmühle zwischen Kirche und Staat. Die Ausgangsfrage lautet: Sind Wunder eine Frage der Wahrnehmung oder des Glaubens? Staat und Kirche setzen ihre Sicht der Dinge mit Versprechungen (Himmel), Drohungen (Hölle) und Gewalt (Armee und Flotte, Strafvollzug, Inquisition) durch. Der Aufklärer van Swieten setzt auf Beobachtung, Wahrnehmung, Vernunft und Logik. Die Aufklärung hat keine Armee und keine Flotte – und die Zeit der Hexenprozesse ist noch nicht allzu lange vorbei. Vielleicht sind die Vampire als Sündenbock und Feindbild die Nachfolger der Hexen, wie Gábor Klaniczay in seiner Studie Heilige, Hexen, Vampire: Vom Nutzen des Übernatürlichen vermutet. Dann wird es für van Swieten besonders gefährlich. Wenn er die Vampire »verteidigt«, dann könnte er selbst als Gotteslästerer angeklagt werden.

Der Fall von Galileo Galilei (1564–1642) zeigt, wie gefährlich es ist, seine Wahrnehmung gegen die »Wahrheit« der Kirche zu verteidigen. Die Ansicht, dass die Erde sich um die Sonne dreht, ist zu Galileis Lebzeiten nicht neu. Schon Leonardo da Vinci (1452–1519) hatte in seinem Notizbuch festgehalten: »Il sole no se muove« (Die Sonne bewegt sich nicht), allerdings in Spiegelschrift – vielleicht aus Sicherheitsgründen. Jahrzehnte später veröffentlicht Kopernikus (1473–1543) Berechnungen, die zeigen, dass die Sonne im Zentrum der Planetenbahnen stehen muss. Kopernikus hat die Veröffentlichung seines Werkes De revolutionibus orbium coelestium (Von den Umdrehungen der Himmelskörper) allerdings bis kurz vor seinem Tod immer wieder hinausgeschoben, zu Recht, wie der Fall Galilei zeigt.

Die Kirche fühlte sich von De revolutionibus bedroht. Ihrer Ansicht nach musste die Erde im Zentrum dessen stehen bleiben, was wir heute »Sonnensystem« nennen. Die Kirche konnte sich zwar vorstellen, Kopernikus’ Berechnungen als mathematische Modelle zu akzeptieren, aber nur dann, wenn gleichzeitig betont wurde, dass diese Modelle nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Aus der Sicht der Kirche musste die Erde das Zentrum des Universums bleiben. Galilei beobachtet den Himmel jedoch mit einem von ihm selbst weiterentwickelten Fernrohr und sieht, dass Kopernikus’ Theorien mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Er will diese Einsichten gegen den Willen der Kirche bekanntmachen. Daher wird dem 70-jährigen Galilei der Prozess gemacht. Die Anklage gegen ihn fußt auf drei Argumenten: Die Kirche ist im Besitz der Wahrheit. Die Heilige Schrift ist wörtlich zu nehmen. Der Papst ist unfehlbar, auch wenn diese Lehre erst 1870 zum Dogma erhoben wird.

Metaphysik ist wichtiger als Physik – sagt die Kirche. Die Wissenschaft muss vor dem Glauben in die Knie gehen. Galilei gehorcht, um der Folter und dem Scheiterhaufen zu entgehen. Obwohl er widerruft, wird der alte Mann zu lebenslänglichem Kerker verurteilt und mit Lehrverbot belegt. Wegen seines hohen Alters wird die Kerkerstrafe in Hausarrest umgewandelt. Der amerikanische Philosophieprofessor Maurice A. Finocchiaro hat die Dokumente dieses Prozesses in seinem Buch The Galileo Affair veröffentlicht.

Als van Swieten im Auftrag seiner Kaiserin »von Gottes Gnaden« die Frage untersuchen soll, ob es Vampire geben kann, gerät er in eine ähnlich verzwickte Lage wie Kopernikus und Galilei. Denn hinter der Frage: »Gibt es tatsächlich Vampire?« steckt die Frage: »Kann es eigentlich Wunder geben?« Vermutlich hat er aus dem Prozess gegen Galilei gelernt, denn er verweist auf die Heilige Schrift, um seine Position abzusichern. »Nun ist es gewiß, und durch die heilige Schrift bestättiget, dass Gott mit seiner Allmacht entweder unmittelbar durch seinen Willen, oder durch die heiligen Engel, Propheten, Apostel und andere Heiligen, die erstaunlichsten Werke hervorgebracht habe.« (Swieten, Vampyrismus, S. 37)

Auf derselben Seite schließt van Swieten jedoch eine Bemerkung an, die einen allmächtigen Gott sofort wieder in historische Schranken weist: Wunder seien vor allem »in den ersten Zeiten« des Christentums vorgekommen. Im Zeitalter der Aufklärung braucht Gott keine Wunder mehr, um seine Macht zu zeigen. Und dann führt van Swieten einen ebenso genialen wie mutigen Schachzug aus, indem er auf Kopernikus und Galilei zurückgreift. In den alten Zeiten habe eine Sonnenfinsternis ganze Völker »in die entsetzlichste Furcht, in Angst und Schrecken gestürzet«. (S. 38) Doch die Astronomie habe die Menschen von der Angst befreit und zugleich den Glauben an Gott gestärkt: »Wir bewundern ganz ruhig die Allmacht des Schöpfers, welcher diese großen Körper in einem so unendlich weiten Raume mit solcher Richtigkeit, durch so viele Jahrhunderte herumwälzet, dass sogar der schwache Menschenwitz es zuwege gebracht hat, derselben Wiederkunft auch auf zukünftige Jahrhunderte bis auf eine gewisse und gesetzte Zeit ausrechnen zu können.« (S. 38)

Das ist ein deutlicher Hinweis auf Galilei und Kopernikus, der mit »Menschenwitz« (Vernunft) die Bewegungen der Planeten richtig vorhersagen konnte und gewitzt genug war, sein Wissen bis knapp vor seinem Tod nicht hinauszuposaunen. Vergessen wir nicht: Als van Swieten seine Remarques schreibt, ist das heliozentrische Weltbild noch immer ein rotes Tuch für die Kirche. Erst im Jahre 1757 wird die Kirche den Bann gegen das neue Weltbild aufheben, erst 1822 wird die Publikation von Werken, die es vertreten, generell erlaubt werden.

Van Swietens Text ist eine taktische Meisterleistung. Er sagt: Früher hat es Wunder gegeben – aber heute brauchen wir sie nicht mehr. Er sagt: Gott ist groß und der menschliche Verstand ist beschränkt. Aber der »schwache Menschenwitz« ist groß genug, um aufgrund von wissenschaftlicher Beobachtung die ordnende Hand Gottes zu erkennen.

Mit diesem Argument entzieht van Swieten den Theologen das Wort und stellt die Vampirismus-Debatte auf eine naturwissenschaftliche Grundlage: Er wolle nicht bezweifeln, dass Gott oder der Teufel höhere Mächte mit übernatürlichen Kräften seien, die sie früher auch eingesetzt hätten. Ihm gehe es ausschließlich darum, einzelne konkrete Fälle der Gegenwart medizinisch zu untersuchen. Das ist ein Nadelstich gegen die Kirche, die traditionell gegen Leichenöffnungen ist und sogar medizinische Fachbücher verbietet, weil die darin enthaltenen Abbildungen angeblich die guten Sitten verderben.

Der als »ungläubiger Thomas« bekannt gewordene Apostel verlangte einen handfesten Beweis für die Auferstehung Jesu. Erst nachdem er seine Finger in die Wunden gelegt und so den lebendigen Körper des auferstandenen Jesus berührt hatte, glaubte er. »Selig sind, die nicht sehen und doch glauben«, heißt es als Erwiderung im Johannesevangelium (Joh 20,29).

Als Apostel der Aufklärung ist auch van Swieten ein »ungläubiger Thomas«: Er verlangt handfeste Beweise für die Auferstehung der Toten.

Im Aberglauben spielt die Türschwelle eine Rolle, die der Vampir nur dann überschreiten könne, wenn er eingeladen wird. Sigmund Freud verwendet in seinem religionskritischen Text Die Zukunft einer Illusion die Metapher der Schwelle, um den wissenschaftlichen Fortschritt zu beschreiben: »Der wissenschaftliche Geist erzeugt eine bestimmte Art, wie man sich zu den Dingen dieser Welt einstellt; vor den Dingen der Religion macht er eine Weile halt, zaudert, endlich tritt er auch hier über die Schwelle.« (GWF, Bd. 14, S. 362) Van Swieten wagt es, die Schwelle zu überschreiten: Präzise, konsequent und mit dem typischen Sarkasmus eines Pathologen seziert van Swieten die angeblich magischen Vorkommnisse. Es fällt ihm auf, dass alle Berichte über Vampire aus Gegenden stammen, in denen die Leute ungebildet sind. Zu einer Zeit, als in der österreichischen Prozessordnung noch die Folter als Beweismittel zugelassen ist, denkt van Swieten schon wie ein früher Sherlock Holmes, registriert die Fakten und untersucht die Widersprüche in den Zeugenaussagen. Sein Kommentar zur Aussage eines Henkers, dass aus einem Vampir das Blut mit Gewalt hervorgeschossen sei, lautet:

»Der Henker (…) versicherte, daß, wenn man die zum Feuer verurtheilten Körper in Stücke zerhieb, das Blut mit Gewalt, und häufig daraus hervorschöße, ob er schon hernach mit größter Gelassenheit bekannte, dass dieses häufige Blut etwann einen Löffel voll ausmachen könnte. Dieses ziehet in der Geschichte eine ziemliche Veränderung nach sich.« (Swieten, Vampyrismus, S. 39)

Anhand konkreter Fälle zeigt van Swieten, wie abstrus die Argumente der Vampirjäger sind. Im Jahre 1723 hat man einen angeblich Untoten mit der Begründung verbrannt, »dass seine Großmutter in keinem Guten Ruf gewesen sey« (S. 41), ein Jahr später einen zweiten Mann, dem man nichts anderes vorwerfen konnte, als dass er mit dem ersten befreundet gewesen war. Auf der Basis seiner Untersuchungen kommt van Swieten zu dem Schluss: Die Toten sind und bleiben tot. Vampire entspringen nur den Köpfen ungebildeter Menschen. »Vampire« sind nicht Täter, sondern Opfer, »Schlachtopfer der Ignoranz und des Aberglaubens«, wie van Swieten wörtlich schreibt.

Konsequenterweise enthalten van Swietens Remarques sur le vampirisme auch eine Medienschelte. Geistergeschichten und die mangelnde Bildung seien dafür verantwortlich, dass der Pöbel vor Furcht außer sich selbst gerate und »in Ausschweifungen« verfalle. Die Phantasie der einfachen Menschen werde »durch die täglichen Erzählungen von Geistern und anderen Blendwerken« (Vampyrismus, S. 42) verdorben. Van Swieten empfiehlt, Vampirgeschichten zu verbieten, stattdessen sollten die Leute lieber die Schriften der Aufklärung lesen.

Diese Empfehlung konnte er als Leiter der Zensurkommission in die Tat umsetzen. Gábor Klaniczay weist in seinem Text Der Niedergang der Hexen und der Aufstieg der Vampire im Habsburgerreich des achtzehnten Jahrhunderts darauf hin, dass van Swieten »Berühmtheit erlangte«, weil er die Schriften verbieten ließ, die sich mit dem »Esoterischen, Dämonologischen und Magischen« beschäftigten. (S. 79)

DIE VAMPIRPRINZESSIN